Gesundheit: Deutschland streicht Homöopathie, Zuzahlungen steigen
08.06.2026 - 23:41:38 | boerse-global.de
WÀhrend Deutschland Homöopathie und andere Alternativmedizin aus dem Leistungskatalog wirft, bleibt die Schweiz beim Status quo.
Deutschland: Milliardensparpaket trifft Homöopathie
Das Gesundheitsministerium unter Nina Warken (CDU) will die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ab 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten. Kern des Sparpakets: Die vollstÀndige Streichung der Homöopathie aus der Grundversicherung.
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Weitere Einschnitte:
- Zuzahlungen fĂŒr Medikamente steigen von 5 bis 10 Euro auf 7,50 bis 15 Euro pro Packung
- Hautkrebs-Screening wird eingeschrÀnkt
- Ab 2028 zahlen viele bisher beitragsfrei mitversicherte Ehepartner 3,5 Prozent Beitrag
- Der Bundeszuschuss zur GKV sinkt von 14,5 auf 12,5 Milliarden Euro
Die PlĂ€ne stoĂen auf massiven Widerstand. Bundesrechnungshof-PrĂ€sident Ansgar Heveling kritisierte die KĂŒrzung der Bundesmittel am 8. Juni 2026 als willkĂŒrlich. CSU-Chef Markus Söder nannte die PlĂ€ne zur Familienversicherung bereits im MĂ€rz 2026 absurd.
Proteste und juristische Bedenken
Am 8. Juni 2026 demonstrierten HausĂ€rzte in Baden-WĂŒrttemberg gegen die SparplĂ€ne. Der Verband warnte vor einer Verschlechterung der Patientenversorgung durch die geplante Fixkostendegression. Auch Kliniken in SchwĂ€bisch Hall beteiligten sich.
Parallel zeichnet sich juristischer Gegenwind ab. Ein Gutachten von Pharma Deutschland kommt zu dem Schluss: Zentrale Elemente des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes verstoĂen wahrscheinlich gegen die Berufsfreiheit (Artikel 12 GG). Betroffen sind Clusterausschreibungen fĂŒr patentgeschĂŒtzte Arzneimittel und dynamisierte HerstellerabschlĂ€ge.
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Schweiz: Keine Streichung trotz Kritik
Ganz anders die Schweiz: Homöopathie bleibt Teil der obligatorischen Grundversicherung (KVG). BundesrÀtin Elisabeth Baume-Schneider (SP) stoppte Ende April 2026 entsprechende Untersuchungen, die eine mögliche Streichung vorbereiten sollten.
Kritiker sehen darin einen Widerspruch zu den KVG-Prinzipien: Leistungen mĂŒssen wirksam, zweckmĂ€Ăig und wirtschaftlich sein. Die Entscheidung könnte den Druck auf die VersicherungsprĂ€mien erhöhen. KomplementĂ€rmedizin jenseits der Grundversicherung ist in der Schweiz ĂŒber Zusatzversicherungen abgedeckt â hier verlangen Versicherer eine GesundheitsprĂŒfung.
Historischer Kontrast
Die aktuelle KĂŒrzungsdebatte steht im Gegensatz zu frĂŒheren Leistungsausweitungen. Seit dem 1. Juli 2020 ĂŒbernehmen die Kassen die Kosten fĂŒr Systemische Therapie bei Erwachsenen â wirksam bei Depressionen und Suchterkrankungen.
Einzelne Kassen wie die AOK Sachsen-Anhalt erstatteten bereits seit April 2015 anteilig Naturheilverfahren wie Akupunktur, sofern Ărzte mit Zusatzqualifikation sie durchfĂŒhren. Die geplante bundesweite Streichung der Homöopathie markiert eine ZĂ€sur in der bisherigen Erstattungspraxis.
