GesundheitsatlasPRO, AOK

GesundheitsatlasPRO: AOK Bayern zeigt Depressionen in 96 Regionen

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 18:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Atlas zeigt regionale Krankheitsdaten und benennt Prävention sowie bessere Arbeitsbedingungen als wichtige Ansatzpunkte.

AOK Bayern veröffentlicht Gesundheitsatlas mit Daten für 96 Regionen
Ein moderner, grüner Stadtpark mit gepflasterten Wegen und Bäumen im Herbst, der eine ruhige städtische Umgebung darstellt. Illustration mit AI erstellt.

Der gesundheitliche Zustand der Bevölkerung variiert auf lokaler Ebene zum Teil erheblich. Mit dem am 9. Oktober 2026 vorgestellten GesundheitsatlasPRO hat die AOK Bayern eine umfassende Auswertung für alle 96 Landkreise und kreisfreien Städte des Freistaats vorgelegt.

Das Informationsangebot basiert auf anonymisierten Routinedaten von AOK-Versicherten, die statistisch auf die jeweilige Gesamtbevölkerung hochgerechnet wurden. Die Plattform bildet Zehn-Jahres-Zeitreihen für zwölf ausgewählte Krankheitsbilder ab und gliedert diese nach Alter sowie Geschlecht.

Als dringlichste Handlungsfelder nennt die Krankenkasse die Förderung von Bewegung, die Vorbeugung von Stoffwechselerkrankungen und die Stärkung der psychischen Gesundheit.

Regionale Befunde am Beispiel städtischer Kennzahlen

Die regionalen Auswertungen des Atlas verdeutlichen die Verbreitung weit verbreiteter Beschwerden im kommunalen Vergleich. Für die kreisfreie Stadt Ingolstadt weist die Erhebung beispielsweise aus, dass 28,3 Prozent der Bevölkerung unter Rückenschmerzen leiden. Unter den 15- bis 24-Jährigen liegt dieser Anteil bei 13,5 Prozent, was etwas unter dem bayerischen Gesamtdurchschnitt liegt.

Bei den Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen verzeichnet Ingolstadt eine Quote von 25,4 Prozent bei Bluthochdruck. Typ-2-Diabetes betrifft 9,9 Prozent der Einwohnerschaft, während Adipositas bei 9,5 Prozent liegt; beide Werte liegen damit leicht unter dem bayerischen Durchschnitt. Eine Diagnose auf Depression liegt in Ingolstadt bei 12,5 Prozent der Bevölkerung vor, was in etwa dem landesweiten Mittelwert entspricht.

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Zunehmende Relevanz psychischer Belastungen

Die Einordnung der seelischen Gesundheit als zentrales Handlungsfeld korrespondiert mit bundesweiten Befunden zu Krankheitslast und Arbeitsausfällen. Eine Auswertung von 14,9 Millionen AOK-Versicherten ergab für das Jahr 2025, dass Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen im Schnitt 28,5 Tage je Fall betrugen.

Nach Angaben der SRH führten seelische Leiden bei DAK-versicherten Beschäftigten 2025 zu rund 366 Ausfalltagen je 100 Versicherte – ein Anstieg um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine entsprechende Krankschreibung dauerte durchschnittlich 34,2 Tage.

Auch Erhebungen des Robert Koch-Instituts weisen auf anhaltende Belastungen hin. In einer Befragung für das Jahr 2024 stuften 28 Prozent der erwachsenen Befragten ihr seelisches Wohlbefinden als eher schlecht ein, während rund 11 Prozent es als eher gut bewerteten.

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Etwa 22 Prozent der Erwachsenen berichteten über depressive Symptome. Seit 2020 registriert das Institut eine Zunahme depressiver und Angstsymptome in Deutschland, von denen jüngere Erwachsene und junge Frauen besonders häufig betroffen sind.

Präventionsstrukturen und betriebliche Rahmenbedingungen

Zur Gegensteuerung verweisen die gesetzlichen Krankenkassen auf flächendeckende Vorsorgeprogramme. Bundesweit stehen nahezu 50.000 Präsenzkurse sowie rund 2.500 digitale Angebote im Bereich Stress- und Ressourcenmanagement bereit.

Über alle Präventionsfelder hinweg – darunter Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und Suchtmittelkonsum – existieren mehr als 120.000 zertifizierte Angebote. Die Prüfung erfolgt durch die Zentrale Prüfstelle Prävention auf Grundlage des bundesweiten Leitfadens Prävention, wobei Krankenkassen die Kosten für Versicherte anteilig übernehmen.

Gleichzeitig wird hervorgehoben, dass individuelle Maßnahmen wie Bewegung oder Entspannungskurse strukturelle Fehlbelastungen nicht ausgleichen können. Laut SRH reicht es nicht aus, chronischer Überlastung lediglich mit Achtsamkeitsangeboten zu begegnen.

Erforderlich seien in Betrieben vielmehr realistische Arbeitsmengen, eine ausreichende Personalbesetzung, verlässliche Arbeitszeiten sowie ausreichende Handlungs- und Entscheidungsspielräume für die Beschäftigten.

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