Gesundheitswesen: McKinsey beziffert KI- und Digitalpotenzial auf 80 Milliarden
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 11:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas ungenutzte jährliche Wertpotenzial durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz im deutschen Gesundheitswesen beläuft sich auf 80 Milliarden Euro. Dies geht aus der im Oktober 2026 vorgelegten McKinsey-Studie „Das 80 Mrd. EUR-Update“ hervor. Im Jahr 2022 hatte die Unternehmensberatung dieses Potenzial noch auf rund 42 Milliarden Euro beziffert.
Wie das Ärzteblatt berichtete, entsprechen die ermittelten 80 Milliarden Euro rund 17 Prozent der für 2026 adressierbaren Gesundheitsausgaben in Höhe von 479 Milliarden Euro.
Der bereits realisierte jährliche Nutzen liegt der Studie zufolge im Jahr 2026 bei 11,5 Milliarden Euro, nachdem er 2022 noch 1,4 Milliarden Euro betragen hatte. McKinsey betont dabei, dass es sich bei der Untersuchung um eine Modellrechnung und nicht um eine Einspargarantie handelt.
Automatisierung und papierlose Prozesse als wesentliche Hebel
Rund zwei Drittel des verbleibenden Potenzials resultieren laut McKinsey aus Produktivitätssteigerungen. Allein auf den Bereich der künstlichen Intelligenz entfallen 22,8 Milliarden Euro des ermittelten Gesamtpotenzials. Den größten einzelnen Wertepool stellen Arbeitsabläufe und Automatisierung mit 18,5 Milliarden Euro dar.
Den größten Einzelbeitrag zur Hebung von Reserven leisten papierlose Daten. Die Einführung und Nutzung von E-Rezept, elektronischer Patientenakte (ePA) sowie digitaler Klinikkommunikation bieten ein jährliches Potenzial von 5,9 Milliarden Euro. Für die ePA beziffert McKinsey das verbleibende jährliche Nutzenpotenzial auf insgesamt 9,3 Milliarden Euro.
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Davon entfallen 6,2 Milliarden Euro auf eine konsequentere Befüllung und Nutzung, während lediglich rund 400 Millionen Euro durch zusätzliche Zugänge generiert würden. Dagegen wurde das Potenzial für Telekonsultationen von zuvor 5,7 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf nun 3,9 Milliarden Euro nach unten korrigiert.
Ausbau der Dateninfrastruktur und politische Bedenken
Auf institutioneller Ebene forciert auch die öffentliche Hand die Datennutzung. Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit plant die Nutzung von KI und ePA-Daten, um sich als zentrales Forschungszentrum zu etablieren. Ziel der Einrichtung ist es, die Zugänglichkeit und Verwertung von Gesundheitsdaten für wissenschaftliche Zwecke zu verbessern und eine robustere Dateninfrastruktur aufzubauen.
Gleichzeitig formiert sich politischer Widerstand gegen geplante Regelungen zur Datenverarbeitung. Stella Merendino, Sprecherin für Krankenhaus und Notfallversorgung der Linksfraktion, kritisierte das Vorhaben von Bundesgesundheitsminister Linnemann.
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Patientinnen und Patienten müssten demnach weder zustimmen noch erführen sie, wer ihre Daten verarbeite. Zudem würden Risiken durch KI-Hackingangriffe und den Handel mit Gesundheitsdaten ausgeblendet sowie Datenschutzstandards abgesenkt.
Rückendeckung für datenschutzrechtliche Vorbehalte liefert eine forsa-Umfrage unter 1.024 gesetzlich Versicherten ab 18 Jahren, die der Verbraucherzentrale Bundesverband im September 2026 in Auftrag gab. Der Erhebung zufolge kennen 71 Prozent der gesetzlich Versicherten die Regelung zur Datenauswertung nicht. Gleichzeitig bewerten 57 Prozent aller Befragten diese Praxis als eher oder vollkommen falsch.
