Ginseng, Demenz

Ginseng bei Demenz und Angst: Übersichtsarbeit sieht Potenzial, aber Daten fehlen

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Präklinische Befunde sind vielversprechend, doch für therapeutische Empfehlungen fehlen bislang belastbare klinische Daten.
Getrocknete Ginsengwurzeln auf einer hölzernen Oberfläche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Eine Ende August 2026 im Fachjournal Journal of Ginseng Research veröffentlichte Übersichtsarbeit eines südkoreanischen Forschungsteams analysiert das therapeutische Potenzial von Panax ginseng bei verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Krankheitsbildern.

Die Wissenschaftler untersuchten die Wirkungen der Pflanze auf Depressionen, Angststörungen, Schizophrenie sowie kognitive Beeinträchtigungen und Demenzerkrankungen. Im Zentrum der Betrachtung standen dabei die bioaktiven Ginsenoside sowie deren Einfluss auf entzündliche und neurobiologische Prozesse im zentralen Nervensystem.

Modulation von Neurotransmittern und neuroprotektive Effekte

Die Autoren der Übersichtsarbeit weisen darauf hin, dass die im Ginseng enthaltenen Ginsenoside zentrale Neurotransmittersysteme modulieren. Dazu zählen Serotonin, Dopamin, Noradrenalin sowie Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Neben dieser Regulierung der Signalübertragung belegen die ausgewerteten Daten neuroprotektive, antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften.

In präklinischen Modellen zeigten die Extrakte eine antidepressive und angstlösende Wirkung, die mit konventionellen Medikamenten vergleichbar war. Ginsenoside stellen die primären bioaktiven Verbindungen der Heilpflanze dar, binden an Zellmembranproteine und werden auf ihr Anwendungspotenzial bei Altershirnerkrankungen untersucht.

Als Adaptogen soll Ginseng zudem die körpereigene Stressabwehr unterstützen und die Umwandlung von Milchsäure in Brenztraubensäure fördern, was Ermüdungssymptome verringern kann.

Begrenzte klinische Daten und notwendige Studien

Trotz vielversprechender Ergebnisse in präklinischen Versuchsreihen betonen die Wissenschaftler, dass die vorliegenden klinischen Daten bislang begrenzt sind.

Anzeige

Wer sich mit der Vorbeugung von Altershirnerkrankungen befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber elf praktische Übungen für den Alltag. 11 Alltagsübungen zur Stärkung der geistigen Fitness entdecken

Zwar ergaben klinische Untersuchungen Hinweise auf eine Linderung von Symptomen bei Morbus Alzheimer und Schizophrenie, verlässliche therapeutische Empfehlungen lassen sich daraus jedoch noch nicht unmittelbar ableiten. Das südkoreanische Team fordert daher groß angelegte Studien, um die klinische Wirksamkeit endgültig zu bestätigen und klare Vorgaben für Dosierung und Sicherheit zu erarbeiten.

Bereits frühere Untersuchungen beleuchteten kognitive Effekte der Heilpflanze. So deuteten sechs klinische Versuche darauf hin, dass Ginseng psychomotorische Funktionen wie Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit verbessern kann. Darüber hinaus könnten die antioxidativen Eigenschaften bei altersbedingten neurodegenerativen Erkrankungen eine lindernde Rolle spielen.

Dosierungsempfehlungen und behördliche Anerkennung

Eine offizielle Standarddosis existiert nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation bislang nicht. Die meisten wissenschaftlichen Studien empfehlen eine tägliche Einnahme von 200 Milligramm Panax-ginseng-Extrakt oder alternativ 0,5 bis 2 Gramm der getrockneten Wurzel.

Bei Kapselpräparaten liegen die Dosen meist zwischen 100 und 600 Milligramm pro Tag. Für asiatischen Ginseng werden häufig 200 bis 400 Milligramm täglich veranschlagt, für amerikanischen Ginseng (Panax quinquefolius) 100 bis 300 Milligramm. Nach einer dreimonatigen Anwendungsdauer wird eine einmonatige Einnahmepause empfohlen.

Anzeige

Um die eigene geistige Leistungsfähigkeit neben einer gesunden Lebensweise besser einschätzen zu können, nutzen viele Menschen diesen diskreten Selbstcheck. Kostenlosen 7-Fragen-Test auf Demenz-Anzeichen durchführen

In Südkorea erkennt das Ministerium für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit Roten Ginseng (Hong Sam Jung) offiziell für fünf gesundheitliche Wirkungsbereiche an: Stärkung der Immunfunktion, Linderung von Fatigue, Unterstützung des Blutkreislaufs, Förderung der Gedächtnisleistung sowie als Antioxidans.

Eine im Journal of Ginseng Research veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2021 mit 100 gesunden Erwachsenen über acht Wochen wies signifikant höhere T-Zellen, B-Zellen und Gesamtleukozyten im Vergleich zur Placebogruppe nach. Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2025 mit 46 gesunden Probanden zeigte über drei Wochen eine stärkere Reduktion subjektiver Fatigue-Werte.

Risiken und unerwünschte Wirkungen

Trotz der breiten Nutzung in Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln ist die Einnahme nicht frei von Risiken. Zu den dokumentierten Nebenwirkungen gehören Schlaflosigkeit, Magenbeschwerden, Nervosität und ein Anstieg des Blutdrucks.

Sehr hohe Dosierungen können zu Verwirrtheit und depressiven Verstimmungen führen. Zudem sind Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Herzklopfen, Hautausschläge, Appetitlosigkeit sowie bei Frauen Zyklusstörungen und Schwellungen oder Schmerzen der Brust beschrieben worden.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70476109 |