GKV-BeitrÀge: Höhere Bemessungsgrenze könnte Mehrkosten von 10 Prozent bringen
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gesundheitssysteme in der Schweiz, Liechtenstein und Deutschland stehen vor erheblichen finanziellen Anpassungen fĂŒr das Jahr 2027. WĂ€hrend in der Schweiz eine deutliche Steigerung der KrankenkassenprĂ€mien erwartet wird, zeigen sich in den NachbarlĂ€ndern unterschiedliche Entwicklungen bei den ZusatzbeitrĂ€gen, Bemessungsgrenzen und staatlichen Sparvorgaben.
Prognosen und Kostentreiber in der Schweiz
FĂŒr die Schweiz deuten aktuelle Berichte auf einen deutlichen Anstieg der KrankenkassenprĂ€mien im Jahr 2027 hin. Laut Informationen der «NZZ am Sonntag» könnten die PrĂ€mien um 4 bis 5 Prozent steigen.
Die «SonntagsZeitung» prognostiziert eine Erhöhung in Richtung 5 Prozent, nachdem die Steigerung in der vorangegangenen Runde bei 4,4 Prozent gelegen hatte. BundesrÀtin Elisabeth Baume-Schneider wird die neuen PrÀmien an einem Dienstag offiziell bekannt geben.
Als wesentliche Kostentreiber werden die Angehörigenpflege sowie der Einsatz von Abnehmspritzen (GLP-1-Analoga) identifiziert. Den Angaben des Krankenkassenverbands Prioswiss zufolge zahlen Versicherer rund 53 Franken pro Stunde fĂŒr die Angehörigenpflege, was die PrĂ€mienzahler im Jahr 2026 mindestens 350 Millionen Franken kosten dĂŒrfte.
Die Ausgaben fĂŒr GLP-1-Analoga zur Behandlung von Adipositas und Diabetes Typ 2 belaufen sich schweizweit auf etwa 160 Millionen Franken pro Jahr, wobei die Kosten pro Person jĂ€hrlich rund 2100 Franken betragen.
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Zudem belasten neue Arzttarife, die per 2026 eingefĂŒhrt wurden, das System. Ein Monitoring des Bundes fĂŒr das erste Quartal 2026 verzeichnete bei ambulant tĂ€tigen Ărzten ein Kostenwachstum von 5,5 Prozent, im zweiten Quartal stieg dieser Wert auf 7,1 Prozent.
Besonders in den Fachbereichen Augenheilkunde, Dermatologie und Neurologie wurden zweistellige ZuwÀchse beobachtet. Prioswiss-Direktorin Saskia Schenker verwies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit der BetrugsbekÀmpfung, wÀhrend der PrÀsident des Chirurgenverbands FMCH, Michele Genoni, den neuen Tarif als unzureichend kritisierte.
ReformansÀtze und Entlastungseffekte
Um den Kostendruck langfristig zu dĂ€mpfen, wird in der Schweiz ĂŒber eine Erhöhung der Mindestfranchise von 300 auf 400 Franken diskutiert. Eine Umfrage von Bonus.ch unter 5500 Beteiligten ergab jedoch, dass 59 Prozent der Befragten eine solche Erhöhung ablehnen.
Entlastung wird von der sogenannten Efas-Reform erwartet, die 2024 vom Volk angenommen wurde. Ab 2028 sollen Kantone ein Viertel der Kosten ĂŒbernehmen, wĂ€hrend die Versicherer drei Viertel tragen, was auch fĂŒr ambulante Therapien und Medikamente gilt. Experten rechnen damit, dass dieser Effekt die PrĂ€mien gesamtschweizerisch um rund 2 Prozent dĂ€mpfen könnte.
Moderate Steigerungen in Liechtenstein
In Liechtenstein fĂ€llt die prognostizierte Erhöhung fĂŒr das Jahr 2027 moderater aus. Die Regierung teilte mit, dass die PrĂ€mien der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) um durchschnittlich 2,3 Prozent steigen werden. FĂŒr Erwachsene bedeutet dies eine mittlere PrĂ€mie von 394,51 Franken pro Monat.
Inklusive gesetzlicher Franchise und Unfalldeckung belÀuft sich der Betrag auf 438,45 Franken. Die liechtensteinische Regierung plant zudem, dem Landtag strukturelle Reformen zur KosteneindÀmmung vorzulegen, die potenziell zum 1. Januar 2028 in Kraft treten könnten.
Systemumbau und Beitragsdruck in Deutschland
In Deutschland zeigt die Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) fĂŒr das erste Halbjahr 2026 einen Ăberschuss von 2,6 Milliarden Euro. Dennoch steigen die Leistungsausgaben mit 7,4 Prozent deutlich stĂ€rker als die Beitragseinnahmen (+4,1 Prozent). Besonders die stationĂ€re Versorgung und die Behandlungspflege verzeichneten hohe Zuwachsraten.
FĂŒr das Jahr 2027 wird trotz offiziell stabil angestrebter BeitragssĂ€tze eine Mehrbelastung fĂŒr Versicherte erwartet. Die Beitragsbemessungsgrenze soll von 5812,50 Euro auf 6375 Euro pro Monat steigen.
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FĂŒr Bezieher hoher Einkommen könnte dies Beitragssteigerungen von rund 10 Prozent zur Folge haben. Zudem treten ab Januar 2027 KĂŒrzungen bei den ZuschĂŒssen fĂŒr Zahnersatz in Kraft: Ohne lĂŒckenloses Bonusheft ĂŒbernehmen die Kassen kĂŒnftig nur noch 50 Prozent der Kosten.
Parallel dazu wurden bereits durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Sommer 2026 Leistungen wie Homöopathie fĂŒr Kinder unter 12 Jahren gestrichen. Ab 2027 soll zudem die beitragsfreie Familienversicherung mit bestimmten Ausnahmen eingeschrĂ€nkt werden.
