GLP-1-Markt: Gewichtsreduktion wird 100-Milliarden-GeschÀft bis 2030
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Abnehmspritzen und die nĂ€chste Generation oraler GLP-1-PrĂ€parate gelten als einer der gröĂten WachstumsmĂ€rkte der kommenden Jahrzehnte. Wer am Ende an diesem GeschĂ€ft verdient, entscheidet sich zunehmend nicht mehr allein ĂŒber die Wirkstoffe selbst, sondern ĂŒber Patente, Zulieferketten und den Wettbewerb durch Generika.
Im Zentrum stehen die beiden Platzhirsche Eli Lilly und Novo Nordisk, deren RivalitĂ€t den Markt bislang prĂ€gte â sich nach EinschĂ€tzung von Novo-Chef Doustdar aber grundlegend wandeln dĂŒrfte.
Von zwei Anbietern zu einem Vielspieler-Markt
Doustdar erklĂ€rte im August, der GLP-1-Markt werde sich nicht als Duell zweier Konzerne entwickeln, sondern kĂŒnftig von zahlreichen Anbietern geprĂ€gt sein â er verglich die Situation mit dem VerhĂ€ltnis zwischen Coca-Cola, Pepsi und Fanta.
Diese EinschĂ€tzung deckt sich mit Marktprognosen, wonach der Markt fĂŒr Gewichtsreduktion bis 2030 ein Volumen von ĂŒber 100 Milliarden US-Dollar jĂ€hrlich erreichen soll.
Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist der Ăbergang von Injektionen zu Tabletten: Bereits jetzt hĂ€lt die Wegovy-Tablette von Novo Nordisk rund 90 Prozent des oralen GLP-1-Marktes, wĂ€hrend Prognosen zeigen, dass Tabletten bis 2030 bis zu 50 Prozent des gesamten GLP-1-Marktes ausmachen könnten.
Nachfrage in den USA vervierfacht sich
Wie stark die Nachfrage bereits gestiegen ist, zeigen Zahlen zu den GLP-1-Verschreibungen in den USA, die sich zwischen 2021 und 2026 vervierfacht haben. Gleichzeitig deutet sich ein Wendepunkt in der Epidemiologie an: Eine Studie aus dem Jahr 2023 verzeichnete erstmals seit einem Jahrzehnt einen RĂŒckgang der AdipositasprĂ€valenz.
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Langfristige Prognosen des Forschungsinstituts IHME zeichnen dennoch ein dĂŒsteres Bild: Die AdipositasprĂ€valenz soll von 42,5 Prozent im Jahr 2022 auf 46,9 Prozent im Jahr 2035 steigen â ein Hinweis darauf, dass der Bedarf an wirksamen Medikamenten trotz erster Erfolge kaum abnehmen dĂŒrfte.
Zulieferer und Ăbernahmen als zweite Gewinnzone
Vom Boom profitieren nicht nur die Pharmakonzerne selbst, sondern auch ihre Zulieferer. Der Schweizer Peptidhersteller PolyPeptide verzeichnete im ersten Halbjahr einen Umsatzanstieg von 42 Prozent auf 237 Millionen Euro, getragen von neuen belgischen ProduktionskapazitĂ€ten fĂŒr GLP-1-Peptide.
Auch auf der Konzernebene bewegt sich der Sektor: Samsung Biologics unterbreitete ein Ăbernahmeangebot in Höhe von 44,31 Schweizer Franken je Aktie, insgesamt 1,46 Milliarden Schweizer Franken, mit einer PrĂ€mie von 40 Prozent.
Steigende Preise und neue Konkurrenzprodukte
FĂŒr Patienten in GroĂbritannien wird der Zugang zu den PrĂ€paraten teurer: Der Preis fĂŒr Mounjaro in der höchsten Dosierung stieg dort auf 247,50 Britische Pfund. Gleichzeitig drĂ€ngen neue orale Wirkstoffe auf den Markt. Eli Lillys orales PrĂ€parat Orforglipron erzielte in einer Phase-3-Studie eine Gewichtsreduktion von 12,4 Prozent.
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Zudem wurde Eli Lillys Foundayo in GroĂbritannien zugelassen. Umfragen zeigen, dass 34 Prozent der Briten Tabletten anstelle von Spritzen in ErwĂ€gung ziehen wĂŒrden, bei Befragten mit einem Jahreseinkommen von ĂŒber 80.000 Pfund liegt dieser Anteil bei 58 Prozent. Insgesamt gaben 24 Prozent der Befragten an, GLP-1-PrĂ€parate bereits zu nutzen oder genutzt zu haben.
Erstattungsdebatte in Deutschland
Auch in Deutschland gewinnt die Diskussion um den Zugang zu diesen Medikamenten an Fahrt. Die Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Optendrenk, forderte eine Erstattung von Adipositas-Medikamenten durch die gesetzlichen Krankenkassen.
Die Kassen selbst warnen jedoch vor den damit verbundenen Kosten â ein Sprecher der BKK verwies darauf, dass Semaglutid und Tirzepatid bereits im Bereich Diabetes zu Blockbustern geworden seien.
Als möglichen Kompromiss brachte der Deutschlandchef von Eli Lilly, Horn, eine Zuzahlungslösung fĂŒr Patienten ins Spiel. Wie diese Bdiedebatte ausgeht, dĂŒrfte maĂgeblich beeinflussen, wie schnell sich der wachsende Markt auch in Deutschland entfaltet.
