GLP-1-Medikamente: 94 Prozent Àndern ihr Bestellverhalten im Restaurant
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 19:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die zunehmende Verbreitung von GLP-1-Medikamenten zur Gewichtsreduktion hinterlĂ€sst deutliche Spuren im Konsum- und Gastronomiesektor. Das verĂ€nderte SĂ€ttigungsgefĂŒhl der Behandelten fĂŒhrt zu neuen ErnĂ€hrungsgewohnheiten, auf die sich Restaurantbetreiber und Lebensmittelanbieter zunehmend einstellen mĂŒssen.
Deutliche Verschiebungen beim Restaurantbesuch
Laut einer Gallup-Umfrage nutzen inzwischen 11 Prozent der US-Erwachsenen ein GLP-1-Medikament zur Gewichtsabnahme, wÀhrend es zwei Jahre zuvor noch 3 Prozent waren.
FTI Consulting ermittelte fĂŒr das FrĂŒhjahr 2026, dass etwa 18 Prozent der US-Erwachsenen solche PrĂ€parate verwendeten, nach 14 Prozent im Jahr 2025. In der Altersgruppe zwischen 35 und 54 Jahren lag der Anteil bei 23 Prozent.
Trendforscherin Karin Tischer erklĂ€rte in einem Interview, dass sich klassische Mahlzeiten zunehmend auflösten und situatives Snacking zunehme. Abnehmspritzen befeuerten diese Entwicklung, da Nutzer weniger Hunger und ein schnelleres SĂ€ttigungsgefĂŒhl verspĂŒrten.
In den USA nÀhmen 12 Prozent der Bevölkerung eine Abnehmspritze, in Deutschland liege der Anteil bei 2 bis 3 Prozent mit wachsender Tendenz. Viele US-Nutzer verzichteten fast vollstÀndig auf Restaurantbesuche, auch weil passende Angebote fehlten.
Eine im August 2026 durchgefĂŒhrte Erhebung verdeutlicht den Wandel: Demnach gaben 51 Prozent der Befragten an, seltener auswĂ€rts zu essen, wĂ€hrend 62 Prozent weniger Essen bestellten und 51 Prozent weniger Geld ausgaben. Insgesamt 94 Prozent modifizierten ihr Bestellverhalten.
Bei Desserts verzeichneten 70 Prozent einen RĂŒckgang, bei groĂen Hauptgerichten 52 Prozent und bei Softdrinks sowie Beilagen wie Pommes jeweils 48 Prozent. Auch Alkohol wurde von 44 Prozent seltener geordert. Zugleich stieg die Nachfrage nach Salaten bei 69 Prozent, nach gegrilltem beziehungsweise magerem Protein bei 57 Prozent und nach proteinreichen Gerichten bei 56 Prozent.
Als unangenehm empfanden 57 Prozent frittierte oder fettige Speisen sowie 30 Prozent groĂe Portionen. Zudem gaben 87 Prozent an, kleinere Portionen bestellen zu wollen. Auch die europĂ€ische BSI-Studie âGLP-1 Foodâ aus dem Jahr 2026 ermittelte bei Befragten aus sechs LĂ€ndern 41 Prozent kleinere Portionen sowie 43 Prozent weniger ungeplante KĂ€ufe gegenĂŒber der Zeit vor Therapiebeginn.
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Reaktionen der Gastronomiebetriebe
Gastronomiebetriebe reagieren mit angepassten PortionsgröĂen und neuen MenĂŒlinien. In Atlanta berichtete Deborah VanTrece, Inhaberin des Twisted Soul Cookhouse & Pours, dass der durchschnittliche Rechnungsbetrag in den letzten Monaten um ĂŒber 25 Prozent gesunken sei. GĂ€ste lieĂen halbe Teller zurĂŒck, teilten Hauptgerichte oder wĂ€hlten ausschlieĂlich Vorspeisen.
Im New Yorker Restaurant Tucci werden Mini-Versionen angeboten, darunter ein einzelnes Arancini mit Kaviar fĂŒr 12 US-Dollar statt der regulĂ€ren Portion von drei StĂŒck fĂŒr 34 US-Dollar. Aldaco's Mexican Cuisine kĂŒndigte ein MenĂŒ mit sechs protein- und gemĂŒseorientierten Gerichten an.
Auch groĂe Ketten passen ihr Angebot an. Restaurant Brands International, der Mutterkonzern von Burger King, stuft Abnehmmedikamente als GeschĂ€ftsrisiko ein und testet kleinere Portionen wie Whopper Bites. McDonald's testet Salate mit HĂ€hnchenstreifen und Wraps, wenngleich Vorstandschef Kempczinski bislang keine direkten Effekte durch GLP-1 sieht.
Bereits 2025 fĂŒhrte Chipotle proteinreiche MenĂŒs in mehr als 4.200 Restaurants ein, wĂ€hrend Shake Shack Ende desselben Jahres ein proteinreiches Angebot etablierte. Rick Cardenas, Vorstandsvorsitzender von Darden, stellte fest, dass die Medikamente das Trinkverhalten stĂ€rker beeinflussten als das Essverhalten.
Wirtschaftliche Herausforderungen fĂŒr Betreiber
Die Anpassung an kleinere PortionsgröĂen birgt wirtschaftliche Risiken. Nach Angaben von Berater Darren Tristano von Foodservice Results kostet eine halbe Portion in der Herstellung und Kalkulation etwa 75 Prozent des Vollpreises, was die Margen schmĂ€lern kann.
Eine halbe Portion kostet in der Herstellung rund 75 Prozent des Vollpreises â bei kleineren GĂ€steportionen wird das schnell zum Margenproblem. Der Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Portionen kalkulieren, ohne draufzuzahlen. Portionskalkulation jetzt durchrechnen
Laut der National Restaurant Association stiegen zudem die durchschnittlichen Stundenlöhne sowie die GroĂhandelspreise fĂŒr Lebensmittel seit Anfang 2020 um ĂŒber 35 Prozent. Infolgedessen wirtschaftete ein Drittel der Restaurants in der ersten JahreshĂ€lfte unprofitabel. Die verĂ€nderten KundenprĂ€ferenzen treffen die Branche somit in einer Phase ohnehin angespannter Kostenstrukturen.
