GLP-1-Medikamente bei Kindern: 16,8 Prozent entwickeln NÀhrstoffmÀngel
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 08:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
GLP-1-Rezeptoragonisten gewinnen in der Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes bei jungen Menschen an Bedeutung. Eine Untersuchung des Lurie Children's Hospital of Chicago und der Northwestern University, die am 17. September 2026 in der Fachzeitschrift âChildhood Obesityâ online veröffentlicht wurde, lenkt den Blick nun auf die ernĂ€hrungsphysiologischen Begleiterscheinungen. Die Auswertung zeigt ein erhöhtes Risiko fĂŒr NĂ€hrstoffdefizite bei Kindern und Jugendlichen unter einer entsprechenden medikamentösen Therapie.
Signifikante Defizite innerhalb des ersten Behandlungsjahres
Das Forschungsteam analysierte nationale US-Krankenversicherungsdaten aus den Jahren 2017 bis 2022 von ĂŒber 100 Millionen Patienten. In die Erhebung flossen die Daten von 2.031 Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren ein.
Das Durchschnittsalter der Gruppe lag bei 15 Jahren, rund 63 Prozent wiesen Adipositas auf. Bei allen Teilnehmenden war die Therapie kĂŒrzlich gestartet worden, und in den sechs Monaten vor Behandlungsbeginn lag kein dokumentierter NĂ€hrstoffmangel vor.
Die meisten untersuchten MinderjÀhrigen litten an Typ-2-Diabetes oder Adipositas. Am hÀufigsten wurde ihnen Liraglutid verschrieben, gefolgt von Dulaglutid und Semaglutid, dessen Verordnungsanteil bei 9,1 Prozent lag. Tirzepatid war in den untersuchten Daten nicht enthalten.
Die Ergebnisse der retrospektiven Analyse verdeutlichen, dass 16,8 Prozent â fast eines von sechs Kindern â innerhalb eines Jahres nach Therapiebeginn mindestens einen NĂ€hrstoffmangel oder eine ernĂ€hrungsbedingte Komplikation entwickelten. Nach sechs Monaten lag dieser Anteil bereits bei 10,2 Prozent.
Die hĂ€ufigste erfasste Diagnose war ein Vitamin-D-Mangel mit 12,4 Prozent innerhalb eines Jahres, welcher potenziell zu Rachitis fĂŒhren kann. Zu den weiteren dokumentierten Befunden gehörten nutritive AnĂ€mie mit 1,5 Prozent beziehungsweise rund 1,6 Prozent sowie EisenmangelanĂ€mie mit 1,4 Prozent.
VersÀumnisse bei der ernÀhrungsmedizinischen Begleitung
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Trotz dieser Risiken war die begleitende ErnĂ€hrungsberatung den Daten zufolge unzureichend ausgebaut. Nur 23,3 Prozent der Betroffenen erhielten innerhalb von 180 Tagen nach dem Start der Medikation eine ErnĂ€hrungstherapie oder -beratung. Innerhalb der ersten 30 Tage lag dieser Anteil bei nur 5,8 Prozent beziehungsweise 5 Prozent. Zudem betrug die durchschnittliche Wartezeit auf eine Erstberatung fast fĂŒnf Monate, genau rund 149 Tage.
Studienleiter Dr. Justin Ryder, Professor fĂŒr Chirurgie und PĂ€diatrie am Lurie Children's Hospital of Chicago, hob hervor, dass NĂ€hrstoffe wie Vitamin D, Eisen und Kalzium in der Adoleszenz von zentraler Bedeutung seien. MĂ€ngel könnten sich in Phasen schnellen Wachstums sowie der PubertĂ€t negativ auf Knochengesundheit und Entwicklung auswirken.
Ryder mahnte an, dass ErnĂ€hrungsunterstĂŒtzung ab Beginn der Behandlung gewĂ€hrleistet sein mĂŒsse. Erforderlich seien eine sorgfĂ€ltige Bewertung im Vorfeld und eine regelmĂ€Ăige Ăberwachung, anstatt erst beim Auftreten klinischer MĂ€ngel einzugreifen.
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EinschrĂ€nkend verweist die Untersuchung darauf, dass eine retrospektive Auswertung keine KausalitĂ€t nachweisen kann. Zudem stĂŒtzten sich die Daten auf AbrechnungsansprĂŒche von Versicherungen und nicht auf direkte Laborblutwerte, weshalb unentdeckte MĂ€ngel bereits vor Behandlungsstart bestanden haben könnten. Finanziert wurde die Studie von Abbott; fĂŒnf der Autoren stehen in einem BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnis mit dem Unternehmen.
Steigende Verordnungszahlen und klinische Einordnung
Die Befunde treffen auf einen Trend zu steigenden Behandlungszahlen in der pĂ€diatrischen Versorgung. Laut einer Registeranalyse des DPV-Registers fĂŒr Deutschland, Ăsterreich und Luxemburg unter Leitung von Dr. Marie Auzanneau von der UniversitĂ€t Ulm, die Ende September 2026 auf der EASD-Jahrestagung in Mailand vorgestellt wurde, stieg der Verordnungsanteil von GLP-1-Rezeptoragonisten bei jungen Typ-2-Diabetikern im Alter von 6 bis 24 Jahren deutlich an. Lag die Quote 2019 noch bei 6,3 Prozent, kletterte sie bis 2025 auf 27,2 Prozent.
Mediziner weisen darauf hin, dass GLP-1-Medikamente stets in ein umfassendes Konzept eingebettet sein mĂŒssen, das ErnĂ€hrung, Bewegung, Schlaf und VerhaltensunterstĂŒtzung umfasst. Angesichts der beobachteten NĂ€hrstoffdefizite gewinnt die lĂŒckenlose ernĂ€hrungsmedizinische Ăberwachung von Kindern und Jugendlichen wĂ€hrend der medikamentösen Therapie zunehmend an Relevanz.
