GLP-1-Medikamente: Krebsrisiko sinkt um 41 Prozent
29.06.2026 - 07:11:37 | boerse-global.de
GLP-1-Medikamente zeigen überraschende Zusatzeffekte – und die Forschung entdeckt die biologischen Ursachen von Bauchfett.
Krebsrisiko deutlich reduziert
Eine Studie der Annals of Oncology Ende Juni 2026 liefert beeindruckende Zahlen: Über 229.000 adipöse, nicht-diabetische Patienten in den USA wurden untersucht. Das Ergebnis: GLP-1-Präparate senkten das Krebsrisiko um durchschnittlich 41 Prozent. Besonders stark wirkte der Wirkstoff Tirzepatid.
Allerdings gibt es Unterschiede. Bei weißen Patienten lag die Risikoreduktion bei rund 50 Prozent. Bei schwarzen Patienten fanden die Forscher keinen vergleichbaren signifikanten Effekt. Die Gründe dafür sind noch unklar.
Neue Wirkstoffklasse mit 28 Prozent Gewichtsverlust
Eli Lilly treibt die Entwicklung des Triple-Agonisten Retatrutide voran. Der Wirkstoff spricht die Rezeptoren für GIP, GLP-1 und Glucagon an. Über 80 Wochen erzielten die Probanden einen Gewichtsverlust von bis zu 28 Prozent.
Auch Blutdruck und Cholesterinwerte verbesserten sich. Die Kehrseite: Nebenwirkungen wie Übelkeit und Infektionen traten auf.
Wenn Medikamente die Bewegung bremsen
Die Forschung identifiziert zunehmend unerwünschte Begleiterscheinungen. Eine Studie des HSHS Saint John’s Hospital aus Illinois an 753 Patienten zeigt: Nach Beginn einer GLP-1-Therapie sank die körperliche Aktivität. Die tägliche Schrittzahl fiel von durchschnittlich 5.050 auf rund 4.490 Schritte.
Ein weiteres Problem: Muskelverlust bei starker Gewichtsabnahme. Eine Ende Juni 2026 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Studie mit 102 Teilnehmern gibt Hoffnung. Der Antikörper Apitegromab half in Kombination mit Wirkstoffen wie Mounjaro, die Muskelmasse zu erhalten. Die Gruppe mit Apitegromab bewahrte deutlich mehr Muskelmasse als die Placebogruppe.
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Warum Bauchfett mit dem Alter kommt
Wissenschaftler der City of Hope und der UCLA identifizierten eine spezifische Stammzellpopulation: CP-A-Zellen. Ab dem mittleren Alter bilden sie vermehrt Fettzellen im Bauchraum. Der Mechanismus wird über den LIFR-Signalweg gesteuert und betrifft besonders Männer.
Bisher gibt es keine zugelassenen Medikamente, die gezielt diesen Prozess adressieren. Die Forschung liefert aber wichtige Ansatzpunkte für künftige Therapien.
Ohne Medikamente: Der Weg der Schauspielerin
Dass Gewichtsreduktion auch ohne Medikamente gelingt, zeigt das Beispiel der Schauspielerin Ronja Forcher. CrossFit-Training, Saunagänge und Ernährungsumstellung führten zu nachhaltigem Erfolg.
Experten betonen: Für die langfristige Bekämpfung von Adipositas und Typ-2-Diabetes sind ganzheitliche Ansätze nötig. Medikamente allein reichen nicht.
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Zuckersteuer: 16 Milliarden Euro Einsparungen?
Die SPD schlägt eine gestaffelte Zuckersteuer auf Softdrinks vor. Ab 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter soll eine Abgabe von 20 Cent pro Liter fällig werden. Bei über 8 Gramm steigt die Abgabe auf 30 Cent.
Modellrechnungen prognosticieren Einsparungen im Gesundheitssystem von bis zu 16 Milliarden Euro über zwei Jahrzehnte. Kritiker bemängeln die zunehmende Rolle des Staates als Ernährungsberater.
Pharma-Marketing in der Kritik
Unternehmen wie Eli Lilly und Novo Nordisk finanzieren Aufklärungskampagnen. Diese definieren Adipositas als chronische Krankheit ohne Eigenverschulden. Regulierungsbehörden in der Schweiz und Frankreich bewerten solche Kampagnen teils als indirekte Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente.
In Frankreich wurden bereits 2024 Geldstrafen verhängt. Die?debatte um die Grenzen zwischen Aufklärung und Marketing dürfte weitergehen.
