GLP-1-Medikamente: Patienten bewegen sich tÀglich 560 Schritte weniger
20.06.2026 - 01:48:16 | boerse-global.de
Die tĂ€gliche Schrittzahl sinkt, die Bewegung wird weniger: GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid oder Tirzepatid könnten einen unerwĂŒnschten Nebeneffekt haben. Neue Daten zeigen, dass Patienten trotz sinkendem Körpergewicht im Alltag trĂ€ger werden.
Deutlicher RĂŒckgang der tĂ€glichen Schrittzahl
Auf dem Fachkongress ENDO 2026 in Chicago prĂ€sentierten Forscher des HSHS Saint John's Hospital in Illinois eine Untersuchung zur körperlichen AktivitĂ€t unter GLP-1-Einfluss. Die Auswertung von Daten aus dem âAll of Usâ-Programm des National Institutes of Health (NIH) umfasste 753 Erwachsene.
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Das Ergebnis: Die tĂ€gliche Schrittzahl sank nach Therapiebeginn von durchschnittlich 5.047 auf 4.487 â ein RĂŒckgang um rund 560 Schritte pro Tag. Besonders betroffen waren MĂ€nner, deren Pensum um etwa 1.000 Schritte zurĂŒckging. Frauen absolvierten im Schnitt 450 Schritte weniger.
Auch die Zeit fĂŒr moderate bis intensive Bewegung schrumpfte: von knapp 28 Minuten auf etwa 22 Minuten tĂ€glich. Den stĂ€rksten RĂŒckgang beobachteten die Wissenschaftler bei Personen, die bereits vorab unter Gelenk- oder Muskelschmerzen litten. Die Studie ist noch nicht im Peer-Review-Verfahren geprĂŒft.
Risiken durch Muskelabbau
Die medizinische Fachwelt sieht die Entwicklung kritisch. Eine verringerte AktivitÀt verstÀrkt den ohnehin unter GLP-1-Medikamenten beobachteten Muskelverlust. Experten warnen vor Sarkopenie und einer sinkenden Ruheumsatzrate als Risiken der schnellen Gewichtsabnahme.
FrĂŒhere Metaanalysen im Fachmagazin Lancet zeigen: Bereits fĂŒnf Minuten mehr Bewegung tĂ€glich senken die Sterblichkeit um sechs bis zehn Prozent. Dr. Sajana Maharjan, Leiterin der US-Studie, betonte in Chicago: âKörperliche Bewegung wĂ€hrend der medikamentösen Therapie darf nicht als optional betrachtet werden.â
Sie empfiehlt feste Bewegungsziele ab Therapiebeginn und mindestens zweimal wöchentliches Krafttraining. Als mögliche Ursache fĂŒr die TrĂ€gheit vermuten Forscher eine Interaktion der Wirkstoffe mit den Belohnungs- und Antriebszentren im Gehirn.
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Einfluss auf Impulskontrolle
Neben der körperlichen AktivitĂ€t rĂŒcken psychologische Effekte in den Fokus. Eine Untersuchung der Rutgers University mit ĂŒber 7.500 US-Erwachsenen aus dem Jahr 2025 zeigt: Bei aktuellen GLP-1-Nutzern war der Zusammenhang zwischen ImpulsivitĂ€t und Gewalt um 62 Prozent schwĂ€cher ausgeprĂ€gt als bei ehemaligen Nutzern.
Auch die Korrelation zwischen Alkoholkonsum und Gewaltbereitschaft sank in der Gruppe um 52 Prozent. Die Autoren der Querschnittsstudie betonen jedoch: Ein kausaler Zusammenhang sei damit noch nicht belegt.
Neue AnsÀtze in PrÀvention und Monitoring
Parallel zur Medikamentenforschung entwickeln Wissenschaftler alternative AnsÀtze. Forscher der UniversitÀt Houston zeigten Mitte Juni 2026: Eine gezielte Aktivierung des Soleus-Muskels in der Wade senkt den Blutzuckeranstieg nach Mahlzeiten um bis zu 52 Prozent und den Insulinbedarf um 60 Prozent.
Eine Kooperation der UniversitĂ€t Leipzig mit der Ben-Gurion-UniversitĂ€t belegte am 16. Juni 2026: Eine Reduktion des viszeralen Bauchfetts um zehn Prozent senkt das Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes um 28 Prozent.
FĂŒr besseres Monitoring erhĂ€lt das Basler Unternehmen FiberSense AG die CE-Kennzeichnung fĂŒr ein neues System zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) mit 28 Tagen Tragedauer. Die Auslieferung ist fĂŒr Ende 2026 geplant.
