Glücksspielsucht, Bundesweiter

Glücksspielsucht: Bundesweiter Aktionstag am 30. September

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zum Aktionstag am 30. September bündelt die LSG Bayern Aufklärung, digitale Beratung und regionale Angebote zum Schutz vor Spielsucht.

Aktionstag gegen Glücksspielsucht: Bayern setzt auf neue Hilfen
Eine leere, minimalistische öffentliche Platzanlage in der Dämmerung mit einer modernen, säulenartigen Installation aus drei vertikalen Glasröhren. Illustration mit AI erstellt.

Die Prävention von Glücksspielsucht steht am 30. September 2026 im Zentrum einer bundesweiten Initiative, an der sich 25 Einrichtungen des Kompetenznetzwerks der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG) beteiligen.

Der jährlich am letzten Mittwoch im September stattfindende Aktionstag dient der Sensibilisierung für die Risiken des Glücksspiels und der Vorstellung moderner Hilfesysteme. Die LSG, die seit Juni 2008 besteht und durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention finanziert wird, kombiniert dabei Vor-Ort-Aktionen mit digitalen Beratungsansätzen.

Innovative Präventionsansätze und digitale Hilfsmittel

Im öffentlichen Raum setzt die LSG Bayern auf interaktive Formate. So kommen sogenannte Demokratiesäulen zum Einsatz, an denen Passanten mittels Ballabwürfen in drei Röhren über verschiedene Themen abstimmen können. Parallel dazu wurde das digitale Angebot erweitert.

Eine neue, kostenlose Version der Selbsthilfe-App „PlayOff“ wurde für gängige App-Stores veröffentlicht. Dass für solche Angebote ein erheblicher Bedarf besteht, verdeutlichen die Nutzerzahlen des Vorgängers, der rund 20.000-mal heruntergeladen wurde.

Konrad Landgraf, Geschäftsführer der LSG, verwies in diesem Zusammenhang auf das massive Suchtpotenzial, das von bestimmten Spielformen ausgeht. Diese Einschätzung deckt sich mit der Kritik der Landesstelle vom 17. Juli 2026 an neuen regulatorischen Spielräumen für Anbieter.

Spannungsfeld zwischen Marktzugang und Spielerschutz

Die regulatorischen Rahmenbedingungen für virtuelles Automatenspiel wurden durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) zum 1. Juli 2026 angepasst. Seit diesem Datum sind Einsätze von bis zu 5 Euro pro Spielrunde möglich, während die Grenze zuvor bei 1 Euro lag. Diese Erhöhung erfolgt in einem zweistufigen Prozess, der zunächst eine Steigerung auf 3 Euro und anschließend auf maximal 5 Euro vorsieht.

Die Freigabe der höchsten Einsatzstufe ist jedoch an strenge Auflagen gebunden. Gemäß § 6i des Glücksspielstaatsvertrags gilt eine Altersgrenze von 21 Jahren für Einsätze über 1 Euro. Zudem müssen Spieler einen Qualifikationszeitraum von mindestens 90 Tagen ohne suchtauffälliges Verhalten absolvieren und ein spezielles Spielverhaltensmonitoring durchlaufen.

Anzeige

Eine Befragung der TU München zeigte: In jeder zweiten Firma ist Internet- oder Spielsucht unter Beschäftigten ein Thema — rund zwei Millionen Menschen im arbeitsfähigen Alter gelten als gefährdet. Unser kostenloser Leitfaden zeigt in fünf Schritten, wie Sie Prävention im Betrieb verankern und Betroffenen den Weg zu Hilfe ebnen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern

Ein Rechtsanspruch auf die Erhöhung besteht nicht. Das anbieterübergreifende monatliche Einzahlungslimit bleibt grundsätzlich bei 1.000 Euro und wird über das System LUGAS überwacht, wobei Ausnahmen bis zu 10.000 Euro nach Prüfung möglich sind. Diese Regelungen sind vorerst bis zum 31. Dezember 2027 befristet.

Regionale Initiativen und wissenschaftliche Perspektiven

Neben landesweiten Aktionen finden punktuelle Projekte statt. In Augsburg zeigt die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen Schwaben Nord vom 29. September bis zum 26. Oktober 2026 die Ausstellung „Wege aus der Sucht“ im Zeughaus. Die Schau thematisiert verschiedene Abhängigkeitsformen, darunter Alkohol, Drogen und Glücksspiel, und betont die Rolle der rund 200 registrierten Selbsthilfegruppen in der Region.

In Hamburg besuchten der Bundesdrogenbeauftragte Prof. Hendrik Streeck und Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer Hilfseinrichtungen wie das „Drob Inn“ und die psychiatrische Schwerpunktambulanz „PIER 27“, um sich über die Versorgung suchtkranker Menschen zu informieren.

Auch die Prävention im Kindesalter rückt in den Fokus: Die Caritas Südniedersachsen schloss das Programm „StarKids“ erfolgreich ab und plant für 2027 eine Neuauflage. Suchtberater Jens Pook betonte hierbei, dass zwei Drittel der Kinder aus suchtbelasteten Familien später selbst an psychischen Erkrankungen leiden.

Wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die Relevanz der Thematik für die Arbeitswelt. Eine Befragung der TU München unter Leitung von Prof. Volker Nürnberg aus dem September 2016 ergab, dass in jeder zweiten Firma Internet- oder Spielsucht ein Thema ist.

Anzeige

Wenn Kolleginnen und Kollegen plötzlich häufiger fehlen oder sich zurückziehen, fehlt im Betrieb oft ein klarer Gesprächsleitfaden — und eine Liste mit Anlaufstellen, die Betroffene wirklich erreichen. Unser kostenloser Leitfaden liefert beides: konkrete Gesprächsformulierungen für HR und eine Übersicht professioneller Hilfsangebote. Gesprächsleitfaden für HR jetzt sichern

Rund zwei Millionen Deutsche im arbeitsfähigen Alter gelten als gefährdet. Als Reaktion darauf entwickelte die DAK-Gesundheit mit dem Serious Game „Retter der Zukunft“ ein spezielles Präventionsspiel.

Eine Studie der FAIR Foundation und Ipsos-Doxa verdeutlicht zudem, dass zwar über 80 Prozent der Menschen ihre Ausgaben regelmäßig erfassen, die Einschätzung der eigenen Finanzkompetenz im Kontext von Glücksspielen jedoch bei jüngeren Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren mit 44 Prozent deutlich geringer ausfällt als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70160523 |