Studie: Pestizide schĂ€digen Europas Böden und NĂŒtzlinge
01.02.2026 - 04:30:08Mehr als Zweidrittel der Böden in Europa sind einer Studie zufolge mit Pflanzenschutzmitteln verunreinigt. Das schĂ€dige auch nĂŒtzliche Bodenorganismen, berichtet ein internationales Forschungsteam in der Fachzeitschrift «Nature». Die Mittel seien nicht nur fĂŒr Vögel, Bienen und andere Insekten eine Belastung, sondern auch fĂŒr Böden, mahnt das Team.Â
Die Wissenschaftler um den Bodenökologen Marcel van der Heijden von der UniversitĂ€t ZĂŒrich, darunter Mitarbeiter der Gemeinsamen Forschungsstelle der EuropĂ€ischen Kommission im italienischen Ispra, untersuchten insgesamt 373 Bodenproben in 26 europĂ€ischen LĂ€ndern auf RĂŒckstĂ€nde von Dutzenden Pflanzenschutzmitteln. Zudem analysierten sie Auswirkungen auf Bakterien, Pilze und wirbellose Bodenbewohner, die organisches Material zersetzen und damit NĂ€hrstoffkreislĂ€ufe antreiben.
RĂŒckstĂ€nde etwa von Mitteln gegen Pilze, von Glyphosat gegen Unkraut und von Insektiziden wurden nicht nur auf landwirtschaftlichen FlĂ€chen gefunden, sondern auch in WĂ€ldern und Wiesen. Der Wind habe vermutlich SprĂŒhnebel von Feldern verteilt, erlĂ€utert das Team. Zu den hĂ€ufigsten Funden zĂ€hlte ein Abbauprodukt des umstrittenen Herbizids Glyphosat.
Pflanzenschutzmittel schaden NĂŒtzlingen
«Das Problem verschiedener Pflanzenschutzmittel besteht darin, dass sie nicht nur SchĂ€dlinge bekĂ€mpfen, die unsere Nutzpflanzen beeintrĂ€chtigen, sondern auch nĂŒtzliche Bodenorganismen», heiĂt es in einer Mitteilung der UniversitĂ€t ZĂŒrich zur Studie. Pflanzenschutzmittel beeinflussen der Untersuchung zufolge unter anderem wichtige Pilze, die sich mit den Wurzeln von Nutzpflanzen verbinden und ihnen helfen, Wasser und NĂ€hrstoffe aufzunehmen. Zudem profitierten einige Bakterien wahrscheinlich davon, dass andere Organismen reduziert werden.Â
«Die Illusion, dass ein Mittel nur gegen einen Zielorganismus wirkt, ist damit klar widerlegt. Vielmehr scheinen wir derzeit Landwirtschaft "im Blindflug" zu betreiben â nach dem Motto "erst sprĂŒhen, dann verstehen"», kommentiert Christoph Scherber, Professor fĂŒr BiodiversitĂ€tsmonitoring an der UniversitĂ€t Bonn, der nicht an der Studie beteiligt war.
Kritik an EU-PlÀnen zu Pflanzenschutzmitteln
Die Untersuchung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die EuropĂ€ische Kommission plant, dass Pflanzenschutzmittel kĂŒnftig ohne regelmĂ€Ăige Neuzulassungen auf den Feldern verteilt werden können. Das sei der falsche Schritt zum falschen Zeitpunkt, sagt Scherber. «Stattdessen sollte die Agrarpolitik endlich anerkennen, dass Vielfalt statt Einfalt der Weg in eine nachhaltige Zukunft ist.»
«Hier wird aufgezeigt, dass die aktuelle Bewirtschaftung fĂŒr kommende Generationen nicht nachhaltig ist», meinte Carsten BrĂŒhl, Leiter der Abteilung Gemeinschaftsökologie und Ăkotoxikologie an der Technischen UniversitĂ€t Kaiserslautern-Landau, der ebenfalls nicht an der Studie beteiligt war. «Eine unbegrenzte Zulassung von Pestiziden ohne regelmĂ€Ăige ĂberprĂŒfung gefĂ€hrdet die Sicherheit von Umwelt und Mensch.»


