Google, DeepMind

Google DeepMind: Gemini 3.5 Pro verliert Monate, Top-Talente ab

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 19:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Alphabet überzeugt mit starkem Cloud-Wachstum, kämpft aber mit Verzögerungen bei Gemini 3.5 und Talentabwanderung.

Alphabet-CEO Pichai verteidigt KI-Strategie trotz Gemini-Verzögerungen
Moderner Tech-Arbeitsplatz mit komplexem KI-Code auf Monitoren, der Forschungshürden darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Alphabet-CEO Sundar Pichai verteidigte am Mittwoch die KI-Strategie des Konzerns – trotz erheblicher Rückschläge beim Flaggschiff-Modell Gemini 3.5 Pro. Während die Cloud-Sparte glänzt, kämpft Google DeepMind mit internen Problemen.

Interne Spannungen und Abwanderung von Top-Talenten

Bei Google DeepMind brodelt es. Die Stimmung in der Belegschaft gilt als angespannt, was die Auslieferung mehrerer KI-Modelle verzögert hat. Das Vorzeigeprodukt Gemini 3.5 Pro liegt nun Monate hinter dem Zeitplan zurück – drei separate Veröffentlichungstermine seit der Ankündigung auf der I/O-Konferenz am 19. Mai wurden verpasst. Interne Tests im Juli 2026 offenbarten erhebliche Leistungslücken, insbesondere bei rekursiven Tool-Aufrufen und der SVG-Generierung.

Die Unruhe hat personelle Konsequenzen: Noam Shazeer verließ das Unternehmen am 18. Juni in Richtung OpenAI, der leitende Forscher John Jumper wechselte kürzlich gemeinsam mit den Kollegen Jonas Adler und Alexander Pritzel zu Anthropic. Einige Abgänge begründeten Mitarbeiter mit einem umstrittenen Pentagon-Vertrag. Google selbst relativiert die Probleme: Die Abwanderungsrate im KI-Bereich sei niedriger als im Vorjahr. Dennoch werfen die Abgänge prominenter Forscher Fragen zur Stabilität der Abteilung auf.

Finanzzahlen und Milliarden-Investitionen

Trotz der Verzögerungen beim Flaggschiff-Modell präsentierte Alphabet starke Zahlen für das zweite Quartal 2026. Der Gesamtumsatz stieg auf umgerechnet rund 110 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 2,62 Euro lag jedoch leicht unter den Prognosen. Besonders die Cloud-Sparte überzeugte: Mit einem Umsatz von rund 22,8 Milliarden Euro legte sie um 82 Prozent zu und übertraf damit deutlich die erwarteten 64 Prozent.

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Um wettbewerbsfähig zu bleiben, dreht Alphabet massiv an der Investitionsschraube. Die Prognose für die Investitionsausgaben im Gesamtjahr 2026 wurde auf umgerechnet 180 bis 189 Milliarden Euro angehoben – mehr als eine Verdopplung gegenüber rund 84 Milliarden Euro im Jahr 2025. Diese aggressive Ausgabenpolitik geht mit negativem freiem Cashflow einher. Zudem verfehlten die Search-Umsätze leicht die Analystenziele. Die Alphabet-Aktie gab nach Bekanntgabe der Zahlen im nachbörslichen Handel um rund drei Prozent nach und setzt damit einen Abwärtstrend fort, der seit April einen Rückgang von neun Prozent bedeutet.

Produkt-Roadmap und Wettbewerbsdruck

Pichai verwies angesichts der Verzögerungen bei Gemini 3.5 Pro auf den Erfolg schnellerer, effizienterer Modelle. Erst am Dienstag veröffentlichte das Unternehmen Gemini 3.6 Flash, das die Programmier-Benchmarks um zehn Punkte verbesserte und den Token-Verbrauch um 17 Prozent senkte. Die Gemini-App zählt inzwischen 950 Millionen monatlich aktive Nutzer, das Programmier-Tool Antigravity verzeichnet 2,4 Millionen wöchentlich aktive Anwender.

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Die Verzögerungen haben Kritik und Spott von Wettbewerbern provoziert. Während Konkurrenten wie Anthropic und OpenAI im Juni und Juli neue Modelle auslieferten, musste Google einen fast fertigen Build seines Flaggschiff-Modells verwerfen und das Pre-Training neu starten. Pichai kündigte an, dass die kommende Gemini-4-Roadmap auf einen monatlichen Veröffentlichungszyklus umgestellt werde, um wieder Fahrt aufzunehmen. Das Pre-Training für Gemini 4 läuft bereits – der Konzern versucht, den Rückstand auf Wettbewerber wie Moonshot und Anthropic aufzuholen.

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