Google, Selfie-Video

Google: Selfie-Video zur Kontenwiederherstellung ab Sommer 2026

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 21:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Google führt ein neues Sicherheitsverfahren per Selfie-Video ein. Die Funktion soll die Kontowiederherstellung erleichtern, stößt bei Experten aber auf Kritik.

Google startet Selfie-Video-Authentifizierung zur Kontowiederherstellung
Ein Smartphone zeigt eine Benutzeroberfläche zur Gesichtserkennung für die Kontowiederherstellung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Technologiekonzern Google hat mit dem Rollout eines neuen Sicherheitsverfahrens zur Wiederherstellung von Nutzerkonten begonnen. Das System setzt auf eine Selfie-Video-Authentifizierung, die es Anwendern ermöglichen soll, mittels Gesichtserkennung wieder Zugriff auf ihre Konten zu erhalten. Die Funktion wird als zusätzliche Option zur Identitätsprüfung implementiert, dient jedoch ausdrücklich nicht als vollständiger Ersatz für herkömmliche Passwörter.

Funktionsweise und Sicherheitsmechanismen

Der Prozess der Video-Identifizierung erfordert von den Nutzern die Erstellung einer initialen Aufnahme. Dabei zeichnen Anwender ein kurzes Video auf, in dem sie verschiedene Kopfbewegungen ausführen. Diese Daten werden laut Unternehmensangaben in verschlüsselter Form gespeichert. Sollte ein Nutzer zu einem späteren Zeitpunkt den Zugriff auf sein Konto verlieren und den Wiederherstellungsprozess einleiten, fordert das System die Aufnahme eines neuen Videos an. Ein Algorithmus vergleicht diese aktuelle Sequenz mit dem hinterlegten Original, um die Identität zu verifizieren.

Um Manipulationen vorzubeugen, integriert Google sogenannte Anti-Spoofing-Maßnahmen. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Liveness-Erkennung, die sicherstellen soll, dass es sich bei der Aufnahme um eine reale, anwesende Person handelt und nicht um eine Reproduktion durch Fotos oder digitale Manipulationen. Das Unternehmen gibt an, dass diese Live-Bewegungsprüfungen auch einen Schutz vor Deepfakes bieten sollen.

Regionale Verfügbarkeit und Einschränkungen

Die Einführung des Verfahrens erfolgt schrittweise und ist derzeit auf bestimmte Regionen begrenzt. Nachdem die Funktion bereits in Brasilien getestet wurde, ist die Einführung in Europa für den Sommer 2026 geplant. Zu den ersten europäischen Ländern, in denen die Selfie-Video-Authentifizierung zur Kontenwiederherstellung verfügbar sein wird, gehören Irland, Spanien, Frankreich, Italien und Estland.

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Es bestehen jedoch deutliche Einschränkungen bei der Zielgruppe: Die Funktion ist nicht für Google-Workspace-Konten, Konten von Kindern oder Nutzer verfügbar, die am Advanced Protection-Programm teilnehmen.

Datenschutz und Expertenkritik

In Bezug auf den Datenschutz betont Google, dass die Teilnahme an diesem Verfahren auf Freiwilligkeit basiere. Nutzer müssen der verschlüsselten Speicherung ihrer Videodaten explizit zustimmen. Zudem räumt das System die Möglichkeit ein, das hinterlegte Video jederzeit über die Einstellungen zu löschen. Optional können Anwender zudem einwilligen, dass ihre Aufnahmen zur allgemeinen Verbesserung der Gesichts- und Alterserkennungssysteme des Konzerns beigetragen werden.

Trotz der technischen Sicherheitsvorkehrungen stoßen die Pläne bei Fachleuten auf Vorbehalte. Experten des Sicherheitsdienstleisters Malwarebytes warnen vor den Risiken, die mit der Speicherung biometrischer Daten verbunden sind. Sie weisen darauf hin, dass zentralisierte biometrische Datenbanken ein lohnendes Ziel für Angriffe darstellen könnten. Zudem wird die Wirksamkeit gegenüber hoch entwickelten Deepfakes angezweifelt. Sicherheitsfachleute raten daher in ersten Einschätzungen davon ab, die Funktion zu aktivieren. Nutzer, die das Video bereits aufgezeichnet haben, könnten dieses in den Kontoeinstellungen wieder entfernen.

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Erweiterte Verschlüsselung für Workspace-Kunden

Flankierend zu den Neuerungen bei den Privatkonten hat Google die allgemeine Verfügbarkeit der clientseitigen Verschlüsselung (Client-Side Encryption, CSE) für Gmail und Google Kalender innerhalb von Google Workspace bekannt gegeben. Diese Funktion steht Kunden der Editionen Enterprise Plus sowie Education Standard und Education Plus zur Verfügung.

Durch den Einsatz der CSE behalten die Organisationen die alleinige Kontrolle über die Verschlüsselungsschlüssel. Dies hat zur Folge, dass Google keinen technischen Zugriff auf die verschlüsselten Inhalte der E-Mails oder Kalendereinträge hat, was insbesondere für Unternehmen mit hohen Compliance-Anforderungen relevant ist.

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