Google-Vertrauen fällt von 82 auf 54 Prozent: KI-Suche verliert Nutzer
16.06.2026 - 00:17:26 | boerse-global.de
Der Suchmaschinenriese rüstet seine Datenschutzkontrollen auf – und verändert das Sucherlebnis grundlegend.
Google hat zwei neue Kontoeinstellungen eingeführt, die Nutzern mehr Kontrolle über ihre Daten geben sollen. Die Funktionen „Search Services History" und „Personalised Recommendations" bestimmen, wie persönliche Informationen für das Training künstlicher Intelligenz gespeichert und genutzt werden. Der Rollout begann am 13. Juni 2026 und soll sich über mehrere Monate erstrecken.
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Was die neuen Einstellungen bedeuten
Die „Search Services History" zeichnet weit mehr auf als bisher: Suchanfragen, besuchte Websites und KI-generierte Antworten werden erfasst. Auch hochgeladene Medien wie Bilder aus Google Lens, Sprachsuchen und Audiodateien von Übersetzungsdiensten landen in der Datenbank.
Diese Informationen dienen der Verbesserung von KI-Systemen. Die Funktion ist standardmäßig aktiviert, lässt sich aber deaktivieren. Nutzer können künftiges KI-Training verhindern, indem sie den Verlauf ausschalten oder die Option „Save Media" in den Kontoeinstellungen deaktivieren. Wichtig: Die neue Einstellung arbeitet unabhängig von den bestehenden „Web & App Activity"-Einstellungen, auch wenn aktuelle Präferenzen zunächst übernommen werden.
Die zweite Neuerung, „Personalised Recommendations", steuert, wie gespeicherte Daten das digitale Erlebnis beeinflussen. Ist die Funktion aktiv, passen sich Suchergebnisse, Nachrichtenfeeds und KI-Antworten an die bisherigen Interaktionen des Nutzers an.
Verwaltung und Kontrolle
Alle Einstellungen finden sich zentral im Google-Konto-Dashboard unter „Daten & Datenschutz". Dort können Nutzer die Aufzeichnung pausieren oder einzelne Einträge löschen – wahlweise bestimmte Elemente oder Daten aus bestimmten Zeiträumen wie der letzten Stunde oder einem individuellen Datumsbereich. Für umfassende Aktivitätsprotokolle bleiben automatische Löschintervalle von 3, 18 oder 36 Monaten verfügbar.
Die große Such-Transformation
Die neuen Datenschutzeinstellungen fallen mit einem tiefgreifenden Umbau der Google-Suche zusammen. Das aktualisierte Suchfeld unterstützt nun komplexere Anfragen, Datei-Uploads und konversationelle Interaktionen – angetrieben von Gemini 3.5 Flash. Die Entwicklung hin zu einem KI-gesteuerten Assistenten soll Aufgaben wie die Wohnungssuche oder die Organisation von Veranstaltungseinladungen automatisieren.
Im Unternehmensbereich gibt es ebenfalls Neuerungen: Gemini Enterprise bietet nun die Funktion „Organize My Files" in Google Drive an, die Dateiverschiebungen zur Optimierung der Ordnerstruktur vorschlägt. Die Anwendung „Polly" wurde in Google Chat integriert, um interaktive Umfragen zu ermöglichen. Für Entwickler wurde am 3. Juni 2026 ein „Generative AI performance report" in der Search Console hinzugefügt, der Impressionen in KI-generierten Übersichten und im „AI Mode" verfolgt.
Vertrauenskrise und Regulierungsdruck
Die Einführung der neuen Funktionen fällt in eine Zeit schwindenden Nutzervertrauens. Während 2025 noch 82 Prozent der Nutzer KI-Suche als hilfreich bewerteten, sind es im Juni 2026 nur noch 54 Prozent. Rund die Hälfte der Vermarkter berichtet zudem von rückläufigen Web-Traffic-Zahlen nach der Einführung von KI-Übersichten.
Mit dem technologischen Wandel entstehen auch neue Einfallstore für Cyberkriminalität, die über herkömmliche Suchanfragen hinausgehen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer im Kontext neuer KI-Gesetze jetzt kennen müssen. Neue KI-Gesetze, neue Cyberrisiken: Was kommt wirklich auf Ihr Unternehmen zu?
Der regulatorische Druck wächst. Am 5. Juni 2026 verabschiedete New York das Gesetz A11292, das KI-Crawler zur Offenlegung ihrer Identität zwingt. Bei Verstößen drohen Strafen von umgerechnet rund 14.000 Euro pro Tag. Als Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen haben einige Verlage erhebliche Traffic-Verluste gemeldet, die zur Schließung langjähriger unabhängiger Websites führten.
Google reagiert: Das Unternehmen bietet Publishern nun Opt-out-Möglichkeiten für KI-Übersichten an – zunächst im Vereinigten Königreich. Im Werbebereich führt Google zudem einen „Summary"-Tab in den Ads-Sicherheitseinstellungen ein, der Passkey-Verwaltung und Nutzerverifizierung bündelt.
