Google-Zwang: EU öffnet Android für KI-Konkurrenz ab 2027
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 18:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Juli 2026 verbindliche Entscheidungen erlassen, die Google zur Öffnung seines Android-Betriebssystems und seiner Suchdaten für konkurrierende KI-Anbieter verpflichten. Die Maßnahmen, die auf dem Digital Markets Act (DMA) basieren, betreffen schätzungsweise 427 Millionen Geräte in der Europäischen Union.
Ein tiefer Eingriff in das mobile Ökosystem
Die Entscheidung markiert einen grundlegenden Wandel im Umgang von Betriebssystemen mit KI-Diensten Dritter. Im Kern geht es um Googles Integration seiner hauseigenen KI Gemini sowie der Suchfunktion. Die Wettbewerbshüter sehen darin eine marktbeherrschende Stellung, die es zu brechen gilt.
Doch die Folgen sind weitreichend: Auch Apple hat bereits reagiert und die Einführung seiner neuen Siri-KI-Funktionen in Europa verschoben. Der Grund: ähnliche regulatorische Bedenken.
Stufenweise Öffnung bis 2028
Die Kommission hat einen klaren Zeitplan vorgegeben, nach dem Google Schritt für Schritt Barrieren für konkurrierende KI-Assistenten abbauen muss:
Bis Januar 2027 muss der Konzern anonymisierte Suchdaten mit Wettbewerbern teilen. Dieses Datenpaket soll Suchergebnisse, Ranking-Signale und Klickraten umfassen. Konkurrierende KI-Entwickler können damit ihre eigenen Modelle und Suchintegrationen verbessern.
Die technische Öffnung von Android erfolgt in zwei weiteren Etappen:
- August 2027 (Android 18): Google muss Drittanbieter-KI-Assistenten Zugang zu elf spezifischen Systemfunktionen gewähren. Dazu gehören Sprachbefehle und geräteübergreifende Aufgaben, die bisher den Google-eigenen Tools vorbehalten waren.
- August 2028 (Android 19): Das Betriebssystem muss mehrere Sprachassistenten gleichzeitig unterstützen können. Nutzer sollen verschiedene KI-Agenten mit unterschiedlichen Aktivierungswörtern starten können.
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Sicherheitsbedenken von Google und Apple
Beide Konzerne haben formelle Einwände erhoben – mit Verweis auf mögliche Risiken für Sicherheit und Datenschutz. Googles Führungskräfte Kent Walker und Sameer Samat warnen davor, dass die Auflagen die Gerätesicherheit untergraben könnten. Der Konzern müsste sensible Systemberechtigungen an externe Anwendungen vergeben.
Besonders brisant: Branchenanalysten sehen einen potenziellen Konflikt zwischen den DMA-Vorgaben und der EU-eigenen Cyber-Resilience-Verordnung (CRA). Während die CRA von Herstellern verlangt, Angriffsflächen zu minimieren, erzwingt der DMA genau das Gegenteil – die Öffnung tiefer Systemfunktionen für Dritte.
Einige Experten warnen zudem vor einem weiteren Risiko: Werden Daten mit Unternehmen außerhalb der EU geteilt, könnte die erneute Identifizierung anonymisierter Nutzer drohen. Die Strafen dafür sind happig – bis zu 15 Millionen Euro oder 2,5 Prozent des globalen Umsatzes.
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Apples Ausweichmanöver
Apple hat die Einführung seiner überarbeiteten Siri-KI in der EU vorerst auf Eis gelegt. Begründung: Das regulatorische Umfeld mache es unmöglich, die Privatsphäre der Nutzer zu gewährleisten und gleichzeitig die DMA-Anforderungen zu erfüllen. Die EU-Kommission habe Apples vorgeschlagene technische Lösungen für die sichere Unterstützung von Drittanbieter-Assistenten abgelehnt.
Dieser Schritt folgt auf eine Entscheidung des EU-Gerichts vom 8. Juli 2026, das Apples Anfechtung seiner Einstufung als „Gatekeeper" unter dem DMA abgewiesen hatte.
Der Markt reagiert bereits
Trotz des aktuellen Konflikts zwischen Regulierern und Herstellern sind KI-Dienste Dritter in Europa bereits auf dem Vormarsch. Aktuelle Marktdaten zeigen: ChatGPT ist auf rund 30 Prozent aller Smartphones in der EU installiert.
Die Europäische Kommission bleibt bei ihrer Linie: Gatekeeper hätten die Möglichkeit, angemessene Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, während sie gleichzeitig ihren rechtlichen Verpflichtungen nachkommen – für einen wettbewerbsfähigen digitalen Markt. Ob Google und Apple diese Balance finden, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
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