GPT-5.6 Sol: KI findet PHP-Lücke, die bis zu 70 Prozent der Websites bedroht
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 22:03 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas KI-Modell GPT-5.6 Sol von OpenAI hat eine kritische Schwachstelle in der Programmiersprache PHP aufgedeckt, die nach Einschätzung des KI-Entwicklers bis zu 70 Prozent aller Websites weltweit gefährden könnte. OpenAI stufte den Vorfall als eines der folgenschwersten Sicherheitsprobleme der jüngeren Vergangenheit ein.
Nach Angaben von OpenAI-Präsident Greg Brockman ermöglicht die Lücke Angreifern, private Nutzerdaten zu entwenden oder Webinhalte unbefugt zu manipulieren. OpenAI sprach in diesem Zusammenhang von einem Zeitfenster für Verteidiger, in dem hochentwickelte KI-Systeme Sicherheitslücken aufspüren können, bevor böswillige Akteure diese ausnutzen.
Automatisierte Entdeckung über moderne KI-Systeme
Die Entdeckung der Schwachstellen geht auf automatisierte Analysemethoden zurück. Das Sicherheitsunternehmen Calif meldete am 11. August 2026 einen ersten Fehler, den es mithilfe von GPT-5.6 Sol im Rahmen der OpenAI-Initiative Patch the Planet aufgespürt hatte. Calif veröffentlichte später versehentlich ein Demonstrationsvideo des Exploits.
Wochen später identifizierte das Sicherheitsunternehmen Wiz die beiden Schwachstellen unabhängig erneut. Das Unternehmen setzte dabei auf ein Zusammenspiel der eigenen Plattform Wiz Atlas sowie der Modelle Gemini 4 Argon und GPT-5.6 Sol.
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Einem einzelnen Forscher sei es damit innerhalb einer Woche gelungen, eine Sicherheitsanalyse abzuschließen, die zuvor mehrere Monate beansprucht hätte. Wiz machte eine unauthentifizierte Remotecodeausführung sowie ein unberechtigtes Auslesen des Arbeitsspeichers mit einem CVSS-Schweregrad von bis zu 9,2 ausfindig.
Nach Angaben von Wiz betrafen die Schwachstellen alle PHP-Versionen seit der Version 5.4. Bei Demonstrationen mit dem Exploit php2shell gelang dem Unternehmen die Ausführung von Schadcode auf aktuellen Containern von WordPress, Drupal und Joomla.
Der Fehler im Speicher legte Passwörter, Authentifizierungs-Token sowie Programmierschnittstellen-Schlüssel offen. Wiz zog Parallelen zur Heartbleed-Lücke aus dem Jahr 2014, bei der zwei Drittel des Webs verwundbar gewesen waren.
PHP Foundation reagiert mit Eil-Patches
Am 20. Oktober 2026 offenbarte die PHP Foundation die beiden kritischen Schwachstellen offiziell. Die Organisation stellte Eil-Patches für die Versionen PHP 8.5.12, 8.4.27, 8.3.36 und 8.2.35 bereit, um die beiden Speichersicherheitsfehler CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619 zu schließen.
Beide Schwachstellen wurden jeweils mit einem CVSS-Wert von 9,2 bewertet, wobei das höchste Risiko bei Apache-Installationen mit dem Modul mod_php besteht.
Die PHP Foundation zog die Veröffentlichung der Fehlerbehebungen zeitlich vor, nachdem ein Datenleck über die Plattform Hacker News publik geworden war. Das Sicherheitsunternehmen Chainguard brach das geltende Embargo vorzeitig, was dessen Vorstandschef Dan Lorenc mit bereits beobachteten Exploit-Versuchen begründete.
Der Netzwerkausrüster Cloudflare aktivierte bereits um 03:02 UTC entsprechende Schutzregeln für Webanwendungs-Firewalls, rund neun Stunden vor der eigentlichen Offenlegung.
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Wie die PHP Foundation klarstellte, reicht die Schwachstelle CVE-2026-109618 bis auf einen externen Sicherheits-Audit im Jahr 2024 zurück, aus dem damals keine Maßnahmen folgten. Die Arbeiten an einer Lösung stockten über Monate hinweg aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Kompatibilität, potenzieller Denial-of-Service-Probleme und PHP-Erweiterungen.
Reguläre Patches wurden nun lediglich ab der Version PHP 8.2 bereitgestellt; ältere Versionen erhalten keine regulären Aktualisierungen, wenngleich Rückportierungen für 7.4, 8.0 und 8.1 existieren.
Behörden mahnen zur Abschaltung nicht patchbarer Systeme
Internationale Cyber-Sicherheitsbehörden in den USA, Europa, Australien und Kanada forderten Betreiber auf, betroffene Websites bei fehlender Patch-Möglichkeit unverzüglich vom Netz zu nehmen. Das Cybersecurity Collaboration Center der US-amerikanischen NSA empfahl allen PHP-Webanbietern entsprechende Systemaktualisierungen oder die sofortige Außerbetriebnahme.
Ähnliche Handlungsempfehlungen gaben das CERT-EU und das britische NCSC heraus, woraufhin erste Behörden- und Unternehmensauftritte in Europa und den USA vorübergehend offline gingen. Plattformen wie Pinboard, das Forum von GrapheneOS sowie OBS setzten Teile ihrer Dienste aus, während Laravel Auslieferungen über Cloud-Dienste stoppte.
Daten des Dienstes VirusTotal belegen die Dimension: Von 5,1 Millionen erfassten IP-Adressen mit PHP nutzten 758.000 eine bereits veraltete Version ohne Herstellerunterstützung, während 85.000 Adressen auf den unmittelbar betroffenen Vor-Patch-Ständen liefen. Die Sicherheitssparte Cisco Talos schätzt, dass rund 50 Prozent der verwundbaren PHP-Systeme keinen Sicherheitspatch erhalten werden.
OpenAI band bei der Bewältigung der Sicherheitslage US-Behörden wie das Office of the National Cyber Director, die CISA sowie die White House Super Intelligence Force und internationale Partner ein.
Das Unternehmen sagte eine Milliarde US-Dollar für einen subventionierten Zugang zu seiner Sicherheitsinitiative Daybreak für unterversorgte IT-Verteidiger zu, schlug ein fünfstufiges Rahmenwerk vor und stellte für die Zukunft einen starken Anstieg ähnlich gravierender KI-gestützter Sicherheitsfunde in Aussicht.
