Grafschaft, Bentheim

Grafschaft Bentheim: Wie ein Landkreis digitale Verwaltung meistert

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutschland erreicht im EU-Digitalvergleich nur 78,1 Punkte und liegt bei der eID-Nutzung weit zurück. Der Landkreis Grafschaft Bentheim zeigt mit KI und e-Akte, wie moderne Verwaltung gelingt.

EU-Digitalbericht: Deutschland hinkt bei Bürgerservices hinterher – Landkreis Bentheim als Vorreiter
Modern administrative office with a digital workspace, representing the successful digital transformation of German local government. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein aktueller EU-Bericht zum Stand der Digitalisierung zeigt für Deutschland im August 2026 ein ernüchterndes Bild bei den digitalen Bürgerservices. Während der europäische Durchschnitt bei 84,6 von 100 möglichen Punkten liegt, erreicht die Bundesrepublik lediglich einen Wert von 78,1 Punkten. Besonders deutlich wird der Rückstand bei der Nutzung der elektronischen Identitätsfunktion (eID): Mit einer Quote von nur 15 Prozent belegt Deutschland hier den viertletzten Platz im EU-Vergleich. Doch während die bundesweite Entwicklung stagniert, zeigt der Landkreis Grafschaft Bentheim, wie eine erfolgreiche digitale Transformation in der kommunalen Verwaltung gelingen kann.

Schwache Werte im europaweiten Vergleich

Der am 9. August 2026 veröffentlicht e EU-Bericht verdeutlicht, dass Deutschland bei der Bereitstellung und Akzeptanz digitaler Verwaltungsleistungen weiterhin hinter den Erwartungen zurückbleibt. Die Differenz zum EU-Schnitt unterstreicht die Herausforderungen bei der Umsetzung flächendeckender Online-Angebote. Die geringe Nutzung der eID-Funktion wird dabei als ein wesentliches Hindernis für die medienbruchfreie Abwicklung von Behördengängen identifiziert. Branchenbeobachter wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung maßgeblich von der Nutzbarkeit und dem Mehrwert der angebotenen Dienste abhänge.

Digitalisierungserfolge in der Grafschaft Bentheim

Im Gegensatz zum bundesweiten Trend hat der Landkreis Grafschaft Bentheim mit seinen rund 145.000 Einwohnern bereits frühzeitig auf eine umfassende Digitalisierungsstrategie gesetzt. Die Verwaltung arbeitet bereits seit dem Jahr 2013 an der internen digitalen Transformation. Ein zentraler Baustein war dabei die Einführung der elektronischen Akte (e-Akte) im Jobcenter. Im Zuge dieser Umstellung konnten allein in diesem Bereich etwa 400 physische Ablagekörbe aus den Büros entfernt werden.

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Die Modernisierung umfasst mittlerweile auch den Einsatz fortschrittlicher Technologien. So nutzt der Landkreis KI-gestützte Telefonbots sowie Sprachmodelle zur effizienteren Bearbeitung und Analyse von Aktenbeständen. Das Erfolgsrezept der Verwaltung basiere laut Berichten darauf, konsequent zuerst die internen Prozesse zu digitalisieren, bevor die entsprechenden Services für die Bürgerinnen und Bürger online zugänglich gemacht werden. Dieser Ansatz stellt sicher, dass die Anträge im Hintergrund effizient und ohne manuelle Zwischenschritte verarbeitet werden können.

Strategie und technologische Umsetzung

Die technologische Basis für diesen Wandel bildet ein Software-Mietmodell in Zusammenarbeit mit dem Dienstleister d.velop. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf offenen Schnittstellen, die eine flexible Einbindung verschiedener Systeme ermöglichen. Dass dieser Weg von der Bevölkerung angenommen wird, zeigen aktuelle Zahlen: Für das Bürgergeld wurde bereits im April 2022 ein Online-Antrag implementiert. Im ersten Halbjahr 2026 wurden über dieses System mehr als 1.100 Anträge eingereicht.

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Die konsequente Umsetzung der Digitalisierungsstrategie hat auch überregionale Aufmerksamkeit erregt. Im Juli 2026 wählte TDN den Landkreis Grafschaft Bentheim gezielt für einen Rollout aus. Die Entwicklungen in der Region verdeutlichen, dass kommunale Verwaltungen trotz der schwachen nationalen Kennzahlen im EU-Bericht in der Lage sind, durch langjährige Investitionen in interne Strukturen und moderne Softwarelösungen signifikante Fortschritte bei der digitalen Transformation zu erzielen. Während Deutschland im Gesamtranking der Europäischen Union noch Nachholbedarf aufweist, dienen einzelne Landkreise bereits als praktische Belege für eine funktionierende digitale Verwaltung.

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