Grauer Star: 94 Millionen Erwachsene ab 50 warten weltweit auf eine OP
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Erblindung durch Grauen Star bleibt weltweit eine der drängendsten gesundheitlichen Herausforderungen, obwohl die Erkrankung operativ behandelbar ist. Anlässlich des Weltsehkrafttags fordern Hilfsorganisationen wie HelpMeSee verstärkte weltweite Investitionen in chirurgisches Fachpersonal, um den Rückstau an notwendigen Katarakt-Operationen aufzulösen und vermeidbare Erblindungen nachhaltig einzudämmen.
Große Versorgungslücken bei Erwachsenen und weltweite Zielvorgaben
Nach Schätzungen der Organisation HelpMeSee leben weltweit rund 94 Mio. Erwachsene ab 50 Jahren mit einer Sehbeeinträchtigung oder Blindheit infolge eines unbehandelten Katarakts. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen auf der Welt hat derzeit keinen Zugang zu einem rettenden chirurgischen Eingriff.
Besonders dramatisch stellt sich die Lage auf dem afrikanischen Kontinent dar: In der WHO-Region Afrika bleiben drei von vier Menschen mit einem Bedarf an Katarakt-Operationen ohne die notwendige Behandlung.
Um diesen Missstand zu beheben, verweist die Organisation auf internationale Initiativen. Im September 2026 eröffnete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine öffentliche Konsultation zu einer globalen Initiative gegen vermeidbare Blindheit. Das von der Weltgesundheitsversammlung (World Health Assembly) definierte Ziel sieht vor, die effektive Abdeckung von Katarakt-Operationen bis zum Jahr 2030 weltweit um 30 Prozentpunkte zu steigern.
Technologischer Wandel in der Ausbildung von Chirurgen
Ein zentrales Nadelöhr im Kampf gegen die Augenkrankheit ist der Mangel an qualifiziertem Operationspersonal. CMO Dr. Nicoletta Fynn-Thompson und CEO Doug May von HelpMeSee betonen in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer nachhaltigen Finanzierung sowie einer engen Kooperation zwischen Regierungen und Nichtregierungsorganisationen. Um Ausbildungsprozesse zu beschleunigen und die chirurgische Sicherheit zu erhöhen, setzt die Organisation auf VR- und Haptik-Simulationstraining.
Nach eigenen Angaben betreibt HelpMeSee weltweit mehr als 40 Simulatoren sowie 19 Trainingszentren. Ergänzend dazu sponsert die Organisation vom 8. bis 14. Oktober 2026 ein HIFA-Spotlight, das die Themen Katarakt, Operationsqualität und simulationsbasiertes Training in den Mittelpunkt rückt.
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Spezifische Risiken bei Kindern und Hilfsprojekte vor Ort
Der Graue Star bedroht jedoch nicht nur ältere Menschen, sondern auch Heranwachsende. Die Organisation Licht für die Welt weist im Rahmen ihrer Kampagne mit dem Titel „Jetzt oder blind“ darauf hin, dass die Erkrankung nach wie vor als Hauptursache vermeidbarer Blindheit gilt.
Bei Kindern drohen ohne eine frühzeitige operative Behandlung dauerhafte Blindheit oder gravierende Sehbeeinträchtigungen. Nach Angaben der Organisation gibt es weltweit mindestens 450 Mio. Kinder mit einem behandlungsbedürftigen Augenproblem und 90 Mio. mit einem Sehverlust. Bei rund 40 Prozent aller erblindeten Kinder hätte das Augenlicht durch rechtzeitiges Eingreifen gerettet werden können.
Mit dem Hilfsprogramm „1, 2, 3...I can see“ engagiert sich Licht für die Welt in Äthiopien, Burkina Faso, Mosambik und Uganda. Im Jahr 2025 wurden im Rahmen dieser Arbeit 279.000 Sehtests bei Schülerinnen und Schülern vorgenommen, etwa 2.900 Brillen an Kinder sowie Lehrkräfte vergeben und 1.280 Operationen durchgeführt.
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In Uganda wurden in einem von BMSGPK und International Partnerships Austria geförderten Vorhaben im Zeitraum von Oktober 2024 bis Juli 2026 insgesamt 131.323 Kinder untersucht, 432 augenlichtrettende Operationen vorgenommen und 934 Brillen ausgegeben.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1988 ermöglichte die Organisation laut eigenen Angaben die Verteilung von 100 Mio. Medikamenten gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten, über 20 Mio. Augenuntersuchungen und 1,4 Mio. Augenoperationen – die Mehrheit davon Katarakt-Eingriffe.
Zudem verwies Licht für die Welt auf WHO-Angaben, nach denen bis Ende 2025 erstmals weltweit weniger als 100 Mio. Menschen einen Behandlungsbedarf bezüglich der bakteriellen Augenkrankheit Trachom aufwiesen.
