Gribshunden, Unterwasserarchäologie

Gribshunden: Munitionskiste und Kettenhemd entdeckt

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 11:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine Holzkiste mit Werkzeugen zur Herstellung von Bleikugeln und Fragmente eines hochwertigen Kettenhemdes geben Einblick in die militärische Ausrüstung an Bord. Die Funde stammen aus dem Bereich einer erhöhten Kampfplattform des Schiffswracks vor Südschweden.

Die Fundorte zeigen militärische Nutzung

  • Das dänische Flaggschiff „Gribshunden“ sank 1495 vor der südschwedischen Küste.
  • Die Funde lagen im Bereich des Vorderkastells und eines darunterliegenden militärischen Stauraums.
  • Das Wrack ist rund 32 Meter lang und wurde in zehn Metern Tiefe fotogrammetrisch dokumentiert.
  • Untersuchung des gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden». - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa
  • Wrack des 1495 gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden» in Südschweden. - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa
  • Teile des 1495 gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden» in Südschweden. - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa
  • Wrack des 1495 gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden» in Südschweden. - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa
  • Teile des 1495 gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden» in Südschweden. - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa
  • Wrack des 1495 gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden» in Südschweden. - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa
Untersuchung des gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden». - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa Wrack des 1495 gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden» in Südschweden. - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa Teile des 1495 gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden» in Südschweden. - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa Wrack des 1495 gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden» in Südschweden. - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa Teile des 1495 gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden» in Südschweden. - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa Wrack des 1495 gesunkenen Kriegsschiffs «Gribshunden» in Südschweden. - Bild: Florian Huber/submaris.com/dpa

Gribshunden zeigt Ausrüstung deutscher Landsknechte

Eine Holzkiste mit Gussformen, Bleiplatten und Werkzeugen zur Herstellung von Bleikugeln ist im Wrack der 1495 gesunkenen „Gribshunden“ entdeckt worden. In unmittelbarer Nähe fanden Forschende Anfang Oktober mehrere außergewöhnlich gut erhaltene Fragmente eines hochwertig gefertigten Kettenhemdes.

Funde im militärischen Bereich

Das Kriegsschiff sank vor der südschwedischen Küste bei der Stadt Ronneby und war das Flaggschiff des dänischen Königs Johann I. Die Kiste gehörte vermutlich zur Ausrüstung deutscher Landsknechte, sagte der Unterwasserarchäologe Florian Huber der Deutschen Presse-Agentur.

Die Landsknechte stammten meist aus dem deutschsprachigen Raum und kämpften seit dem späten 15. Jahrhundert als Söldner für verschiedene europäische Herrscher und Heerführer. Die Kiste enthält nach Angaben Hubers Material für die Herstellung von Bleikugeln für frühe Handfeuerwaffen.

Hochwertiges Kettenhemd entdeckt

Die Metallringe der Kettenhemdfragmente seien nicht lediglich zusammengebogen, sondern zusätzlich vernietet worden, sagte Huber. Dies spreche für eine aufwendige und sorgfältige Herstellung der Schutzkleidung.

Die Fundstücke lagen im Bereich des Vorderkastells, einer erhöhten Kampfplattform des Schiffs. Der darunterliegende Raum wird als militärischer Stauraum gedeutet, erklärte Projektleiter Rolf Warming von der Universität Stockholm.

Zweites Kettenhemd aus dem Wrack

Nach Angaben des Teams handelt es sich bereits um das zweite Kettenhemd aus der „Gribshunden“. Die Arbeiten führten die schwedische Hochschule Södertörn und die Universität Stockholm durch.

Das rund 32 Meter lange Schiff wurde in zehn Metern Tiefe mit einem fotogrammetrischen Verfahren dokumentiert. Dabei entstehen aus überlappenden Fotografien genaue räumliche Modelle des Wracks und seiner Fundstellen.

Schiff sank nach Brand und Explosion

Die „Gribshunden“ wird in manchen Quellen auch „Griffin“ genannt. Sie gehörte zu den modernsten Kriegsschiffen des ausgehenden 15. Jahrhunderts und war für den Einsatz von Schiffsartillerie ausgelegt.

Nach zeitgenössischen Berichten geriet das Schiff 1495 auf dem Weg zu Verhandlungen im südschwedischen Kalmar in Brand. Vermutlich kam es zu einer Explosion, bevor die „Gribshunden“ vor der Insel Stora Ekön sank.

Die Funde aus der „Gribshunden“ verbinden mehrere Aspekte der spätmittelalterlichen Militärgeschichte: Schiffbau, Bewaffnung, Versorgung und den Einsatz von Söldnern. Die Holzkiste mit Gussformen, Bleiplatten und Werkzeugen deutet darauf hin, dass ein Teil der Munition für frühe Handfeuerwaffen an Bord hergestellt oder zumindest vorbereitet werden konnte. Damit wird nicht nur die Bewaffnung selbst sichtbar, sondern auch der organisatorische Aufwand hinter ihrem Einsatz.

Militärische Logistik an Bord

Die Lage der Funde im Bereich des Vorderkastells ist für die Interpretation entscheidend. Die erhöhte Plattform diente dem Kampf; der darunterliegende Raum wird als militärischer Stauraum gedeutet. Zusammen mit dem zweiten Kettenhemd aus dem Wrack entsteht ein detaillierteres Bild davon, wie ein königliches Kriegsschiff Personal, Schutzkleidung und Material für unterschiedliche Waffensysteme bündelte.

Landsknechte aus dem deutschsprachigen Raum waren seit dem späten 15. Jahrhundert wichtige Söldner in europäischen Konflikten. Ihre mutmaßliche Präsenz auf dem dänischen Flaggschiff verweist deshalb auf die überregionalen militärischen Netzwerke jener Zeit. Die fotogrammetrische Dokumentation in zehn Metern Tiefe kann zudem helfen, Fundorte und räumliche Zusammenhänge langfristig zu sichern.

Ein Wrack als Zeitkapsel

Die „Gribshunden“ ging 1495 auf dem Weg zu Verhandlungen in Kalmar unter, nachdem das Schiff in Brand geraten und vermutlich explodiert war. Weil der Untergang viele Ausrüstungsgegenstände am ursprünglichen Ort konservierte, erlaubt das Wrack einen ungewöhnlich unmittelbaren Blick auf die Übergangsphase zwischen mittelalterlicher Schutzbewaffnung und früher Schiffsartillerie. Für die Forschung bleibt insbesondere die Verbindung zwischen der vermuteten Besatzung, der Lagerung der Ausrüstung und dem Ablauf des Untergangs von Bedeutung.

Stern: „Forschungsexpedition: Munitionskiste und Kettenhemd im Wrack der 'Gribshunden'“ (27.10.2026)

Der Artikel bestätigt die Funde und stellt besonders die mutmaßliche Ausrüstung deutscher Landsknechte heraus. Er ergänzt die dpa-Meldung um den Hinweis auf die Förderung der Arbeiten durch die Beckett Foundation und die Voice of the Ocean Foundation; ein abweichender Schwerpunkt oder Streit wird nicht benannt.

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