Grippe-Impfung, Risiko-Kinder

Grippe-Impfung: Nur 10% der Risiko-Kinder geschützt

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

RKI-Auswertung zeigt eine anhaltende Impflücke bei chronisch kranken Kindern. Bei unveränderter Quote blieben 1,1 Millionen ungeschützt.

RKI: Nur jedes zehnte Risikokind erhält Grippeimpfung
Ein minimalistisch eingerichteter, heller Behandlungsraum in einer Kinderarztpraxis mit einem medizinischen Wagen. Illustration mit AI erstellt.

Trotz langjähriger medizinischer Richtlinien besteht in Deutschland eine erhebliche Schutzlücke bei jungen Risikopatienten. Eine Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) aus dem September 2026 verdeutlicht das Ausmaß: Lediglich etwa 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit einer impfrelevanten Grunderkrankung erhalten jedes Jahr eine Impfung gegen Influenza. Zu diesen Vorerkrankungen zählen unter anderem Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Adipositas sowie eine Immunschwäche.

RKI-Daten belegen anhaltendes Defizit bei Risikogruppen

Die Erhebung des RKI basiert auf Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen aus elf Grippesaisons von 2014/15 bis 2024/25, die im Epidemiologischen Bulletin 38|2026 veröffentlicht wurden.

Die Modellrechnungen des Instituts zeigen drastische Folgen bei einem Fortbestehen der aktuellen Quote: Bliebe das Impfverhalten unverändert, hätten in der Saison 2026/27 bundesweit rund 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche mit einer Grunderkrankung keinen Grippeschutz.

Dabei stellen Minderjährige einen erheblichen Teil der schweren Krankheitsverläufe dar. Demnach entfielen 31,4 Prozent der erfassten Influenza-Krankenhausbehandlungen auf Unter-18-Jährige, wobei diese Erfassung sämtliche Minderjährige und nicht ausschließlich Personen mit Vorerkrankungen umfasst.

Weltweit führt Influenza nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr zu bis zu 650.000 Atemwegstodesfällen in der Gesamtbevölkerung. Um dem sich verändernden Virus zu begegnen, werden die Impfstämme jährlich angepasst.

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Die Empfehlung für chronisch kranke Kinder gibt es seit 30 Jahren — trotzdem erhält nur etwa jedes zehnte Risikokind einen Grippeschutz. Für Eltern bedeutet das: selbst dranbleiben. Der kostenlose Fahrplan zeigt Ihnen, wie Sie den Impfstatus Ihres Kindes prüfen, den richtigen Zeitpunkt im Herbst finden und das Thema beim Kinderarzt gezielt ansprechen. Kostenlosen Impf-Fahrplan für Ihr Kind anfordern

Vorgaben der STIKO und Anforderungen an den Impfschutz

Nach Angaben des RKI existiert die entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für chronisch kranke Kinder bereits seit 30 Jahren. Die STIKO empfiehlt weiterhin eindringlich, den bestehenden Vorgaben zu folgen. Die Empfehlung richtet sich an Kinder und Jugendliche ab einem Alter von sechs Monaten, bei denen eine erhöhte gesundheitliche Gefährdung vorliegt.

Für den Aufbau der Immunität gelten bei jungen Patienten spezifische Vorgaben. Bei Kindern unter neun Jahren sind im Falle einer Erstimpfung zwei Impfdosen erforderlich, die in einem Abstand von mindestens vier Wochen verabreicht werden müssen. Generell soll die Verabreichung jährlich im Herbst oder Winter erfolgen. Die Schutzwirkung setzt nicht unmittelbar ein; der Impfschutz baut sich erst nach etwa 10 bis 14 Tagen vollständig auf.

Ursachen für die niedrige Beteiligung

Für das Ausbleiben der Immunisierungen sehen Fachleute vor allem Kommunikations- und Wahrnehmungsprobleme. Barbara Gärtner vom Uniklinikum Saarland erläuterte, dass die Influenza häufig nicht als reale Bedrohung wahrgenommen werde.

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Zwischen Schule, Therapien und Alltag geht der Impftermin schnell unter — und genau das ist laut Fachleuten ein Hauptgrund für die Schutzlücke bei Risikokindern. Damit Ihr Kind nicht ohne Schutz in die Saison 2026 startet, gibt es eine Checkliste zum Abhaken, den STIKO-Impftermin zum Ausdrucken und einen fertigen Gesprächsleitfaden für die Praxis. Checkliste jetzt herunterladen

Neben dem einfachen Vergessen der Termine spiele zudem eine fehlende aktive Ansprache durch das medizinische Personal in Arztpraxen eine wesentliche Rolle. Vorbehalte gegenüber der Verträglichkeit seien hingegen kein Hauptgrund: Die Furcht vor möglichen Nebenwirkungen nehme laut vorliegenden Studien lediglich eine untergeordnete Rolle bei den Betroffenen ein.

Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „Impfquoten: Nur 10 Prozent der Kinder mit Risiken gegen Grippe geimpft“

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