Grippeimpfung, Vorerkrankungen

Grippeimpfung bei Vorerkrankungen: Zwei Drittel bleiben ungeschützt

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Impfquoten bleiben in Risikogruppen niedrig, während Atemwegsinfektionen zunehmen und regionale Unterschiede bei der Grippeimpfung bestehen.

Grippe- und Erkältungssaison: RKI und STIKO raten zu frühem Schutz
Ein ruhiger Parkweg im Herbst mit buntem Laub unter kahlen Bäumen im sanften Sonnenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem Beginn des Herbstes bereiten sich das deutsche Gesundheitssystem und die Fachbehörden auf die kommende Erkältungs- und Grippesaison vor. Das Robert Koch-Institut (RKI), die Ständige Impfkommission (STIKO), das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) sowie kommunale Gesundheitsämter raten Risikogruppen zu frühzeitigen Schutzmaßnahmen.

Nach Angaben aus dem RKI-Wochenbericht verzeichneten die Überwachungssysteme der Arbeitsgemeinschaft Influenza für die Kalenderwoche 40 (28. September bis 4. Oktober) zwar noch ein niedriges Niveau bei den Fallzahlen von SARS-CoV-2, Influenza und dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), die Aktivität weist jedoch einen ersten allmählichen Aufwärtstrend auf.

In den Sentinelproben dominierten zuletzt Rhino-, Entero- und Parainfluenzaviren, während Abwasserdaten bereits seit mehreren Wochen eine steigende SARS-CoV-2-Tendenz anzeigen.

STIKO-Empfehlungen für Senioren und Vorerkrankte

Die STIKO empfiehlt den jährlichen Schutz vor Influenza insbesondere für Personen ab 60 Jahren, Schwangere ab dem zweiten Trimester, chronisch Kranke, Bewohner von Pflegeheimen sowie medizinisches und pflegerisches Personal. Als optimales Zeitfenster gilt der Zeitraum von Oktober bis Mitte Dezember.

Die Immunisierung gegen RSV sowie jährliche Auffrischimpfungen gegen SARS-CoV-2 werden nach einer im Juli 2026 angepassten Empfehlung grundsätzlich Personen ab 75 Jahren sowie Bewohnern von Pflegeeinrichtungen und Risikopatienten mit relevanten Vorerkrankungen nahegelegt.

STIKO-Chef Berner wies darauf hin, dass die Impfquoten in zentralen Risikogruppen weiterhin erhebliche Lücken aufweisen. Bei Erwachsenen mit Grunderkrankungen liege die Quote lediglich zwischen 30 und 40 Prozent, womit rund zwei Drittel dieser gefährdeten Personen ungeschützt blieben.

Noch deutlicher falle die Lücke bei Kindern und Jugendlichen mit impfrelevanter Vorerkrankung aus: Nach Berechnungen der STIKO wurden in den Saisons 2014/15 bis 2024/25 lediglich 10 Prozent dieser Gruppe gegen Grippe geimpft, was bei einer geschätzten Risikopopulation von 1,2 Millionen Kindern einer ungeschützten Quote von 90 Prozent entspricht.

Anzeige

Wer zu den Risikogruppen zählt, hat jetzt ein klares Zeitfenster: Der vollständige Impfschutz baut sich erst nach 10 bis 14 Tagen auf, die Grippewelle erreicht ihre Höhepunkte traditionell um Weihnachten sowie im Januar und Februar. Unser kostenloser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wann Sie impfen sollten, welche Vorerkrankungen zählen und wie Sie den Weg zur Impfung so einfach wie möglich halten. Jetzt kostenlosen Impf-Ratgeber anfordern

Regionale Unterschiede und Beteiligung der Apotheken

Eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) für den Winter 2025/2026 verdeutlicht die Herausforderungen bei der Durchimpfung. Zwar stieg die Quote bei den TK-Versicherten ab 60 Jahren mit rund 40 Prozent erstmals seit fünf Jahren wieder leicht an, verfehlte das von TK-Chef Baas hervorgehobene EU-Ziel von 75 Prozent jedoch deutlich.

Zudem zeigten sich starke regionale Gefälle: Während in Sachsen-Anhalt 54 Prozent und in Sachsen 50 Prozent der älteren Versicherten geimpft waren, lag der Wert in Baden-Württemberg bei 25 Prozent. Das seit 2022 bestehende Impfangebot in Apotheken wird der Kasse zufolge bisher nur von etwa jeder achten Apotheke vorgehalten; im Winter 2025/2026 ließen sich dort rund 60.000 TK-Versicherte impfen, was weniger als einem Prozent der über 60-Jährigen entsprach.

Um die Inanspruchnahme zu steigern, setzen BIÖG und RKI seit Anfang Oktober 2026 ihre bundesweite Informationskampagne unter dem Titel „Zusammen geschützt“ mit Informationsmaterialien für Praxen, Apotheken und Pflegeheime fort.

Erwarteter Saisonverlauf und zeitliche Planung

Fachleute rechnen mit den Höhepunkten der Influenza- und RSV-Zirkulation traditionell um die Weihnachtszeit sowie in den Monaten Januar und Februar. Da der vollständige Impfschutz nach etwa 10 bis 14 Tagen eintritt und die Immunität nach ein bis zwei Jahren nachlässt, raten Experten zu einer rechtzeitigen Verabreichung im Herbst.

Anzeige

Die Impfquote in Risikogruppen bleibt regional extrem unterschiedlich — zwischen 25 und 54 Prozent je nach Bundesland. Wer vorerkrankt ist, sollte sich nicht auf die Statistik verlassen, sondern den eigenen Schutz selbst in die Hand nehmen. Der Ratgeber bündelt, welche Vorerkrankungen als impfrelevant gelten und wie Sie in wenigen Schritten einen Termin oder eine Impfung in Ihrer Nähe organisieren. Impf-Checkliste jetzt kostenlos sichern

Nach Einschätzung der Virologin Protzer von der Technischen Universität München erwiesen sich die aktuellen Impfstoffe als gut wirksam gegen die zuvor in Australien und Japan zirkulierenden Virusstämme.

Zugleich hatten sich die akuten Atemwegsinfektionen in Süddeutschland zuletzt binnen zwei Wochen fast verdoppelt, was die Bedeutung präventiver Maßnahmen vor dem Eintreffen der eigentlichen Grippewelle unterstreicht.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70289125 |