Grippeimpfung für Kinder: Impfquote bei Grunderkrankungen liegt bei nur 10 Prozent
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Vorfeld der Grippesaison 2026/2027 bereiten sich Gesundheitsbehörden und Apotheken auf die anstehenden Impfkampagnen vor. Nach aktuellen Berichten wird in mehreren europäischen Ländern mit einer ausreichenden Verfügbarkeit von Influenza-Impfstoffen gerechnet, wenngleich regionale Unterschiede in der Organisation und den Lieferketten bestehen.
Versorgungslage und Impfstrategien in Deutschland
In Baden-Württemberg gehen die Apotheken laut einer Mitteilung des Landesapothekerverbandes vom 27. September 2026 von einer stabilen Versorgungslage aus. Die Auslieferung der Vakzine an den Großhandel sowie an die Apotheken habe bereits begonnen.
Als optimaler Zeitraum für eine Immunisierung werden die Monate Oktober bis Mitte Dezember genannt, da der Aufbau des vollständigen Schutzes etwa 10 bis 14 Tage beanspruche. Neben den Arztpraxen bieten in dieser Saison auch Apotheken Impfungen an.
Hintergrund der Vorbereitungen sind die Infektionszahlen der vergangenen Jahre. Während das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg für die vorangegangene Saison knapp 26.000 Fälle registrierte, lag dieser Wert im Jahr davor bei fast 34.000. Die Saisonhöhepunkte variierten dabei zeitlich: In der Saison 2022/2023 lag der Peak Mitte Dezember, in der darauffolgenden Saison Mitte Januar und im Jahr 2025 erst Mitte Februar.
In München wird die Impfbereitschaft bereits durch niederschwellige Angebote gefördert. Im Rahmen der Initiative „München impft“ ließen sich an den ersten sechs Tagen des Oktoberfestes 322 Personen an der Sanitätswache der Aicher-Ambulanz gegen Influenza oder Covid-19 impfen.
Experten des Klinikums der Technischen Universität München (TUM) wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in Deutschland bisher nicht einmal jeder Dritte mit einer entsprechenden Empfehlung tatsächlich geimpft sei. Im Vergleich dazu erreichen skandinavische Länder Quoten von über zwei Dritteln.
Lieferdynamik und Herausforderungen im internationalen Markt
In Irland zeigt sich eine differenzierte Situation bei den Hauptlieferanten. Laut einem Bericht vom 25. September 2026 stellt Sanofi zusätzliche Impfstoffdosen für den privaten Markt bereit, sodass keine Engpässe für staatliche Programme oder private Anbieter erwartet werden.
Der zweite große Akteur, Viatris, bedient in der Saison 2026/2027 hingegen ausschließlich das nationale Programm und liefert nicht an den privaten Markt. Teillieferungen von Viatris werden erst für Dezember erwartet.
Für Kinder mit einer Grunderkrankung empfiehlt das RKI die Grippeimpfung — doch zuletzt war nur etwa jedes zehnte dieser Kinder geimpft. Der beste Zeitraum liegt zwischen Oktober und Mitte Dezember, denn der vollständige Schutz baut sich erst in 10 bis 14 Tagen auf. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Termin, Anlaufstelle und Timing für Ihr Kind planen. Impf-Leitfaden für Risikokinder jetzt anfordern
Die angespannte Lage bei der Planung wird unter anderem auf drei Stammänderungen im Vergleich zum Vorjahr sowie eine späte Identifikation des B-Stammes zurückgeführt. Dies führte dazu, dass mehrere Unternehmen ihre geplanten Impftermine verschieben mussten. Das staatliche Impfprogramm der irischen Gesundheitsbehörde HSE für Risikogruppen soll am 8. Oktober starten.
In der Slowakei wird die Bevorratung für die aktuelle Saison hingegen deutlich ausgeweitet. Das slowakische Gesundheitsministerium rechnet laut Berichten vom 26. September 2026 mit rund 315.000 Dosen Injektionsimpfstoff und 55.000 Dosen für die nasale Anwendung bei Minderjährigen. Dies entspricht einer Steigerung von 8 Prozent bei den Injektionen und 25 Prozent beim Nasenspray im Vergleich zur Vorsaison.
Regionale Kampagnenstarts und berufspolitische Entwicklungen
In Italien beginnt die Kampagne in der Region Cremasco am 1. Oktober. Die ASST Crema stellt den Impfstoff zunächst kostenlos für Prioritätsgruppen wie Schwangere, Senioren ab 60 Jahren und medizinisches Personal zur Verfügung. Ab dem 12. Oktober wird das Angebot auf die gesamte Bevölkerung ausgeweitet.
Ein spezieller Aktionstag am 3. Oktober soll die Beteiligung erhöhen. In der vergangenen Saison lag die Impfquote der über 65-Jährigen in dieser Region bei 54 Prozent. Italienische Ärztevertreter der FIMMG forderten zudem eine Verlängerung der Kampagne bis Ende Januar 2027, da Prognosen infolge klimatischer Veränderungen auf einen verzögerten Virusumlauf hindeuten.
In Österreich forderte die Apothekerkammer zum Welt-Apothekertag eine stärkere Einbindung der rund 7000 Apotheker in die Gesundheitsreformen. Eine Zusage der Bundesregierung sieht vor, dass Impfungen in Apotheken zum Jahresbeginn 2027 ermöglicht werden sollen. Auch politische Forderungen nach Medikationsanalysen als Kassenleistung unterstreichen das Bestreben, Apotheken stärker in die Präventionsarbeit zu integrieren.
Epidemiologische Einordnung durch das Robert Koch-Institut
Das Robert Koch-Institut (RKI) beobachtet aktuell einen deutlichen Anstieg akuter Atemwegserkrankungen seit dem Ende der Sommerferien. In der dritten Septemberwoche 2026 wurden rund 5,5 Millionen Neuerkrankungen verzeichnet, was sich jedoch im üblichen Bereich bewegt. Influenzanachweise sind zu diesem frühen Zeitpunkt noch sehr selten.
Die Impfstoffsaison läuft an, und in diesem Jahr impfen neben Arztpraxen auch Apotheken. Wenn Ihr Kind zu einer Risikogruppe gehört, entscheidet vor allem das Timing: Wer erst im Dezember startet, verliert wertvolle Wochen beim Schutzaufbau. Der Leitfaden führt Sie in drei Schritten durch Vorbereitung, Terminwahl und Nachsorge. In 3 Schritten zum Impftermin — Leitfaden sichern
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung weiterhin ausdrücklich für Senioren, chronisch Kranke, Schwangere und medizinisches Personal. Das RKI rief zudem dazu auf, die Impfquote bei Kindern mit Grunderkrankungen zu erhöhen, die zuletzt lediglich bei rund 10 Prozent lag.
