Grüne, Wohnumgebung

Grüne Wohnumgebung: Vegetation im 100-Meter-Radius senkt das Demenzrisiko

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 03:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Stockholmer Untersuchung verbindet mehr Grün nahe der Wohnung mit geringerem Demenzrisiko, besonders bei Frauen und Nicht-Trägern von APOE-?4.
Ein üppiger, grüner Stadtpark in einem Wohngebiet mit Bäumen und Gehwegen bei natürlichem Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine grüne Wohnumgebung steht in engem Zusammenhang mit der kognitiven Gesundheit im Alter. Eine in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia veröffentlichte Untersuchung der Universität Stockholm und des Karolinska-Instituts belegt, dass mehr Vegetation in unmittelbarer Nähe des Wohnorts das Demenzrisiko signifikant verringern kann.

Besonders ausgeprägt zeigt sich dieser Schutzeffekt bei Personen ohne die genetische Risikovariante APOE-?4: Für Nicht-Träger dieses Gens ergab die Auswertung ein um 28 Prozent geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken, während sich der Zusammenhang bei Trägern des Gens als nicht eindeutig erwies.

Entscheidender Radius von 100 Metern

Die schwedischen Wissenschaftler analysierten Daten aus der Bevölkerungsstudie SNAC-K im Stockholmer Stadtteil Kungsholmen. Dabei wurden 2.993 Personen im Alter ab 60 Jahren begleitet, die zwischen 2001 und 2004 aufgenommen und über einen Zeitraum von bis zu 16 Jahren beobachtet wurden, im Mittel über 9,7 Jahre. Im Verlauf dieses Beobachtungszeitraums erhielten 477 der 2.993 Teilnehmenden – was einem Anteil von 16 Prozent entspricht – eine Demenzdiagnose.

Die Menge der Vegetation erfassten die Forschenden anhand des Vegetationsindexes NDVI aus Landsat-Satellitenbildern mit einer Auflösung von 25 mal 25 Metern über den Zeitraum von 1990 bis 2018. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass insbesondere die unmittelbare Nähe zur Haustür maßgeblich ist.

Ein höherer Bewuchs im Umkreis von 100 Metern um die Wohnung war mit einem um etwa 20 bis 21 Prozent geringeren Demenzrisiko verbunden (Hazard Ratio 0,79; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,64–0,96 bei einem NDVI-Anstieg von 0,18).

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In größeren Radien schwächte sich der Effekt deutlich ab: Bei einem Radius von 250 Metern (HR 0,88; KI 0,71–1,09) sowie bei 500 Metern (HR 0,94; KI 0,76–1,15) konnte kein statistisch signifikanter Zusammenhang mehr festgestellt werden.

Geschlechtsspezifische Unterschiede und Einflussfaktoren

Neben den genetischen Differenzen stießen die Forschenden auch auf geschlechtsspezifische Abweichungen. Während bei Frauen ein um rund 31 Prozent geringeres Demenzrisiko (HR 0,69) verzeichnet wurde, fiel der Effekt bei Männern mit einer Hazard Ratio von 0,93 beziehungsweise rund 7 Prozent schwächer aus und war statistisch nicht signifikant.

Die ermittelten Zusammenhänge blieben auch nach umfassenden statistischen Adjustierungen stabil. Die Forschenden rechneten Störfaktoren wie Alter, körperliche Bewegung, Straßenlärm, Bildungsniveau, Rauchgewohnheiten, Haushaltseinkommen und Luftverschmutzung aus den Ergebnissen heraus.

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Relevanz für Stadtplanung und Gesundheitspolitik

Cecilia Stenfors von der Universität Stockholm, Forschungsleiterin und Co-Erstautorin der Untersuchung, hob verschiedene Wirkungsmechanismen hervor. Demnach könnten Stressabbau, eine verbesserte psychische Gesundheit, erholsamerer Schlaf, mehr körperliche Bewegung sowie soziale Teilhabe eine Rolle spielen.

Zudem biete städtische Vegetation einen Puffer gegen schädliche Umwelteinflüsse wie Verkehrslärm, Luftverschmutzung und extreme Hitze. Das direkte Wohnumfeld bilde somit einen zentralen Baustein für den Erhalt der Gehirngesundheit und ein gesundes Altern.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gewinnen diese Erkenntnisse auch für die Stadtentwicklung an Gewicht. Den Angaben der Studie zufolge lebten im Jahr 2025 schätzungsweise 9 Millionen Menschen in der Europäischen Union mit einer Demenzerkrankung; bis zum Jahr 2050 könnte diese Zahl auf über 14 Millionen ansteigen. Forschende der beiden Institute betonen daher die Bedeutung einer gezielten Begrünung im Nahbereich von Wohngebäuden als präventive Maßnahme.

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