Grüntee-Extrakt: Ab 800 mg Epigallocatechingallat drohen Leberschäden
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zahlreiche Ratschläge rund um Hausmittel, pflanzliche Präparate und alltägliche Gewohnheiten versprechen rasche Linderung oder gesundheitliche Vorteile. Wissenschaftliche Untersuchungen und regulatorische Bewertungen zeichnen jedoch ein differenziertes Bild und hinterfragen die tatsächliche Evidenzlage etablierter Mythen und Anwendungen kritisch.
Grenzen von Zitrusfrüchten und Vitamin C
Ein weit verbreiteter Ratschlag betrifft den Verzehr von Zitronen zur Blutdrucksenkung. Wissenschaftliche Nachweise für einen sofortigen Effekt fehlen jedoch. Zwar können Vitamin C und Flavonoide langfristig einen kleinen positiven Einfluss ausüben, bei stark erhöhtem Blutdruck können Zitrusfrüchte ärztlich verordnete Medikamente aber keinesfalls ersetzen.
Bluthochdruck liegt ab zweifach gemessenen Werten von 140/90 mmHg vor. Die American Heart Association senkte ihre Grenzwerte bereits im Jahr 2017 auf 135/80 mmHg; in Deutschland wird dieser Bereich als hochnormaler Blutdruck eingestuft.
Eine Übersichtsarbeit der John Hopkins School of Medicine aus dem Jahr 2012 über 29 Studien zeigte, dass die tägliche Zufuhr von 500 mg Vitamin C über acht Wochen den systolischen Blutdruck um bis zu 4,85 mmHg senken kann. Da eine Zitrone rund 50 mg Vitamin C enthält, entspräche diese Dosis zehn Früchten. Eine kurzfristige Wirkung von Vitamin C ist nicht nachgewiesen.
Als Sofortmaßnahmen gelten kalte Duschen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Entspannungstechniken und Bewegung. Laut dem Deutschen Sportbund senken bereits fünf Minuten Sport täglich den systolischen Blutdruck um bis zu 5 mmHg und verringern das Schlaganfallrisiko um bis zu 10 Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 30 Minuten Aktivität an fünf Wochentagen.
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Auch bei Erkältungen bleibt der Nutzen von Vitamin C begrenzt. Eine Übersicht des Cochrane-Netzwerks über 29 Studien mit mehr als 11.000 Teilnehmenden ergab, dass Vitamin C Atemwegsinfekte nicht verhindern kann; bei vorbeugender Einnahme verkürzte sich die Krankheitsdauer im Schnitt lediglich um etwa einen halben Tag.
Alkohol und Atemwegsinfektionen
Die Vorstellung, Alkohol besitze gesundheitlich schützende Effekte oder helfe bei Erkältungen, wird durch neuere Daten widerlegt. Eine im Journal of Studies on Alcohol and Drugs veröffentlichte Analyse aus dem Jahr 2026 fand bei keiner untersuchten Menge einen gesundheitlichen Netto-Schutzeffekt. Bereits geringe Mengen bergen zusätzliche Risiken.
Zudem ist belegt, dass Alkohol das Risiko für mindestens sieben Krebsarten steigert. Ein Bericht des US Surgeon General aus dem Jahr 2025 veranschaulicht dies: Von 100 Frauen mit durchschnittlich weniger als einem Getränk pro Woche erkranken rechnerisch etwa 17 im Lebensverlauf an einer dieser Krebsarten, bei einem Getränk täglich sind es etwa 19 und bei zwei Getränken täglich rund 22 von 100 Frauen.
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Sportmediziner raten bei Infekten von Heißgetränken mit Alkohol ab, da Alkohol das Immunsystem schwächt. Als Alternative bietet sich frisch gepresste Bio-Limette in heißem Wasser an. Honig sollte erst bei Temperaturen unter 40 Grad zugegeben werden, um antibakterielle Enzyme zu bewahren, die laut Studien gegen nächtlichen Husten helfen können.
Evidenz bei pflanzlichen Mitteln und Tees
Auch bei pflanzlichen Heilmitteln stützen sich offizielle Zulassungen oft auf Tradition statt auf klinische Nachweise. Die Europäische Arzneimittel-Agentur stuft Bockshornklee sowie Brennnesselblätter als traditionelle pflanzliche Arzneimittel ein.
Für Bockshornklee sind Anwendungen bei Appetitlosigkeit und leichten Hautentzündungen registriert, für Brennnesselblätter die Linderung leichter Gelenkschmerzen und die Durchspülung bei leichten Harnwegsbeschwerden. Beide Einstufungen beruhen auf langjähriger Erfahrung, nicht auf klinisch belegter Wirksamkeit.
Bei grünem Tee wiederum ergab ein Cochrane-Review keine Belege für klinisch relevante Gewichtsveränderungen. Zwar können Koffein und Catechine den Energieumsatz leicht und kurzfristig anregen, nachgewiesene Effekte stammen jedoch meist aus hochdosierten Extrakten.
Bei diesen besteht laut einem Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit aus dem Jahr 2018 ab einer Tagesdosis von 800 mg Epigallocatechingallat ein Risiko für Leberschäden. Begrifflichkeiten wie Stoffwechseltee unterliegen zudem keiner rechtlichen Regulierung.
