Grundsicherung, FreibetrÀge

Grundsicherung ab Juli: Neue FreibetrĂ€ge fĂŒr Erben gestaffelt nach Alter

12.06.2026 - 14:02:15 | boerse-global.de

Die Justizministerkonferenz berĂ€t ĂŒber Reformen: VorlĂ€ufige Erbscheine sollen Wartezeiten verkĂŒrzen und neue FreibetrĂ€ge fĂŒr Grundsicherungsbezieher treten in Kraft.

Erben in Deutschland: Justiz plant schnellere Erbscheine und neue Regeln
Grundsicherung - Eine Nahaufnahme einer Hand, die ein offizielles Dokument mit einem roten Wachssiegel hĂ€lt, auf einem dunklen Holztisch. 12.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Hamburg. Die Justizministerkonferenz berĂ€t ab Mitte Juni ĂŒber weitreichende Erleichterungen fĂŒr Erben. Hessen treibt die Reform besonders voran.

VorlĂ€ufige Erbscheine sollen Wartezeiten verkĂŒrzen

Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU) fordert eine grundlegende Vereinfachung der bisherigen Praxis. Sein Ziel: die oft monatelangen Wartezeiten auf einen Erbschein drastisch reduzieren.

In unstreitigen FĂ€llen soll kĂŒnftig auf die doppelte PrĂŒfung durch die Nachlassgerichte verzichtet werden – vorausgesetzt, es liegt bereits ein notarielles Testament oder Erbvertrag vor. ZusĂ€tzlich schwebt dem Minister ein vorlĂ€ufiger Erbschein vor. Damit könnten Erben zeitnah ĂŒber NachlassgegenstĂ€nde verfĂŒgen, wĂ€hrend das Hauptverfahren noch lĂ€uft.

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Flankiert werden die Maßnahmen durch eine Digitalisierung der Testamentsregister. Das soll den Informationsfluss zwischen den Behörden optimieren.

Neue Regeln fĂŒr Grundsicherungsbezieher ab Juli

Ab dem 1. Juli 2026 greifen neue Regelungen bei der staatlichen Grundsicherung. Sie treffen vor allem Sozialleistungsbezieher in Erbengemeinschaften.

Die bisherige Karenzzeit mit einem Schonvermögen von 40.000 Euro entfÀllt komplett. Stattdessen gelten gestaffelte FreibetrÀge nach Lebensalter:

  • Bis 30 Jahre: 5.000 Euro
  • Bis 40 Jahre: 10.000 Euro
  • Bis 50 Jahre: 12.500 Euro
  • Ab 51 Jahren: 20.000 Euro

Überschreitet der Erbanteil diese Grenzen, mĂŒssen EmpfĂ€nger das Erbe vorrangig fĂŒr den eigenen Lebensunterhalt einsetzen. Die Neuerung soll verhindern, dass Erbengemeinschaften die Auflösung von NachlĂ€ssen blockieren, um weiterhin staatliche Leistungen zu beziehen.

Das Landessozialgericht Baden-WĂŒrttemberg bestĂ€tigte: Erben können notfalls gezwungen werden, ihren Anteil zu verĂ€ußern oder zu verpfĂ€nden.

Pflichtteil: Wer nicht fordert, geht leer aus

Neben den Verfahrensreformen beschĂ€ftigen aktuelle Gerichtsurteile die Erbrechtsexperten. Im Fokus: die Durchsetzung des Pflichtteils. Enterbte nahe Angehörige bekommen in der Regel die HĂ€lfte des gesetzlichen Erbteils – aber nur, wenn sie ihn aktiv einfordern.

In Österreich prĂ€zisierte der Oberste Gerichtshof die Bedingungen fĂŒr eine Pflichtteilsminderung. Sie ist möglich, wenn kein NaheverhĂ€ltnis zum Erblasser bestand. Allerdings muss die Entfremdung bis zum Tod andauern. In einem konkreten Fall erklĂ€rten die Richter die Minderung fĂŒr unwirksam: Im letzten Lebensjahr hatte wieder regelmĂ€ĂŸiger Kontakt stattgefunden – inklusive wöchentlicher Besuche.

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Experten raten zur frĂŒhzeitigen Vorsorge gegen Erbschleicherei. Wirksame Instrumente: notarielle Vollmachten, ErbvertrĂ€ge oder die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers. Die Dokumente sollten beim Nachlassgericht hinterlegt und im Zentralen Testamentsregister registriert werden.

Immobilienwerte und Steuerfristen

Ein neues Portal in Nordrhein-Westfalen bietet seit dem 11. Juni detaillierte Einblicke in amtliche Boden- und Immobilienrichtwerte. Mit Stichtag 1. Januar 2026 lassen sich dort Werte fĂŒr alle 396 Kommunen abrufen. Der Median fĂŒr Eigentumswohnungen liegt bei rund 1.950 Euro pro Quadratmeter. Spitzenwerte erreicht DĂŒsseldorf mit etwa 4.000 Euro, im Kreis Höxter sind es rund 1.310 Euro.

Das Finanzgericht MĂŒnster konkretisierte zudem die Behaltensfristen fĂŒr begĂŒnstigtes Betriebsvermögen. In einem Urteil vom Dezember 2025 stellten die Richter klar: Ein Verstoß gegen diese Fristen tritt erst mit dem dinglichen Vollzug einer VerĂ€ußerung ein. Der bloße Abschluss eines schuldrechtlichen Vertrags reicht fĂŒr eine Nachversteuerung nicht aus – eine klare Absage an die bisherige Auffassung der Finanzverwaltung.

de | wissenschaft | 69527292 |