Gruppenbewegung, ETH-Studie

Gruppenbewegung: ETH-Studie verbindet neuronale SynchronitÀt mit sozialer NÀhe

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 11:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien und Initiativen zeigen, wie gemeinsames Gestalten, Tanzen und Musizieren mit mentalem Wohlbefinden und sozialer Verbundenheit zusammenhÀngen.

Gemeinsamer Rhythmus und Kunst stÀrken soziale NÀhe und Wohlbefinden
Zwei leere KĂŒnstlerstaffeleien in einem hellen, lichtdurchfluteten Atelier mit Holzboden und minimalistischer Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die Bedeutung koordinierter Gruppenbewegungen und rhythmischer sozialer Interaktionen fĂŒr die mentale Gesundheit. Die Verbindung von Rhythmus, Bewegung und Gemeinschaft wird dabei zunehmend als Instrument zur Förderung des kognitiven Wohlbefindens und der sozialen Verbundenheit betrachtet.

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zur synchronen Interaktion

Eine im August 2026 in der Fachzeitschrift PLOS Biology veröffentlichte Studie der ETH ZĂŒrich untersuchte die neuronalen Mechanismen bei gemeinschaftlichen AktivitĂ€ten. Das Team um Ryssa Moffat analysierte dabei 31 generationenĂŒbergreifende Paare – bestehend aus ĂŒber 70-JĂ€hrigen und 18- bis 35-JĂ€hrigen – sowie 30 Paare aus der Gruppe der jĂŒngeren Erwachsenen.

Die Forscher beobachteten, dass die neuronale SynchronitĂ€t wĂ€hrend gemeinsamer Zeichensitzungen signifikant höher war als beim individuellen Zeichnen. Bei den generationenĂŒbergreifenden Paaren diente die SynchronitĂ€t im rechten inferioren Frontalkortex als Indikator fĂŒr empfundene soziale NĂ€he.

Ein interessanter Aspekt der Untersuchung war die zeitliche Entwicklung: WĂ€hrend die SynchronitĂ€t bei Paaren gleichen Alters ĂŒber mehrere Sitzungen hinweg zunahm, war bei altersgemischten Paaren ein RĂŒckgang zu verzeichnen. Zudem deutete die SynchronitĂ€t beim alleinigen Zeichnen in der Gruppe der Generationenpaare auf ein höheres Maß an Einsamkeit hin.

Kulturelle Teilhabe als GesundheitsprÀvention

Das seit 2023 laufende EU-Interreg-Projekt „Arts on Prescription“ erprobt in fĂŒnf Ostsee-Anrainern den Einsatz kultureller Angebote zur StĂ€rkung der psychischen Gesundheit. In insgesamt 24 PilotdurchlĂ€ufen mit elf Partnerinstitutionen wurden Daten von 255 Teilnehmenden ausgewertet. Die vorlĂ€ufigen Ergebnisse deuten auf eine Steigerung des mentalen Wohlbefindens und des Selbstvertrauens sowie eine Verringerung des EinsamkeitsgefĂŒhls hin.

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In Bremen werden im Rahmen dieses Projekts sogenannte Kunst-Rezepte genutzt, die kostenlose Kurse und Reflexionsgruppen ermöglichen. Eine detaillierte Evaluation dieser Maßnahmen ist fĂŒr den Herbst 2026 angekĂŒndigt.

WĂ€hrend in Schweden, konkret in der Region Norrbotten, solche Angebote bereits dauerhaft in die regulĂ€re Gesundheitsversorgung integriert wurden, weisen die Projektverantwortlichen darauf hin, dass aufgrund einer fehlenden Kontrollgruppe in der Pilotphase noch keine abschließenden Wirksamkeitsbelege vorliegen.

Rhythmus und Bewegung im Bildungssektor

Auch Schulen setzen verstĂ€rkt auf rhythmische Gemeinschaftserlebnisse, um den Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen. An der IGS Lilienthal erprobten SchĂŒlerinnen und SchĂŒler am 25. September 2026 verschiedene Tanzrichtungen, darunter Salsa, Hip-Hop und Breaking. UnterstĂŒtzt wurden sie dabei von Trainern des GrĂŒn-Gold-Clubs und der Tanzarena.

Hintergrund der Initiative ist laut dem Organisator Wolfgang Ahlrichs die hohe tĂ€gliche Bildschirmzeit von acht bis zehn Stunden, die unter Jugendlichen mittlerweile ĂŒblich sei. Als Abschluss der Aktion wurde eine Flashmob-Choreografie aufgezeichnet, deren PrĂ€sentation fĂŒr den 3. Oktober beim Konzert der Fantastischen Vier in Bremen geplant ist.

In Österreich startete die digiMS 2 Bad Goisern das Unterrichtsjahr unter dem Motto „Gesundheit – Gemeinschaft – GlĂŒck“. Neben praktischen Übungen wie Linedance und progressiver Muskelentspannung erhielten die SchĂŒler durch den Psychotherapeuten Daniel Rainer Einblicke in die Funktionsweise des Gehirns und die Grundlagen mentaler Gesundheit.

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Regionale Initiativen zur sozialen Vernetzung

In verschiedenen Kommunen haben sich Projekte etabliert, die Musik und Bewegung als soziale BrĂŒcke nutzen. In Buchholz fungiert das Ren-Do-Zentrum seit drei Jahren als zertifizierte Einrichtung im Netzwerk Singende KrankenhĂ€user e. V. und bietet wöchentliche Termine fĂŒr Trommeln und Singen an.

In Viersen pflegt die Tanzgruppe Meraki mit rund 25 Aktiven die Tradition griechischer TĂ€nze, wĂ€hrend ein internationaler Tanzabend im Rahmen der Interkulturellen Woche 2026 verschiedene Generationen und HerkunftslĂ€nder durch indische Folklore und Trommelrhythmen zusammenfĂŒhrte.

Innovative AnsĂ€tze wie das Projekt „Run-and-Rave“ in Babenhausen verbinden sportliche BetĂ€tigung beim Joggen mit elektronischer Musik, um Isolation entgegenzuwirken. In Bad Wörishofen wurde zudem ein offenes Musikprojekt fĂŒr Menschen ab 50 Jahren initiiert, das unter der Schirmherrschaft von BĂŒrgermeister Daniel PflĂŒgl steht und einen niederschwelligen Zugang zum gemeinsamen Musizieren ermöglicht.

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