GS030, Retinitis

GS030 bei Retinitis pigmentosa: 7 von 10 reagieren stÀrker auf Licht

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei sieben von zehn Teilnehmenden nahm die Lichtempfindlichkeit zu; normales Sehen blieb mit GS030 unerreichbar.

GenSight GS030: Optogenetik-Studie zeigt Sehreize bei Erblindeten
Symbolbild: Parkbank unter einem blĂŒhenden Baum Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung erblicher Netzhauterkrankungen steht vor grundlegenden VerÀnderungen. Eine am 7. Oktober 2026 im Fachjournal New England Journal of Medicine veröffentlichte Phase-1/2-PIONEER-Studie liefert neue klinische Einblicke in das Potenzial der Optogenetik.

Forschende des Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Basel (IOB), der UniversitĂ€t Basel und der University of Pittsburgh untersuchten gemeinsam mit dem Entwickler GenSight Biologics ein neuartiges Verfahren, das Erblindeten zumindest einfache visuelle Orientierungspunkte zurĂŒckgeben soll.

Neue Sehkraft durch Algen-Gene und Spezialbrille

Im Zentrum der Untersuchung stand der Therapieansatz GS030. Bei der Methode erhielten zehn blinde Studienteilnehmende im Alter von 40 bis 73 Jahren mit fortgeschrittener Retinitis pigmentosa eine einmalige Injektion in das schlechter sehende Auge.

Über ein Gen aus GrĂŒnalgen wurden verbliebene Ganglienzellen der Netzhaut lichtempfindlich gemacht. Eine eigens entwickelte Spezialbrille erfasste Bilder der Umgebung und wandelte diese in bernsteinfarbene Lichtsignale um, die direkt auf die verĂ€nderten Netzhautzellen projiziert wurden.

Die Messungen des Studienteams um Botond Roska vom IOB Basel und José-Alain Sahel von der University of Pittsburgh belegen messbare VerÀnderungen: Bei 7 von 10 Teilnehmenden stieg die Lichtempfindlichkeit um das 2- bis 62,3-Fache.

Sechs der zehn Behandelten erreichten dabei den vorab definierten Schwellenwert einer klinisch relevanten Verbesserung, der bei mindestens einer Vervierfachung der SensitivitĂ€t lag. Nach dem vorzeitigen Abbruch einer Person hielt dieser Effekt ĂŒber einen Nachbeobachtungszeitraum von zwei bis fĂŒnf Jahren bei sieben von neun verbleibenden Patienten im Bereich des 2- bis 62-Fachen an.

Anzeige

Viele Menschen bemerken eine schleichende Verschlechterung ihrer Augen erst sehr spĂ€t, was den Alltag und das Gehirn erheblich belasten kann. Dieser kostenlose 3-Minuten-Test zeigt Ihnen bequem von zu Hause aus, wie es um Ihre aktuelle Sehkraft steht. Sehtest ohne Arzttermin jetzt online durchfĂŒhren

Verbesserungen im Alltag und Grenzen der Methode

In ergĂ€nzenden Verhaltenstests mit acht probanden zeigten vier Personen konsistente Fortschritte bei mehreren alltagsnahen Aufgaben. Sie konnten Objekte lokalisieren, berĂŒhren oder erkennen sowie TĂŒren ansteuern und Linien auf dem Boden folgen. Dabei zeigte sich, dass ein lĂ€ngeres Training mit der Spezialbrille tendenziell mit besseren Resultaten einherging, da das Gehirn das Verarbeiten der neuartigen Lichtmuster erst erlernen musste.

Zugleich verweisen die Forschenden auf deutliche Grenzen der Technik. Ein normales Sehvermögen ließ sich nicht wiederherstellen: Weder das Lesen von Texten noch das Erkennen von Gesichtern war den Teilnehmenden möglich, da die optische Auflösung hierfĂŒr nicht ausreichte.

Dennoch erweitert die Studie eine Beobachtung, die das Team bereits 2021 bei einem einzelnen Patienten dokumentiert hatte. Von Bedeutung ist zudem, dass das Verfahren unabhÀngig von der konkreten genetischen Mutation anwendbar ist.

Weltweit sind laut Angaben der Wissenschaftler rund 1,5 Millionen Menschen von Retinitis pigmentosa betroffen, in Deutschland nach EinschĂ€tzung eines Fachmanns der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen bis zu 40.000. FĂŒr den Ausfall der Sehzellen kommen mehr als 100 verschiedene Gene infrage.

Anzeige

Da unkorrigierte Sehprobleme das Sturzrisiko erhöhen und die LebensqualitĂ€t einschrĂ€nken können, ist eine regelmĂ€ĂŸige ÜberprĂŒfung der Augen besonders wichtig. Nutzen Sie diesen kostenlosen Schnelltest mit sofortiger Auswertung, um rechtzeitig auf VerĂ€nderungen reagieren zu können. Kostenlosen Online-Sehtest in 3 Minuten starten

VertrĂ€glichkeit und Ausblick auf kĂŒnftige Studien

Die PIONEER-Studie war primĂ€r auf die SicherheitsprĂŒfung ausgelegt und wurde ohne Kontrollgruppe durchgefĂŒhrt. Insgesamt traten bei 9 von 10 Behandelten 34 unerwĂŒnschte Ereignisse am Auge auf, davon 23 leichter und 10 mittelschwerer Natur.

Bei einem Probanden kam es unmittelbar nach der Injektion zu einem schweren Verschluss der Netzhautarterie, diese Durchblutungsstörung bildete sich nach medizinischer Versorgung jedoch binnen Minuten wieder zurĂŒck.

Das Studienteam stuft die Behandlung insgesamt als sicher ein, betont aber die Notwendigkeit grĂ¶ĂŸerer, kontrollierter Folgestudien. Bislang ist GS030 in keinem Land zugelassen. FĂŒr die Teilnehmenden der aktuellen Erhebung ist eine Nachbeobachtung von bis zu fĂŒnf Jahren nach der Injektion vorgesehen, wĂ€hrend konkrete Details zu weiteren Phase-2-Studien noch ausstehen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70286831 |