GUT-FEELINGS, Großstudie

GUT-FEELINGS: Großstudie prĂŒft 19 PrĂ€biotika auf Wirkung fĂŒr Darm und Psyche

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 15:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

GUT-FEELINGS untersucht 19 PrĂ€biotika; weitere Studien beleuchten Mikrobiom-EinflĂŒsse auf Impfreaktionen und die Wirkung von ErnĂ€hrung.

Darmmikrobiom im Fokus: Studie prĂŒft PrĂ€biotika und Immunreaktionen
Nahaufnahme einer Laborschale mit biologischer NĂ€hrkultur fĂŒr mikrobiologische Untersuchungen. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Projekte untersuchen verstĂ€rkt die Entwicklung von Postbiotika zur Behandlung metabolischer Erkrankungen sowie die Schutzfunktion von Darmmikroben gegenĂŒber UmwelteinflĂŒssen. Die Erforschung mikrobieller Stoffwechselprodukte und komplexer Wechselwirkungen im Verdauungstrakt liefert neue Einblicke darin, wie ErnĂ€hrung, Infektionen und therapeutische Interventionen die menschliche Physiologie beeinflussen.

Großstudie zur Darm-Hirn-Achse gestartet

Am 8. Oktober 2026 kĂŒndigten die Unternehmen Holobiome und Radicle Science die zweijĂ€hrige Initiative GUT-FEELINGS an, die von der US-Forschungsbehörde ARPA-H unterstĂŒtzt wird. In dem Vorhaben sollen mehr als 6.000 Teilnehmende in zwei Wellen untersucht werden. Die auf 16 Wochen angelegte Untersuchung vergleicht 19 prĂ€biotische Rezepturen mit einem Placebo in insgesamt 20 Gruppen.

Im Rahmen des Vorhabens erfassen die Beteiligten unter anderem Mikrobiom-, Metabolom-, Blut- und Wearable-Daten. Insgesamt sollen mehr als 24.000 Stuhl- und 12.000 Blutproben analysiert werden. Die Studie soll prĂŒfen, ob prĂ€biotische Formeln Angst und Wohlbefinden beeinflussen können. Erste Ergebnisse werden fĂŒr die zweite HĂ€lfte des Jahres 2027 erwartet; bisher liegen noch keine Befunde vor.

MikrobiomaktivitÀt und Immunreaktionen

Welche Schutz- oder VerstĂ€rkerfunktionen das Darmmikrobiom bei externen Reizen ausĂŒbt, zeigen auch Untersuchungen zu Impfreaktionen. Forschende der sogenannten ”HEAT-Studie analysierten gesunde junge Erwachsene, die in den Jahren 2021 und 2022 gegen SARS-CoV-2 geimpft wurden. Vor der Impfung waren bei Teilnehmenden, die spĂ€ter stĂ€rkeres Fieber entwickelten, Gene fĂŒr bakterielle Beweglichkeit und Flagelline im Darmmikrobiom aktiver.

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In ergĂ€nzenden Versuchen entwickelten MĂ€use, denen Mikrobiome von Personen mit stĂ€rkerem Fieber ĂŒbertragen worden waren, nach der Impfung stĂ€rkere EntzĂŒndungsreaktionen. Dieser Effekt hing teilweise von der Erkennung bakterieller Flagelline ab.

WĂ€hrend eine pflanzliche ErnĂ€hrung bei den menschlichen Probanden tendenziell mit schwĂ€cherem Fieber verbunden war, verstĂ€rkte eine fettreiche westliche ErnĂ€hrung die EntzĂŒndungsreaktion bei MĂ€usen. Ein direkter ursĂ€chlicher ErnĂ€hrungseffekt beim Menschen ist damit jedoch noch nicht belegt.

Einfluss von ErnÀhrung und Medikamenten auf die Bakteriengemeinschaft

Die StabilitÀt des Mikrobioms hÀngt zudem stark von externen Faktoren wie Nahrung und Medikation ab. Forschende erfassten im Rahmen einer Untersuchung an Krebspatienten nach einer Stammzelltransplantation 9.419 Mahlzeiten von 173 Patienten, wobei bei 158 Personen Stuhlproben ausgewertet wurden.

Alle Untersuchten erhielten mindestens ein Antibiotikum, 80 Prozent zeitweise Breitbandantibiotika. Laut einer ModellschĂ€tzung sank die Vielfalt des Mikrobioms bei jeweils 100 Gramm zusĂ€tzlicher Nahrung aus SĂŒĂŸigkeiten und zuckerreichen Lebensmitteln auf Basis des Trockengewichts um rund 24 Prozent.

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In Mausversuchen zeigte sich zudem, dass die Enterokokkenlast nach Verabreichung des Antibiotikums Biapenem in Kombination mit Saccharose am dritten Tag 16,3-fach und am sechsten Tag 33,4-fach höher lag als unter alleiniger Gabe des Medikaments.

Die Forschenden betonten allerdings, dass diese Ergebnisse nicht belegen, dass ein Zuckerverzicht Infektionen zuverlĂ€ssig verhindert, und sich die Befunde nicht ohne Weiteres auf alle Antibiotikapatienten ĂŒbertragen lassen.

Generell verweisen Fachgesellschaften wie die WHO und die DGE darauf, dass höchstens 10 Prozent der tÀglichen Energiezufuhr aus zugesetztem Zucker stammen sollten, was bei Erwachsenen etwa 50 Gramm entspricht. Darmbakterien fermentieren Ballaststoffe zu kurzkettigen FettsÀuren, die Darmzellen mit Energie versorgen und Signalprozesse im gesamten Stoffwechsel steuern können.

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