Mehr Feldhasen auf deutschen Ăckern - Rekord bei ZĂ€hlung
25.03.2024 - 05:40:47Die gefĂ€hrdeten Feldhasen haben sich in Deutschland zuletzt deutlich vermehrt. Im FrĂŒhjahr 2023 hoppelten im Durchschnitt 19 Feldhasen pro Quadratkilometer auf Feldern, Wiesen und Ăckern. «Das ist ein Allzeithoch», sagte der Sprecher des Deutschen Jagdverbandes (DJV), Torsten Reinwald, der Deutschen Presse-Agentur. Es sei der höchste Wert seit Beginn des bundesweiten Monitorings 2001. Vor allem das trockene FrĂŒhjahr 2023 habe optimale Startbedingungen fĂŒr den Hasen-Nachwuchs bereitet. Der FrĂŒhling ist die wichtige Geburtenzeit der Feldhasen. 2022 hatten die JĂ€gerinnen und JĂ€ger deutschlandweit im Schnitt noch 16 Tiere pro Quadratkilometer gezĂ€hlt.
Feldhasen sind in Deutschland nahezu flĂ€chendeckend verbreitet, selbst in Waldgebieten und urbanen LebensrĂ€umen wie Berlin kommen sie vor. Zwischen den sechs deutschen GroĂlandschaften gibt es aber Unterschiede bei den BestĂ€nden: Mit im Schnitt 28 Feldhasen pro Quadratkilometer ist der Bestand im nordwestdeutschen Tiefland, also von der dĂ€nischen Grenze bis ins nördliche Rheinland, am dichtesten. In den sĂŒdwestdeutschen Mittelgebirgen sind es 21 Feldhasen. Vergleichsweise wenig zu finden sind die Langohren im nordostdeutschen Tiefland mit im Schnitt 7 Tieren und im Alpenvorland mit 9 Tieren.
«Man könnte sagen, dass der Hase ein Gewinner des Klimawandels ist», sagte Reinwald. Denn die Langohren hĂ€tten als ursprĂŒngliche Steppenbewohner insbesondere von trockenen und warmen FrĂŒhjahren profitiert. Die Monate April und Mai seien die entscheidende Zeit fĂŒr das Aufwachsen von Junghasen. «Wenn es da trocken ist und auch noch warm, dann ist das optimal», sagte Reinwald. Empfindlich sind junge Feldhasen dagegen fĂŒr nasskalte Witterung. Denn eine schĂŒtzende Höhle - wie etwa Kaninchen - haben Feldhasen nicht.
JÀger zÀhlen nachts mit Scheinwerfern
GezĂ€hlt werden die Feldhasen von den JĂ€gerinnen und JĂ€gern im Rahmen des Wildtier-Monitorings im FrĂŒhjahr und Herbst. Dann wird erfasst, wie viele Tiere auf einer bestimmten Strecke im Licht eines normierten Scheinwerfers nachts zu entdecken sind. Erneut wurde in mehr als 400 Referenzgebieten gezĂ€hlt. Die Zahl der Gebiete fiel allerdings etwas geringer aus, da im Herbst infolge der nassen Witterung an manchen Orten etwa der ungeerntete Mais noch hoch auf den Feldern stand, sodass keine Hasen-ZĂ€hlung möglich war. Dennoch sind die Daten laut Jagdverband mit denen der Vorjahre vergleichbar.
Feldhasen werden von JĂ€gerinnen und JĂ€gern auch gejagt. Die Jagd erfolgt laut dem Verband unter BerĂŒcksichtigung regionaler VerhĂ€ltnisse. In einigen Gebieten verzichten JĂ€ger demnach auch freiwillig auf die Hasenjagd.
Wie sich der aktuelle Hasen-Nachwuchs entwickelt, ist noch unsicher. Aktuell laufen die ZĂ€hlungen. Es gebe aber erneut gute Startbedingungen, sagte Reinwald. Die sogenannte Zuwachsrate, also die Differenz der ZĂ€hlungen im FrĂŒhjahr und im Herbst 2023, sei mit 15 Prozent Zuwachs ordentlich gewesen. Viele Feldhasen hĂ€tten es wahrscheinlich ĂŒber den Winter geschafft, der zudem nicht besonders hart gewesen sein. Starke RegenfĂ€lle und das Hochwasser in Teilen Deutschlands seien allerdings fatal fĂŒr die jungen Feldhasen gewesen, die schon frĂŒh geboren wurden. «Die haben in diesem Jahr null Chancen gehabt.»
Lebensraum fĂŒr Langohren weiterhin knapp
Insgesamt ist der Feldhasen-Bestand in Deutschland in den vergangenen Jahren gewachsen. Die Deutsche Wildtier Stiftung schĂ€tzt, dass mindestens zwei Millionen Feldhasen (Lepus europaeus) in Deutschland leben. Die positive Entwicklung dĂŒrfe allerdings nicht ĂŒber den langfristigen Trend hinwegtĂ€uschen, sagte Andreas Kinser, Leiter Natur- und Artenschutz der Stiftung. «Wenn wir uns die letzten 50 Jahre anschauen, dann geht der Trend nach unten.» Vor allem eine intensive Landwirtschaft mache die Landschaft weniger abwechslungsreich und damit den Lebensraum fĂŒr Feldhasen knapp.
«Was der Wermutstropfen ist, ist der Lebensraumverlust. Da haben wir noch deutlich Luft nach oben», sagte auch der Sprecher des Jagdverbandes, Torsten Reinwald. Denn Feldhasen brĂ€uchten Hecken, GrĂ€ben und BlĂŒhstreifen. An diesen «unaufgerĂ€umten Ecken» fĂ€nden die flinken Sprinter in WildkrĂ€utern wie Malve, Kamille und Baldrian ihre Nahrung. Das gelte auch fĂŒr weitere gefĂ€hrdete Arten wie den Feldhamster oder das Rebhuhn. «Die brauchen so eine abwechslungsreiche Landschaft», sagte Reinwald.
Zudem geben solche FeldrĂ€nder und SĂ€ume an landwirtschaftlichen FlĂ€chen den Feldhasen Deckung vor Feinden. «Je gröĂer die FlĂ€chen werden, desto weniger gibt es solche Strukturen», sagte Kinser. Vor allem mehr BrachflĂ€chen könnten aus Sicht der JĂ€gerschaft und der Wildtier Stiftung den Feldhasen und der Artenvielfalt insgesamt helfen. Dass die EU nun kĂŒrzlich Vorgaben zu BrachflĂ€chen fĂŒr dieses Jahr ausgesetzt hat, kritisieren sie. Aus Sicht der JĂ€gerschaft sind mehr Anreize fĂŒr Landwirte nötig, um Naturschutz und Landwirtschaft in Einklang zu bringen. «Es geht nur im Miteinander», sagte DJV-Sprecher Reinwald. FĂŒr die Landwirtschaft mĂŒssten sich MaĂnahmen fĂŒr mehr Artenvielfalt auch rechnen.


