HĂ€ufiges Napping: Studie findet 48 Prozent höheres Demenzrisiko bei Ălteren
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 04:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftliche Untersuchungen liefern vertiefte Einblicke in die ZusammenhĂ€nge zwischen Schlafarchitektur und neurodegenerativen Erkrankungen. Eine Untersuchung der UniversitĂ€t LĂŒttich zeigt, dass hĂ€ufige nĂ€chtliche Mikro-Aufwachphasen bei Menschen im mittleren und höheren Alter mit einem erhöhten genetischen Risiko fĂŒr die Alzheimer-Krankheit korrelieren. Die Analyse verdeutlicht, wie eng Schlafmuster bereits vor dem Auftreten klinischer Symptome mit biologischen Risikofaktoren verknĂŒpft sein können.
AuffÀllige Muster bei 50- bis 69-JÀhrigen
Das Team der UniversitĂ€t LĂŒttich untersuchte ĂŒber 500 gesunde Teilnehmer, um die Verbindung zwischen Schlafeigenschaften und dem ĂŒber einen polygenen Risikoscore ermittelten Alzheimer-Risiko zu analysieren. Im Fokus standen kurze Mikro-Aufwachphasen von drei bis 15 Sekunden Dauer, die ohne ein tatsĂ€chliches vollstĂ€ndiges Erwachen ablaufen.
Bei den 50- bis 69-jÀhrigen Probanden zeigte sich eine statistische Korrelation zwischen einer höheren Frequenz dieser Phasen und einer höheren genetischen AnfÀlligkeit, obgleich die Betroffenen keinerlei Symptome aufwiesen.
Bei jĂŒngeren Teilnehmenden, ĂŒberwiegend im Alter von 18 bis 31 Jahren, trat dieser Zusammenhang hingegen nicht auf. Forscher Puneet Tewari erklĂ€rte hierzu, dass bestimmte Schlafmuster die Anreicherung von Alzheimer-Proteinen begĂŒnstigen könnten und Schlaf als Ansatz fĂŒr Screening sowie Interventionen nutzbar sei.
Mithilfe von 7-Tesla-MRT-Untersuchungen analysierte die Forschungsgruppe zudem den Locus coeruleus, eine Hirnstammregion, die typischerweise sehr frĂŒh von abnormen Proteinablagerungen betroffen ist. Die Wissenschaftler betonen, dass es sich bei dem Befund um eine statistische Assoziation und nicht um einen definitiven PrĂ€diktor handelt. Die SchlafqualitĂ€t wird jedoch als ein potenziell modifizierbarer Faktor in der PrĂ€vention eingestuft.
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AltersabhÀngige Reaktionen auf Schlafmangel
ErgĂ€nzende neurobiologische Daten liefert eine in der Fachzeitschrift Imaging Neuroscience publizierte Untersuchung der Simon Fraser University. Bei einer Reduktion des Schlafs auf lediglich drei Stunden reagierten die Gehirne jĂŒngerer Erwachsener zwischen 20 und 30 Jahren und Ă€lterer Erwachsener zwischen 65 und 75 Jahren gegenlĂ€ufig. Bestimmte neuronale Netzwerke wiesen bei JĂŒngeren eine erhöhte, bei Ălteren hingegen eine verringerte KonnektivitĂ€t auf.
Studienleiter Josh Neudorf fĂŒhrte aus, dass die verringerte KonnektivitĂ€t bei Ălteren eine effizientere modulare Struktur fördere und kognitive Funktionen erhalte, wĂ€hrend der Anstieg bei jĂŒngeren Erwachsenen darauf hindeute, dass deren Gehirn unter Schlafmangel hĂ€rter arbeiten mĂŒsse.
Gemessen wurde die AktivitÀt des Gehirns, nicht die direkte kognitive Leistung. Ko-Autorin Brianne Kent wies darauf hin, dass Schlafstörungen das Demenzrisiko erhöhen, da das toxische Protein Amyloid-beta im Schlaf schneller abgebaut werde und sich entsprechende Plaques im Durchschnitt bereits rund 20 Jahre vor Beginn einer Demenzerkrankung ansammeln.
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GroĂstudien untermauern die Relevanz der Schlafarchitektur
Auch groĂ angelegte epidemiologische Untersuchungen unterstreichen die Bedeutung der Schlafphasen. Forschende um Jingsong Luo von der School of Public Health in Peking analysierten in PLOS Medicine Daten von 99.559 Personen aus GroĂbritannien, die eine Woche lang Sensoren am Handgelenk trugen und im Schnitt 8,9 Jahre nachverfolgt wurden.
Eine nĂ€chtliche Schlafdauer von unter fĂŒnf Stunden stand statistisch mit einem erhöhten Risiko fĂŒr 37 Krankheiten in Verbindung. Eine VerlĂ€ngerung des REM-Schlafs ging dabei je zusĂ€tzlicher Minute mit einer statistischen Verringerung der DemenzhĂ€ufigkeit um 46 Prozent und von Herzinsuffizienz um 26 Prozent einher.
Weitere Beobachtungsdaten aus den USA verdeutlichen das Zusammenspiel bei Ă€lteren Bevölkerungsgruppen. Eine Untersuchung unter Erstautorin Kening Jiang von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health an 995 ĂŒber 65-jĂ€hrigen Versicherten ergab, dass hĂ€ufiges Napping an den meisten Tagen oder tĂ€glich mit einem um 48 Prozent höheren Demenzrisiko einherging.
Unbeabsichtigtes Nickerchen war mit einem 39 Prozent höheren Risiko verbunden. KausalitĂ€ten lassen sich hieraus nicht ableiten; Jiang merkte an, dass verĂ€nderte Schlafmuster am Tage auch als FrĂŒhwarnzeichen neurodegenerativer VerĂ€nderungen oder Ausdruck von EntzĂŒndungsprozessen fungieren könnten.
