Halbleiter-Boom, Indien

Halbleiter-Boom in Indien: 750-Millionen-Fabrik in Jewar eröffnet

28.06.2026 - 04:04:32 | boerse-global.de

Indien investiert massiv in den Aufbau einer eigenen Halbleiterindustrie und reduziert so die Abhängigkeit von Importen.

Indien baut Chip-Industrie auf: Zwei neue Fabriken in Jewar
Halbleiter-Boom - Nahaufnahme eines glühenden Halbleiterwafers in einer behandschuhten Hand, mit Ingenieuren im Hintergrund einer Hightech-Anlage. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich zwei neue Elektronikfabriken im Norden des Landes sollen die Abhängigkeit von Importen reduzieren.

Neuer Elektronik-Cluster in Jewar

Am Samstag legten Minister Ashwini Vaishnaw und Uttar Pradeshs Chief Minister Yogi Adityanath den Grundstein für zwei Produktionsstätten in Jewar. Die Region nahe Delhi entwickelt sich zum zentralen Knotenpunkt für die Chip- und Elektronikfertigung Nordindiens.

Die Projekte haben ein Gesamtvolumen von umgerechnet rund 750 Millionen Euro und sollen etwa 3.000 Arbeitsplätze schaffen. Ein Joint Venture zwischen ASCENT-K Circuit und dem südkoreanischen Unternehmen KCC investiert rund 360 Millionen Euro in eine Fabrik für hochmoderne mehrschichtige Leiterplatten (PCBs). Das zweite Werk von Amber Enterprises konzentriert sich auf HVAC-Komponenten und PCB-Baugruppen – mit einem Investitionsvolumen von rund 390 Millionen Euro.

Minister Vaishnaw betonte die strategische Bedeutung: Indien importiere derzeit Leiterplatten im Wert von umgerechnet rund 4,5 Milliarden Euro pro Jahr. Die neuen Anlagen sollen diese Abhängigkeit deutlich verringern. Eingebettet sind sie in einen 206 Hektar großen Elektronik-Produktionscluster, der mit rund 46 Millionen Euro gefördert wird. Vaishnaw sieht die Region auf dem Weg zum „Silicon Valley Nordindiens“ – weg von reiner Montage hin zur echten Fertigung.

Indiens Halbleiter-Mission 2.0

Der Ausbau in Jewar ist Teil der „India Semiconductor Mission 2.0“ (ISM 2.0), die im Haushalt 2026/27 angekündigt wurde. Die zweite Phase ist mit umgerechnet rund 13,3 Milliarden Euro ausgestattet, davon rund 890 Millionen Euro für das laufende Haushaltsjahr.

Die Ziele sind ambitioniert: Bis 2030 will Indien 75 Prozent seines Halbleiterbedarfs selbst decken. Langfristig ist die Fertigung von 2- bis 3-Nanometer-Chips bis 2035 geplant. Branchenkenner schätzen den indischen Chip-Markt derzeit auf rund 23 Milliarden Euro – mit Wachstumsprognosen auf bis zu 100 Milliarden Euro bis Ende des Jahrzehnts. Bereits jetzt sind zwölf Halbleiterprojekte genehmigt, die ein Investitionsvolumen von rund 18,2 Milliarden Euro repräsentieren.

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Foxconn stockt Engagement massiv auf

Den Schub beflügelt auch eine Welle ausländischer Investitionen. Am 25. Juni erwarb Foxconn Singapore 351,73 Millionen Aktien seiner indischen Tochter für rund 34 Millionen Euro und erhöhte seinen Anteil auf über 99,99 Prozent. Damit summiert sich Foxconns Gesamtinvestition in Indien auf rund 2,6 Milliarden Euro.

Das Geld fließt in den Ausbau von Produktionslinien – getrieben vor allem durch die Nachfrage aus der Handyfertigung. Berichten zufolge stammen inzwischen 15 bis 18 Prozent der weltweiten iPhone-Produktion aus Indien. Die Zahlen untermauern den Trend: Im Fiskaljahr 2025/26 erreichte Indiens Elektronikproduktion umgerechnet rund 144 Milliarden Euro, die Handy-Exporte stiegen auf rund 23 Milliarden Euro. Allein Foxconns Exporte aus Indien legten 2025 um 48 Prozent zu.

Milliardenprojekte in der Pipeline

Mehrere Großprojekte befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien:

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  • Tata Electronics baut in Dholera ein Silizium-Werk für umgerechnet rund 10,1 Milliarden Euro. Geplant sind 28- bis 90-Nanometer-Strukturen mit einer Kapazität von 50.000 Wafern pro Monat.
  • Tata Semiconductor ATMP errichtet in Jagiroad eine Montage- und Testanlage für rund 3 Milliarden Euro – ausgelegt auf 48 Millionen Chips pro Tag.
  • Micron Technology investiert rund 2,5 Milliarden Euro in ein Montage- und Testwerk in Sanand für DRAM- und NAND-Speicher.
  • MiPhi, ein Joint Venture zwischen Taiwans Phison und Indiens Micromax, baut die Produktion von Speichermodulen massiv aus. Die Stückzahl soll 2026 von 30.000 auf 300.000 Einheiten pro Monat steigen.

Doch nicht nur die Hardware-Produktion boomt. Global Player haben über 82 Milliarden Euro in Indiens Technologie-Infrastruktur zugesagt – darunter Amazon mit rund 44 Milliarden Euro bis 2030, AirTrunk mit rund 27 Milliarden Euro für Rechenzentren und Google mit rund 14 Milliarden Euro für KI-Infrastruktur.

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