HARPNET, Europäisches

HARPNET: Europäisches Netzwerk erhält 4,8 Millionen Euro für Entzündungsforschung

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das vierjährige Verbundprojekt erforscht Entzündungsauflösung und bildet 15 Promovierende aus; neue Medikamente gelten erst langfristig als realisierbar.
Leinsamen und ein kleines Glasfläschchen mit Leinöl auf einer dunklen Schieferplatte. Illustration mit AI erstellt.

Chronische Entzündungsprozesse bilden die Grundlage zahlreicher weitverbreiteter Krankheitsbilder. Um neuartige therapeutische Ansätze zu entwickeln, startete im Oktober 2026 das europäische Forschungsnetzwerk HARPNET unter der Leitung der Queen Mary University of London.

Das Vorhaben wird mit 4,8 Millionen Euro über das Marie-Sk?odowska-Curie-Programm gefördert und ist auf eine Laufzeit von vier Jahren ausgelegt. Das wissenschaftliche Hauptziel besteht darin, Wirkstoffe zu identifizieren und weiterzuentwickeln, die gezielt die aktive Auflösung von Entzündungen im Körper fördern.

Verbundprojekt zur gezielten Entzündungsauflösung

Neben der federführenden Londoner Universität sind an dem Verbund weitere europäische Institutionen beteiligt, darunter die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Universität Oslo und die Universität Rostock.

An der Universität Jena untersucht das Team um Professor Oliver Werz am Institut für Pharmazie spezifische Lipidmediatoren, die aus Fettsäuren gebildet werden. Im Fokus steht dabei deren Zusammenspiel mit Omega-3-Fettsäuren und marinen bioaktiven Substanzen.

Ein wesentlicher Bestandteil von HARPNET ist die wissenschaftliche Nachwuchsförderung: Das Netzwerk bildet insgesamt 15 Doktorandinnen und Doktoranden aus. Trotz der ambitionierten Zielsetzung ordnen die Forschenden die Entwicklung realistisch ein: Konkrete neue Medikamente und Biomarker werden erst nach weitergehenden, langfristigen Untersuchungen für realisierbar gehalten.

Differenzierte Wirkung pflanzlicher und mariner Fettsäuren

Die Erforschung von Fettsäuren berührt auch zentrale Fragen der menschlichen Ernährung. Forschende und Mediziner betonen in diesem Zusammenhang grundlegende Unterschiede zwischen pflanzlichen und marinen Quellen. Pflanzen liefern vorwiegend Alpha-Linolensäure (ALA).

Zwar enthalten beispielsweise Leinsamen 22,8 Gramm und Leinöl 53,4 Gramm ALA, doch ist die körpereigene Umwandlung in die biologisch hochaktiven Formen Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) physiologisch stark begrenzt.

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Fetter Meeresfisch wie Hering, Makrele, Sardinen und Lachs stellt EPA und DHA hingegen direkt verwertbar bereit. Fachleute weisen darauf hin, dass EPA primär blutlipidregulierend sowie entzündungshemmend wirke, während DHA insbesondere für Funktionen des Gehirns und der Netzhaut zentral sei.

Als Alternativen zu Fisch bieten sich Algenöl mit einem reduzierten Schwermetallrisiko und hohem DHA-Gehalt sowie Krillöl mit ausgewogeneren Verhältnissen an. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht gelten Nahrungsergänzungsmittel jedoch lediglich als Supplemente und nicht als Ersatz für zugelassene Arzneimittel.

Klinische Studien und offene Fragen bei chronischen Beschwerden

Wie sich Omega-3-Fettsäuren in therapeutischen Kontexten auswirken, prüfen mehrere parallele Forschungsinitiativen. In den USA untersucht die klinische FAST-Studie unter der Leitung von Lisa Rider und Adam I. Schiffenbauer am National Institute of Environmental Health Sciences, inwiefern Omega-3-Fischöl-Präparate die Krankheitsaktivität bei Patienten mit Dermatomyositis mildern können. Die Probanden im Alter von 18 bis 60 Jahren erhalten über 24 Wochen zweimal täglich Fischöl oder ein Placebo.

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Gleichzeitig verweisen systematische Auswertungen darauf, dass die klinische Evidenz für Ernährungseingriffe differenziert betrachtet werden muss. Ein systematischer Review zur mediterranen Kost in der Fachzeitschrift „Nutrients“ zeigte, dass belastbare klinische Bestätigungen für eine Schmerzreduktion oder einen Stillstand bei Arthrose durch EPA und DHA aus Fisch bislang fehlen.

Dagegen ergab eine zweijährige Untersuchung der Loma Linda University an 319 älteren Erwachsenen, dass der tägliche Verzehr von 30 bis 60 Gramm Walnüssen die Entzündungswerte im Rahmen des dietary inflammatory index messbar senken konnte.

Forschungsprojekte wie HARPNET setzen an diesen Schnittstellen an, um die zellulären Mechanismen der Entzündungsauflösung auf molekularer Ebene fundiert aufzuklären.

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