Harvard-Studie, Schritte

Harvard-Studie: 5.001 bis 7.500 Schritte bremsen geistigen Verfall um 54 Prozent

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 05:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei erhöhtem Amyloid-Spiegel war mehr Bewegung mit langsamerer Tau-Ansammlung und spĂ€teren kognitiven EinschrĂ€nkungen verknĂŒpft.
Ein sonnendurchfluteter Waldweg in einem Park an einem Herbstmorgen. Illustration mit AI erstellt.

TĂ€gliche Bewegung gilt seit Langem als förderlich fĂŒr das Wohlbefinden. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen liefern nun konkrete Anhaltspunkte dafĂŒr, wie sich die Schrittzahl auf das Gehirn im Alter auswirken kann.

Im Fokus steht eine Untersuchung im Rahmen der Harvard Aging Brain Study der Harvard Medical School, die im Fachjournal Nature Medicine publiziert wurde. Sie deutet darauf hin, dass bereits ein moderates Schrittpensum mit einem deutlich langsameren geistigen Abbau einhergehen könnte.

Signifikante Unterschiede ab rund 3.000 Schritten

Die Untersuchung der Harvard Medical School und des Kliniknetzwerks Mass General Brigham umfasste 296 kognitiv gesunde Erwachsene im Alter von 50 bis 90 Jahren, die zu Studienbeginn ein Durchschnittsalter von rund 70 Jahren aufwiesen. Die körperliche AktivitĂ€t wurde zu Beginn fĂŒr eine Woche mittels SchrittzĂ€hlern erfasst, wĂ€hrend Gehirnscans und kognitive Tests ĂŒber einen Zeitraum von bis zu 14 Jahren – im Mittel 9,3 Jahre – nachverfolgt wurden.

Teilnehmer, die im Durchschnitt gut 3.001 Schritte am Tag zurĂŒcklegten, wiesen im Vergleich zu Personen mit weniger als 3.000 Schritten einen um 40 Prozent geringeren kognitiven Abbau auf.

Über einen Zeitraum von neun Jahren zeigte sich in der Gruppe mit 3.001 bis 5.000 Schritten tĂ€glich ebenfalls ein um 40 Prozent reduzierter geistiger Verfall. Bei Personen mit 5.001 bis 7.500 Schritten pro Tag lag dieser Wert bei 54 Prozent, wĂ€hrend jene mit mehr als 7.500 Schritten ein Minus von 51 Prozent verzeichneten.

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Einfluss auf Tau-Proteine und den Zeitpunkt des Verfalls

Die Forscher untersuchten zudem spezifische Biomarker, die mit neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Die tÀgliche Schrittzahl stand in der Harvard-Studie zwar nicht im Zusammenhang mit der Menge an Beta-Amyloid-Ablagerungen.

Bei Personen mit bereits erhöhtem Amyloid-Spiegel ging eine höhere Schrittzahl jedoch mit einer langsameren Ansammlung von Tau-Proteinen einher, die als relevanter Indikator fĂŒr das Fortschreiten von Demenzerkrankungen gelten.

Statistische Modellrechnungen der Forscher ergaben SchĂ€tzungen ĂŒber den zeitlichen Verlauf kognitiver BeeintrĂ€chtigungen. Bei inaktiven Personen wurde die Schwelle zu EinschrĂ€nkungen rechnerisch nach 6,5 Jahren erreicht. Bei einer niedrigen Schrittzahl lag dieser Wert bei 9,6 Jahren und bei moderater Schrittzahl bei 13,6 Jahren.

FĂŒr Personen mit erhöhtem Amyloid-beta bedeuteten 3.001 bis 5.000 Schritte tĂ€glich eine Verzögerung der kognitiven Verschlechterung um etwa drei Jahre, wĂ€hrend 5.001 bis 7.500 Schritte mit einer Verzögerung um etwa sieben Jahre verbunden waren.

Bei Werten jenseits von 7.500 Schritten flachte der zusÀtzliche Nutzen in diesen Modellen ab; eine weitere signifikante Verbesserung war nicht messbar. Als modellhafte Bezugswerte dienten dabei rund 2.800 sowie 8.700 Schritte.

Einordnung der Ergebnisse und Lebensstilempfehlungen

Die Resultate decken sich in Teilen mit weiteren wissenschaftlichen Erhebungen. Eine grĂ¶ĂŸere britische Studie aus dem Jahr 2022, an der 78.430 Personen ĂŒber sieben Jahre teilnahmen, ermittelte bei rund 3.800 tĂ€glichen Schritten ein um 25 Prozent geringeres Demenzrisiko. Bei rund 9.800 Schritten pro Tag lag das Risiko demnach um etwa 50 Prozent niedriger.

Die Autoren der Harvard-Studie verweisen auf methodische EinschrÀnkungen: Es handelte sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen direkten KausalitÀtsnachweis liefert.

Zudem setzte sich die Kohorte ĂŒberwiegend aus weißen und hochgebildeten Teilnehmern zusammen, und die eingesetzten SchrittzĂ€hler erfassten weder TrainingsintensitĂ€t noch andere Sportarten. Die statistischen Modellwerte stellen daher GruppenschĂ€tzungen und keine individuellen Garantien dar.

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Medizinische Fachleute heben die Bedeutung körperlicher AktivitĂ€t dennoch hervor. Der Neurologe Arjun V. Masurkar vom Pearl I. Barlow Center der NYU Langone bezeichnet aerobes Training als die wichtigste Lebensstilmaßnahme fĂŒr die Hirngesundheit. Bereits 20 bis 30 Minuten zĂŒgiges Gehen am Tag seien hilfreich.

ErgÀnzend empfiehlt der Neurologe zur Senkung des spÀteren Demenzrisikos, den Blutdruck in den Altersdekaden der 40er, 50er und 60er Jahre auf einen Zielwert von höchstens 120 zu 80 zu senken sowie auf sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht zu achten.

Die wissenschaftliche Beweislage fĂŒr NahrungsergĂ€nzungsmittel zur StĂ€rkung des GedĂ€chtnisses sei laut Masurkar hingegen noch unzureichend. Sollte tĂ€gliche Vergesslichkeit auftreten, die den Alltag beeintrĂ€chtigt, sei eine Ă€rztliche AbklĂ€rung ratsam.

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