Haselnussschalen gegen Krebs: Türkei gewinnt Wirkstoff für drei Medikamente
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Teams nutzen zunehmend Methoden der künstlichen Intelligenz sowie moderne biotechnologische Verfahren, um aus pflanzlichen Abfällen seltene Wirkstoffe zu gewinnen. Ziel dieser Ansätze ist es, ungenutzte Biomasse aus Landwirtschaft und Verarbeitungsprozessen aufzuarbeiten und neue Behandlungsoptionen für chronische Erkrankungen bereitzustellen.
Künstliche Intelligenz beschleunigt die biologische Testung
Ein wesentliches Hindernis bei der computergestützten Wirkstoffsuche liegt im zeitlichen Versatz zwischen dem rechnerischen Entwurf und der praktischen Erprobung.
Um diesen Engpass zwischen KI-Design und biologischer Validierung zu verkleinern, testet ein Startup von Algorithmen vorgeschlagene Moleküle in einem neu aufgebauten, 8.000-Quadratfuß großen Labor innerhalb von rund 72 Stunden in lebenden Organismen. Die Einrichtung der Laborfläche nahm eine Bauzeit von 30 Tagen in Anspruch.
Die nach 72 Stunden erhobenen In-vivo-Daten dienen den Forschenden dabei als Taktgeber und stellen keinen endgültigen Endpunkt dar. Weiterführende Fragen zur Sicherheit, Übertragbarkeit, Dosierung, zu möglichen Nebenwirkungen sowie zum tatsächlichen klinischen Nutzen bleiben bei diesem schnellen Screeningverfahren vorerst offen.
Krebstherapeutika aus Rückständen der Haselnussverarbeitung
Dass Reststoffe auch im größeren Maßstab Relevanz für schwere Erkrankungen besitzen, zeigen Arbeiten der Düzce Üniversitesi (DÜB?T) in Zusammenarbeit mit TÜB?TAK.
Aus Schalen, grünen Hüllen und Blättern von Haselnüssen – von denen in der Türkei jährlich rund 500.000 Tonnen als Abfall anfallen – gelang es den Forschenden, den Wirkstoff für drei Chemotherapie-Medikamente zu extrahieren. Das weltweite Handelsvolumen dieser drei Präparate beläuft sich auf etwa 2 Milliarden US-Dollar, während die Türkei für entsprechende Importe rund 100 Millionen Lira aufwendet.
Dass sich aus Schalen, grünen Hüllen und Blättern von Haselnüssen der Wirkstoff für drei Chemotherapie-Medikamente extrahieren lässt, ist belegt — die Pilotproduktion ist erreicht, und das weltweite Handelsvolumen dieser Präparate liegt bei rund 2 Milliarden US-Dollar. Wer die Investitionslogik hinter solchen Reststoff-Projekten verstehen will, braucht belastbare Zahlen statt Hoffnung. Kostenlosen Analyse-Report zur Wirkstoff-Marktchance anfordern
Wie Projektleiter Prof. Dr. Halil ?brahim U?ra? erklärte, sei die Pilotproduktion erreicht und Gespräche mit Investoren liefen bereits. Das Medikament soll in der Therapie von Brust- und Eierkrebs eingesetzt werden. Das gesamte Handelsvolumen mit Haselnüssen liegt bei etwa 3 Milliarden US-Dollar.
Potenzial von Destillationsrückständen und Mikrowellen-Verfahren
Auch bei aromatischen Pflanzen rücken Reststoffe in den Fokus. Eine gemeinsame Untersuchung der Universität Primorska in Slowenien und des serbischen Instituts Dr Josif Pan?i? analysierte Rückstände nach der Dampfdestillation von Helichrysum italicum (Immortelle).
Ein Heißwasseraufguss von 1 Gramm Trockenmasse in 200 Millilitern kochendem Wasser über zehn Minuten ergab beim destillierten Material einen Gesamtphenolgehalt von 28,89 Milligramm Gallussäure-Äquivalenten pro Gramm, verglichen mit 26,99 Milligramm pro Gramm bei undestillierten Proben.
Als Hauptverbindungen wurden ein Rosmarinsäure-Derivat mit rund 50 Mikrogramm pro Gramm, Vanillinsäure mit circa 27 Mikrogramm pro Gramm sowie Chlorogensäure mit etwa 15 Mikrogramm pro Gramm identifiziert. In einer Humanstudie mit 32 Erwachsenen im Alter von 40 bis 60 Jahren mit metabolischem Syndrom führte der tägliche Konsum von 200 Millilitern über eine Woche zu einer Senkung des systolischen Blutdrucks um 4,05 mmHg und des diastolischen Blutdrucks um 3,38 mmHg.
Bei der Körperzusammensetzung, den Blutfetten, Glukosewerten und Entzündungsmarkern traten keine signifikanten Unterschiede auf, und es wurden keine Nebenwirkungen beobachtet. Die destillierte Variante schnitt bei Gesamteindruck (4,15) und Geschmack (3,70) besser ab als das undestillierte Gegenstück (3,27 beziehungsweise 2,95).
In der Türkei fallen jährlich rund 500.000 Tonnen Haselnussschalen, grüne Hüllen und Blätter als Abfall an — und für entsprechende Medikamenten-Importe wendet das Land rund 100 Millionen Lira auf. Diese Kostenlogik ist der Ansatzpunkt für Investoren, die Reststoff-Verwertung als Rohstoffstrategie prüfen. Der Report zeigt, welche Validierungsschritte bis zur Marktreife noch ausstehen. Investoren-Leitfaden für Wirkstoff-Pilotprojekte jetzt sichern
Ergänzend belegt eine in Vietnam durchgeführte Studie an Corm-Gewebe von Musa balbisiana die Effizienz physikalisch gestützter Extraktionsmethoden. Mittels Mikrowellen-Extraktion unter optimalen Bedingungen von 70 Prozent Methanol, 270 Watt sowie einer Bestrahlung von vier Sekunden pro Minute über 40 Minuten hinweg wurden Ausbeuten von über 71 Milligramm Polyphenolen pro Gramm Trockenmasse und rund 61 Milligramm Saponinen pro Gramm erzielt.
Validierungsmessungen ergaben 71,35 ± 0,51 Milligramm Polyphenole sowie 60,68 ± 1,23 Milligramm Saponine pro Gramm Trockenmasse. Spektroskopische Analysen deuteten dabei vorläufig auf Quercetin hin, während einzelne Saponine im Rahmen dieser Versuche nicht isoliert wurden.

