Hausarztmangel, Sitze

Hausarztmangel: 12.000 Sitze könnten bis 2040 unbesetzt bleiben

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studie prognostiziert 12.000 unbesetzte Hausarztsitze bis 2040. Besonders ländliche Regionen sind vom Ärztemangel betroffen.

Hausarztmangel in Deutschland: 12.000 Sitze bis 2040 unbesetzt
Ein unbesetztes Behandlungszimmer in einer Arztpraxis symbolisiert den drohenden Hausarztmangel. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Bis 2040 könnten 12.000 Hausarztsitze unbesetzt bleiben. Das zeigt eine aktuelle Studie des Bosch Health Campus. Schon heute fehlen bundesweit rund 4.400 Hausärzte. Die Lage spitzt sich zu – vor allem auf dem Land.

Ärzte im Rentenalter: Ein demografisches Problem

37 Prozent der praktizierenden Hausärzte sind über 60 Jahre alt. Bis 2040 werden voraussichtlich 55 Prozent der heute tätigen Mediziner altersbedingt aufhören. Gleichzeitig steigt die Nachfrage: Die Gesellschaft altert, mehr Menschen brauchen medizinische Versorgung.

Die Studie „Primärversorgung 2035+“ des IGES Instituts rechnet vor, was das bedeutet. Rund jeder fünfte Hausarztsitz könnte in 14 Jahren vakant sein. Ein Aderlass, der das System an seine Grenzen bringt.

Stadt-Land-Gefälle wird immer krasser

Urbane Zentren sind oft noch gut versorgt. In ländlichen Regionen sieht es düster aus. Für Baden-Württemberg prognostizieren die Forscher einen Rückgang der Hausarztdichte um 15 Prozent. Besonders hart trifft es einzelne Kreise:

  • Hochsauerlandkreis: minus 48 Prozent
  • Minden-Lübbecke: minus 47 Prozent
  • Paderborn: minus 47 Prozent

Auch andere Fachbereiche kämpfen. Ende September schließt in Kreuztal eine gynäkologische Praxis. Rund 4.000 Patientinnen verlieren ihre direkte Anlaufstelle. Die Gründe: wirtschaftliche Schwierigkeiten und gesetzliche Arbeitszeitbeschränkungen.

Bayern lockt mit Prämie – NRW setzt auf Quote

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Die Bundesländer reagieren unterschiedlich. Bayern zahlt eine Landarztprämie von 60.000 Euro für Gemeinden unter 20.000 Einwohnern. Allein 2026 wurden 81 Prämien gewährt. Seit 2012 konnten so über 1.500 Mediziner fürs Land gewonnen werden.

Nordrhein-Westfalen geht einen anderen Weg: Zum Wintersemester 2026/27 steigt die Landarztquote bei Medizinstudienplätzen auf 8,8 Prozent. Das sind 227 Plätze. Im Gegenzug verpflichten sich die Studierenden, zehn Jahre in unterversorgten Regionen zu arbeiten.

Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin warnt: Ohne ausländische Mediziner sei die Versorgung in fast allen Fachrichtungen bis 2030 nicht mehr zu halten.

Spardruck gefährdet Therapieplätze

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 10. Juli soll die Krankenkassen um 18,8 Milliarden Euro entlasten. Doch die Nebenwirkungen sind heftig. Kommunale Vertreter warnen vor steigenden Klinikdefiziten. In Bayern rechnet man mit bis zu 1,4 Milliarden Euro Zusatzbelastung.

Besonders brisant: Die Deckelung der Psychotherapie-Budgets. Bis zu 30 Prozent der Therapieplätze könnten wegfallen. Dabei betragen Wartezeiten jetzt schon oft über 100 Tage. Eine Nachverhandlung ist für September angekündigt.

Lichtblicke: Jobwachstum und Digitalisierung

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Trotz der Krise wächst der Gesundheitssektor. Im zweiten Quartal 2026 stieg die Zahl der Stellenangebote entgegen dem allgemeinen Trend. Besonders gefragt: Zahnmediziner (+25,3 Prozent) sowie Fachkräfte in Therapie und Medizintechnik (+3,6 Prozent).

Und die Digitalisierung schreitet voran: Ab September 2029 wird die elektronische Überweisung für alle Praxen verpflichtend. Ob das reicht, um die Versorgungslücke zu schließen, bleibt fraglich.

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