Hausarztmangel: 4.400 Ărzte fehlen, 12.000 bis 2040 erwartet
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Krankenhauslandschaft in Brandenburg steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Wachsender wirtschaftlicher Druck, demografische VerÀnderungen und bundespolitische Reformen zwingen die Kliniken zur Konsolidierung.
Potsdamer Kliniken reagieren mit SchlieĂungen
In der Landeshauptstadt fĂŒhrt die Krankenhausreform zu massiven Einschnitten. Das Klinikum Ernst von Bergmann stellt OrthopĂ€die und GefĂ€Ăchirurgie zum August ein. Die OrthopĂ€die ĂŒbernimmt kĂŒnftig die Oberlinklinik, die GefĂ€Ăchirurgie verlagert sich an das St. Josefs-Krankenhaus.
Dort gibt es ebenfalls herbe Verluste: Die Neurologie wird geschlossen, die Geburtshilfe ist bereits wegen Personalmangel eingestellt. Die Klinikverantwortlichen begrĂŒnden die Schritte mit den Anforderungen der Reform. Gesundheitsminister RenĂ© Wilke betont, die MaĂnahmen dienten einer qualitativ besseren Versorgung.
Der Trend setzt sich landesweit fort: Die Kinderklinik in Ludwigsfelde schlieĂt Ende Juli, die Geburtshilfe in Strausberg wurde bereits nach RĂŒdersdorf verlagert.
Budgetdeckel bedroht psychotherapeutische Versorgung
Auch die ambulante Versorgung bekommt neue finanzielle HĂŒrden zu spĂŒren. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz fĂŒhrt die Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen wieder ein â obwohl die Ausgaben bis 2025 auf rund 3,9 Milliarden Euro angewachsen waren.
Die Psychotherapeutenkammer Berlin schlĂ€gt Alarm. Ab 2027 drohen vor allem Therapeuten mit halben Kassensitzen HonorarkĂŒrzungen, wenn sie mehr als 18 Stunden pro Woche behandeln. Rund zwei Drittel der Berliner Praxen sind betroffen. Bei einer durchschnittlichen Wartezeit von 142 Tagen auf einen Therapieplatz befĂŒrchten Experten einen weiteren AngebotsrĂŒckgang â und eine Verlagerung in die teurere stationĂ€re Behandlung. Das aktuelle Honorar liegt bei 114,54 Euro pro Stunde.
Hausarztmangel spitzt sich zu
Eine Studie zur PrimĂ€rversorgung vom Juli 2026 zeichnet ein dĂŒsteres Bild: Bereits heute fehlen bundesweit rund 4.400 HausĂ€rzte. Bis 2040 könnte jeder fĂŒnfte Arztsitz unbesetzt bleiben â das entspricht etwa 12.000 fehlenden Medizinern.
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Die Altersstruktur ist alarmierend: 37 Prozent der HausÀrzte sind 60 Jahre oder Àlter. SchÀtzungsweise 55 Prozent werden bis 2040 altersbedingt aufhören. In lÀndlichen Regionen Brandenburgs zeigt sich der Mangel bereits jetzt, etwa bei Zahnarztpraxen ohne Nachfolge. Die Medizinische Hochschule Brandenburg setzt deshalb auf ein praxisnahes Studium mit Fokus auf den lÀndlichen Raum.
Milliardenverluste durch Sparpaket
Die finanzielle Lage der Kliniken verschĂ€rft sich zusĂ€tzlich durch das neue Sparpaket. Eine Analyse der Beratungsfirma Curacon vom Juli 2026 beziffert die drohenden EinnahmeausfĂ€lle auf durchschnittlich 2,7 Millionen Euro pro Krankenhaus jĂ€hrlich. Das entspricht einem RĂŒckgang der Umsatzrendite um etwa 3,2 Prozent.
FĂŒr die gesamte somatische Krankenhauslandschaft in Deutschland errechnen die Experten Mindereinnahmen von rund 4,1 Milliarden Euro. In der Branche wĂ€chst die Sorge vor Stellenabbau, Leistungsverdichtung und weiteren AbteilungsschlieĂungen. Gesundheitsminister Scholz deutete am 22. Juli an, dass weitere KlinikschlieĂungen im Zuge der Reform nötig sein könnten.
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Als Reaktion auf den stationĂ€ren Druck gewinnen alternative Versorgungsmodelle an Bedeutung. UniversitĂ€tskliniken in benachbarten Regionen erproben seit Ende 2025 die stationsĂ€quivalente Behandlung (StĂ€B) â dabei betreuen multiprofessionelle Teams schwer erkrankte psychiatrische Patienten zu Hause, um Klinikaufenthalte zu vermeiden.
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