Hautkrebs: 60% der UV-Strahlen erreichen auch im Schatten die Haut
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 09:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der HautkrebsfĂ€lle in Deutschland steigt weiter rasant. FĂŒr 2026 prognostizieren Experten rund 355.000 Neuerkrankungen â den gröĂten Anteil macht der weiĂe Hautkrebs aus. Mediziner fordern deshalb Schutzstrategien, die weit ĂŒber das Eincremen hinausgehen.
Schatten schĂŒtzt â aber nicht vollstĂ€ndig
Der beste Schutz vor UV-Strahlung ist Schatten, sagt der Dermatologe Rainer Kunstfeld. Rund 90 Prozent der UV-Strahlen sind UV-A, wĂ€hrend UV-B primĂ€r fĂŒr Sonnenbrand und die direkte Entstehung von Hautkrebs verantwortlich ist.
Doch Vorsicht: Wer glaubt, im Schatten völlig sicher zu sein, irrt. Die Dermatologin Martina Ulrich warnt, dass bis zu 60 Prozent der UV-Strahlen durch Reflexion und Streuung auch im Schatten die Haut erreichen. Da 70 bis 80 Prozent der bösartigen Tumoren auf ursprĂŒnglich unauffĂ€lliger Haut entstehen, bleibt die regelmĂ€Ăige Selbstkontrolle der Haut essenziell.
Sonnencreme: Menge macht den Unterschied
Die richtige Dosis macht's: Bei einer durchschnittlichen KörperoberflĂ€che von 1,8 Quadratmetern empfehlen Experten sechs Teelöffel Sonnencreme â etwa 36 Gramm â pro Anwendung. Nachcremen sollte man alle zwei Stunden, besonders im Freibad.
Wie lange die Eigenschutzzeit der Haut reicht, hÀngt vom Hauttyp ab:
- Typ 1: 5 bis 10 Minuten
- Typ 2: bis zu 20 Minuten
- Typ 3: bis zu 30 Minuten
- Typ 4: etwa 45 Minuten
In höheren Lagen steigt die Gefahr zusÀtzlich: Pro 1000 Meter Seehöhe nimmt die UV-Belastung um etwa 10 Prozent zu.
Wer glaubt, im Schatten vor UV-Strahlung sicher zu sein, irrt: Bis zu 60 Prozent der Strahlen erreichen die Haut auch dort. Dieser kostenlose Guide zeigt Ihnen, wie Sie mit der richtigen Menge Sonnencreme und einem persönlichen Schutzplan Ihr Hautkrebsrisiko senken. Jetzt kostenlosen UV-Schutz-Guide anfordern
GefĂ€hrliche Trends: Warnung vor âTanmaxxingâ
Lebensmittel wie Wassermelonen mit Lycopin bieten laut Studien keinen vergleichbaren Schutz wie Lichtschutzfaktoren. Deutlich schĂ€rfere Kritik ĂŒbt Chefarzt Christian Sander am Social-Media-Trend âTanmaxxing": Dabei wird ein absichtlicher Sonnenbrand provoziert, um die BrĂ€unung zu beschleunigen. Das sei eine akute Brandverletzung, die das Krebsrisiko massiv erhöhe.
Kliniken melden 95 Prozent mehr FĂ€lle
Die Entwicklung ist alarmierend: 2024 behandelten deutsche Kliniken 120.100 HautkrebsfĂ€lle â 95 Prozent mehr als 2004. Die Zahl der TodesfĂ€lle stieg im selben Zeitraum um 65 Prozent auf 4.600.
Auch die UV-Strahlung nimmt messbar zu. In Dortmund stieg die IntensitĂ€t zwischen 1997 und 2022 um 10 Prozent, in BrĂŒssel sogar um 20 Prozent. Messungen der TU Dortmund mit WĂ€rmebilddrohnen zeigen zudem die Hitzebelastung in StĂ€dten: Sonnenbeschienener Asphalt erreicht ĂŒber 70 Grad Celsius, schattige Bereiche bleiben bei rund 30 Grad. BegrĂŒnte FlĂ€chen sind bis zu 20 Grad kĂŒhler als herkömmliche BelĂ€ge.
PrĂ€vention vor Ort: UV-Tafeln und âSunPassâ
Im August 2026 laufen bundesweit AufklĂ€rungskampagnen. Der Kreis BergstraĂe installierte dauerhafte UV-Index-Tafeln in FreibĂ€dern. In Köln informieren Aktionstage mit UV-Perlen-Experimenten und Brillen-Checks ĂŒber die Risiken.
SonnenbrĂ€nde im Kindesalter erhöhen das Risiko fĂŒr schwarzen Hautkrebs spĂ€ter erheblich. Gerade Eltern sollten wissen, wie sie ihre Kinder richtig schĂŒtzen â und worauf es bei der Selbstkontrolle der Haut ankommt. Dieser Ratgeber liefert die wichtigsten Schutzstrategien fĂŒr die ganze Familie. UV-Schutz-Ratgeber fĂŒr die Familie jetzt sichern
Das Projekt âSunPass" von IKK SĂŒdwest und Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz zertifiziert KindertagesstĂ€tten als âSonnenschutzkindergĂ€rten". Der Grund: SonnenbrĂ€nde im Kindesalter gelten als gröĂter Risikofaktor fĂŒr schwarzen Hautkrebs im spĂ€teren Leben. In Dresden wurden bereits Modellprojekte mit naturnahen AuĂenflĂ€chen und ausreichend SchattenplĂ€tzen umgesetzt.
Unterdessen mahnen VerbĂ€nde soziale Schieflagen an: AWO-PrĂ€sidentin Sonnenholzner kritisiert den Entwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG), der PflegebedĂŒrftige und Angehörige belasten könnte. Diese erbringen zwei Drittel der Pflegeleistungen â strukturelle Ănderungen könnten indirekt auch die gesundheitliche Vorsorge vulnerabler Gruppen im Sommer beeinflussen.
