HAWK-Verfahren, KI-System

HAWK-Verfahren: KI-System Claude identifiziert kritische Lücke

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 20:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

KI-gestützte Analyse entdeckt Schwachstelle im Post-Quanten-Kandidaten HAWK, was zum Rückzug aus dem NIST-Prozess führt und die Kryptoanalyse beschleunigt.

HAWK kryptografisches Verfahren: KI deckt Sicherheitslücke auf und stoppt NIST-Standardisierung
Abstrakte Datenvisualisierung von kryptografischen Algorithmen und neuronalen Netzwerken in einem technologischen Kontext. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das kryptografische Verfahren HAWK, das als Kandidat für die künftige Post-Quanten-Sicherheit galt, wurde offiziell aus dem Standardisierungsprozess des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) zurückgezogen. Grund für diesen Schritt ist eine Sicherheitslücke, die mithilfe des KI-Systems Claude des Unternehmens Anthropic identifiziert wurde. Damit unterstreicht der Vorfall die wachsende Bedeutung künstlicher Intelligenz bei der Analyse hochkomplexer Verschlüsselungsalgorithmen.

Das betroffene Signaturverfahren wurde gemeinschaftlich von Forschern der Universität Leiden und des Centrum Wiskunde & Informatica (CWI) entwickelt. Beteiligt waren unter anderem die Wissenschaftler Ducas, Van Woerden, Van Gent und Pulles. Nach Bekanntwerden der durch die KI unterstützten Analyseergebnisse entschieden sich die Entwickler zur Rücknahme des Verfahrens aus dem laufenden Auswahlprozess.

Effizienz der KI-gestützten Kryptoanalyse

Die Untersuchung durch das Modell Claude Mythos verdeutlichte das Potenzial moderner KI-Systeme in der Kryptografie. Die gesamte Forschung dauerte rund 60 Stunden und verursachte Rechenkosten in Höhe von etwa 100.000 US-Dollar. Nach Angaben der beteiligten Akteure unterstützte das KI-System insbesondere den entscheidenden letzten Schritt zur Entdeckung der Schwachstelle.

Der Angriff zeigte auf, dass das Design von HAWK weniger sicher ist als von den Entwicklern ursprünglich erhofft. Zwar sei die zugrunde liegende Mathematik des Verfahrens nicht grundsätzlich gebrochen worden, die Identifizierung der Schwäche führe jedoch dazu, dass das Verfahren nun als ineffizient eingestuft wird. Neben dem Angriff auf HAWK demonstrierte das System zudem eine Methode namens „Möbius Bridge“, mit der eine 7-Runden-Variante des weit verbreiteten Standards AES-128 angegriffen wurde.

Auswirkungen auf die Industrie und Kryptowährungen

Anzeige

Die rasanten Fortschritte bei KI-gestützten Analysen stellen Unternehmen vor völlig neue Herausforderungen bei der Absicherung ihrer digitalen Infrastruktur. Dieses kostenlose E-Book klärt darüber auf, welche rechtlichen Pflichten und neuen Cyberrisiken Verantwortliche jetzt kennen müssen. Kostenlosen Report zu neuen Cyberbedrohungen anfordern

Die Entdeckung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Bewertung aktueller Sicherheitsarchitekturen. Während das HAWK-Verfahren Schwachstellen aufweist, bleiben andere gängige kryptografische Systeme stabil. So seien etablierte Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum von diesem spezifischen Angriff nicht betroffen, da sie andere Algorithmen verwenden.

Branchenanalysten werten den Vorfall als Beleg dafür, dass KI-gestützte Angriffe die Kryptoanalyse massiv beschleunigen. Die Zeitspanne, die zur Identifizierung kryptografischer Schwächen benötigt wird, verkürze sich durch den Einsatz solcher Technologien erheblich. Dies verdeutliche die Notwendigkeit für die Entwicklung krypto-agiler Hardware, die in der Lage ist, flexibel auf neu entdeckte Sicherheitsrisiken zu reagieren.

Herausforderungen für die Tech-Branche

Anzeige

Wer sich mit der langfristigen Sicherheit der eigenen Unternehmensdaten befasst, muss proaktiv auf die sich wandelnde Bedrohungslage reagieren. Erfahren Sie in diesem praxisnahen Leitfaden, wie Sie Sicherheitslücken schließen und Ihre IT-Sicherheit ohne hohe Investitionen stärken. Hier Gratis-E-Book für Unternehmen sichern

Obwohl aktuelle Post-Quanten-Algorithmen laut Expertenmeinung weiterhin als sicher gelten, stellt die verkürzte Zeit zur Schwachstellenfindung die Tech-Industrie vor neue Herausforderungen. Der KI-gestützte Angriff wird dabei sowohl als Risiko als auch als Chance begriffen: Während er einerseits bestehende Verfahren unter Druck setzt, bietet er andererseits die Möglichkeit, neue Verschlüsselungstechnologien schneller und gründlicher auf ihre Belastbarkeit zu prüfen, bevor sie in großem Maßstab implementiert werden.

Der Rückzug von HAWK markiert einen Wendepunkt im NIST-Standardisierungsprozess und zeigt, dass die Sicherheit künftiger Kommunikationsstandards zunehmend durch das Wettrüsten zwischen KI-gestützter Analyse und kryptografischem Design bestimmt wird.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69917004 |