Heim-Blutdruckmessung: Falsche Manschetten erhöhen Werte um 19,5 mmHg
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Berichte verdeutlichen die Notwendigkeit erweiterter Screening-Angebote in Apotheken und beleuchten zugleich erhebliche Qualitätsmängel bei frei verkäuflichen Blutdruckmessgeräten für den Heimgebrauch.
Da Hypertonie häufig symptomlos verläuft, bleiben viele Betroffene lange unbemerkt. Gleichzeitig birgt der Trend zur häuslichen Selbstmessung Risiken, wenn genutzte Geräte klinisch nicht validiert sind oder Manschetten falsch gewählt werden.
Hohe Dunkelziffer und Apotheken-Screenings
Die Auswertung der „Our Future Health“-Studie, die im Fachjournal BMJ Public Health publiziert wurde und Daten von 1,4 Millionen Erwachsenen in England aus den Jahren 2022 bis 2025 umfasst, unterstreicht das Ausmaß des Problems. Rund 37 Prozent der Untersuchten wiesen Bluthochdruck auf, wobei 59 Prozent der Betroffenen vorab nichts von ihrer Erkrankung wussten.
Die Häufigkeit stieg mit dem Alter deutlich an: Bei Männern von 23 Prozent in der Gruppe der 18- bis 39-Jährigen auf 73 Prozent ab 80 Jahren, bei Frauen im selben Altersvergleich von 10 Prozent auf 69 Prozent. Zudem war lediglich bei jedem zweiten diagnostizierten Patienten unter blutdrucksenkender Medikation der Wert ausreichend kontrolliert.
Niedrigschwellige Angebote können hier Abhilfe schaffen. In England führte der National Health Service (NHS) bereits 2021 den sogenannten „Hypertension Case-Finding Service“ ein. Über diesen Service erhalten Personen ab 40 Jahren ohne vorherige Diagnose eine kostenlose Messung in Vor-Ort-Apotheken, deren Ergebnisse direkt an die zuständige Hausarztpraxis übermittelt werden.
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Qualitätsdefizite bei Bestsellern im Onlinehandel
Parallel zur Früherkennung gewinnt die private Überwachung an Bedeutung. Eine Untersuchung im Fachjournal JAMA deckte jedoch gravierende Lücken bei populären Heimgeräten auf.
Bei den Bestsellern großer Onlinehändler in zehn Ländern, darunter Deutschland, waren vier von fünf Produkten nicht klinisch validiert. Konkret fehlte bei 79 Prozent der analysierten Oberarmgeräte und bei 84 Prozent der Handgelenkgeräte eine veröffentlichte klinische Prüfung.
Verbraucherbewertungen bieten dabei keine Orientierung: Sowohl geprüfte als auch ungeprüfte Oberarmmodelle erreichten im Median jeweils 4,5 von 5 Sternen, während die unvalidierten Geräte im Median günstiger angeboten wurden.
Kriterien für verlässliche Messergebnisse
Um verlässliche Standards zu setzen, vergibt die Deutsche Hochdruckliga ein Prüfsiegel. Dessen Vergabekriterien verlangen eine klinische Prüfung an mindestens 96 Personen aus drei Altersgruppen, die zur Hälfte aus Frauen bestehen müssen; für Handgelenkgeräte werden zusätzlich 20 Probanden mit Diabetes mellitus gefordert.
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Für die häusliche Selbstmessung gilt laut der Organisation ein Grenzwert von 135/85 mmHg, während in der Arztpraxis Werte ab 140/90 mmHg als Hypertonie eingestuft werden. Ein einzelner erhöhter Wert reicht dabei nicht für eine Diagnose aus.
Neben der Gerätemechanik entscheidet das Zubehör über die Exaktheit. Eine in JAMA Internal Medicine veröffentlichte randomisierte Studie mit 195 Erwachsenen zeigte, dass eine unpassende Manschettengröße Messergebnisse gravierend verzerrt. Wer eine große Manschette benötigte, aber eine Standardmanschette nutzte, wies einen um 4,8 mmHg zu hohen systolischen Wert auf.
Bei Personen, die eine extragroße Manschette gebraucht hätten, lag die Abweichung sogar bei 19,5 mmHg nach oben. Eine zu weite Manschette bei dünnen Armen führte hingegen zu einem um 3,6 mmHg zu niedrigen Messwert. Als Orientierung empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga daher, dass die Oberarmmanschette höchstens zwei Drittel des Oberarms bedecken sollte.
