Herz-Kreislauf: Vier Faktoren verursachen 99% aller Infarkte
12.06.2026 - 17:40:41 | boerse-global.de
Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Diabetes und Rauchen sind für fast alle schweren Herz-Kreislauf-Ereignisse verantwortlich. Das zeigt eine Langzeitanalyse mit über neun Millionen Erwachsenen.
Die vier Hauptrisikofaktoren
Die im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichte Studie unter Leitung von Philip Greenland von der Northwestern University wertete Daten aus den USA und Südkorea aus. Das Ergebnis: 99 Prozent der Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzinsuffizienzfälle lassen sich auf diese vier Faktoren zurückführen.
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Besonders der Blutdruck spielt eine dominierende Rolle. Bei über 93 Prozent der Betroffenen war er ein relevanter Faktor. Bei Frauen unter 60 Jahren standen mehr als 95 Prozent der kardiovaskulären Ereignisse mit mindestens einem der vier Risikofaktoren in Zusammenhang.
Konservierungsstoffe im Fokus
Die französische NutriNet-Santé-Studie untersuchte den Einfluss von Konservierungsstoffen auf das Herz-Kreislauf-System. Über acht Jahre begleiteten Forscher 112.000 Erwachsene. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im European Heart Journal.
Eine hohe Aufnahme nicht-antioxidativer Konservierungsstoffe wie Kaliumsorbat (E202) oder Natriumnitrit (E250) erhöht das Risiko für Bluthochdruck um 29 Prozent. Auch Gefäßerkrankungen treten um 16 Prozent häufiger auf. Überraschend: Selbst antioxidative Konservierungsstoffe wie Ascorbinsäure (E300) steigern das Bluthochdruckrisiko um 22 Prozent.
Kaffeekonsum: Risiko für Bluthochdruck-Patienten
Kardiologe Patrick Neumann-Schniedewind differenziert zwischen Gesunden und Patienten mit bestehendem Bluthochdruck. Für Gesunde gelten bis zu fünf Tassen pro Tag als unbedenklich. Bei einem Blutdruck von über 160/100 mmHg kann bereits der Konsum von zwei Tassen das Risiko für einen Herztod verdoppeln.
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Experten raten Hypertonie-Patienten zu ein bis drei Tassen täglich. Kaffee kann den Blutdruck kurzfristig um 10 bis 20 mmHg steigern.
Cholesterin: Neue Zielwerte
Zum Tag des Cholesterins am 12. Juni 2026 wiesen Fachleute auf ein Problem hin: Über 80 Prozent der Risikopatienten in Deutschland sind nicht optimal eingestellt. Die ESC-Leitlinien von 2025 definieren ambitionierte Ziele.
Für Patienten mit sehr hohem Risiko gilt ein LDL-Wert unter 55 mg/dl. Bei hohem Risiko liegt die Grenze bei unter 70 mg/dl. Neben LDL rücken Marker wie Lipoprotein(a) und ApoB stärker in den Fokus.
Neue Therapieansätze aus der Forschung
Forscher der Universitätsmedizin Göttingen identifizierten mit dem Eiweiß KLF15 einen genetischen Schalter bei Herzschwäche. Durch Reaktivierung mittels CRISPR-Technologie stabilisierten sie die Pumpfunktion und verringerten krankhafte Herzvergrößerungen.
Auch das Verständnis von Vorhofflimmern revidiert sich. Ein Göttinger Team stellte fest: Bei anhaltendem Vorhofflimmern durchläuft nicht nur der linke, sondern auch der rechte Vorhof tiefgreifende Umbauprozesse. Das könnte erklären, warum bisherige Behandlungen oft keinen dauerhaften Erfolg zeigen.
Das Projekt iNDUCARE an der Medizinischen Hochschule Hannover startet planmäßig am 1. September 2026. Ziel ist es, die Herstellung von Herzmuskelzellen aus patienteneigenen Stammzellen zu beschleunigen und günstiger zu machen. Die Produktionszeit soll von zwölf auf sieben Monate sinken, die Kosten um bis zu 70 Prozent.
