HerzentzĂŒndung: KI-Scans entlarven verborgene GefĂ€ĂschĂ€den bei 43%
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 23:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine neue Untersuchung aus den USA zeigt deutliche Schwachstellen bei gĂ€ngigen kardiovaskulĂ€ren Vorsorgeuntersuchungen auf. Im Rahmen der Biograph-Studie wies der Einsatz einer spezialisierten Software des Unternehmens Caristo Diagnostics nach, dass 43 Prozent der untersuchten asymptomatischen Erwachsenen unter einer koronaren perivaskulĂ€ren EntzĂŒndung litten â obwohl sie nach traditionellen medizinischen Kriterien als Niedrigrisikopatienten eingestuft worden waren.
FrĂŒhe GefĂ€ĂverĂ€nderungen im CT-Scan sichtbar gemacht
Das Verfahren kombiniert eine konventionelle koronare CT-Angiographie mit der CaRi-Heart-Technologie. Der Algorithmus analysiert computertomografische Bilddaten gezielt auf perivaskulĂ€res Fettgewebs-Stranding und spezifische SignalverĂ€nderungen, die in der Kardiologie als frĂŒheste Anzeichen entzĂŒndlicher Prozesse an den HerzkranzgefĂ€Ăen gelten.
Die Ergebnisse legen nahe, dass herkömmliche Risikoscores viele gefĂ€hrdete Personen nicht erfassen, bevor strukturelle GefĂ€ĂschĂ€den oder Verengungen auftreten. Laut den Studienverfassern sei nun eine BestĂ€tigung dieser Beobachtungen in gröĂeren Kohorten erforderlich, um den Stellenwert des computergestĂŒtzten Verfahrens fĂŒr Routine-Screenings abschlieĂend zu bewerten.
EntzĂŒndungsmechanismen rĂŒcken in den kardiologischen Fokus
Dass entzĂŒndliche GefĂ€Ăreaktionen hĂ€ufig unerkannt bleiben, beschĂ€ftigt die kardiologische Forschung zunehmend. Auf einer Fachkonferenz in Boston betonte Brittany Weber vom UT Southwestern Medical Center, dass chronische EntzĂŒndungen â insbesondere im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen â das kardiovaskulĂ€re Risiko und die AusprĂ€gung von Koronaratherosklerosen drastisch verstĂ€rken können.
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Herkömmliche Risikorechner berĂŒcksichtigen diese Faktoren bisher kaum, obwohl die GefĂ€Ăbelastung mitunter bereits im Jugendalter einsetzt. Am UT Southwestern wurde vor diesem Hintergrund das erste spezialisierte US-Programm fĂŒr Kardio-Rheumatologie und Kardio-Dermatologie etabliert.
Koronare mikrovaskulĂ€re Dysfunktionen treten unter anderem bei Schuppenflechte und systemischem Lupus gehĂ€uft auf und steigern die Risiken fĂŒr Myokardinfarkte, Herzinsuffizienz und TodesfĂ€lle signifikant.
Forschung an entzĂŒndungshemmenden Therapien und Validierung
Parallel zur prĂ€ziseren Diagnostik gewinnen zielgerichtete antiinflammatorische Behandlungskonzepte an Bedeutung. Untersucht wird dieser Ansatz unter anderem in der internationalen LEADER-PAD-Studie, die den Einsatz von niedrig dosiertem Colchicin gegen Placebo bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit prĂŒft.
Die GefĂ€Ăerkrankung betrifft weltweit rund 230 Millionen Menschen. Mit Stand vom September 2026 nehmen in GroĂbritannien rund 1.000 Patienten an 19 Standorten an der Studie teil; eine Ausweitung auf international 5.000 bis 6.000 Probanden bei einer Restlaufzeit von zwei Jahren ist vorgesehen.
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Gleichzeitig wird an europaweiten Standards fĂŒr den Einsatz diagnostischer Algorithmen gearbeitet. Die EuropĂ€ische Gesellschaft fĂŒr Kardiologie koordiniert das mit 20 Millionen Euro aus EU-Mitteln finanzierte Netzwerk CHAIN, an dem 53 Partner aus 20 LĂ€ndern beteiligt sind.
Das Vorhaben testzeit derzeit sechs KI-Anwendungen in Kliniken aus 13 LÀndern, darunter gezielt Programme zur CT-Auswertung und automatisierten Risikobewertung. Instrumente wie ein strukturierter Nachweis zu Genauigkeit, Patientensicherheit und regulatorischem Status sollen gewÀhrleisten, dass fortschrittliche Bildanalyseverfahren den Schritt in die klinische Versorgung bewÀltigen.
