Herzinfarkt: Husten-Reanimation ist wirkungslos und kann lebensgefÀhrlich sein
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn sozialen Medien und digitalen Netzwerken kursieren regelmĂ€Ăig RatschlĂ€ge, wonach sich Betroffene bei einem drohenden Herzinfarkt durch wiederholtes, krĂ€ftiges Husten selbst helfen könnten.
Mediziner und Fachquellen warnen jedoch eindringlich vor dieser sogenannten Husten-Reanimation: Die Methode sei bei einem Infarktverdacht nicht nur wirkungslos, sondern potenziell lebensgefĂ€hrlich. Statt auf ungeprĂŒfte Notfallmythen zu vertrauen, komme es im Ernstfall auf das sofortige Absetzen eines Notrufs und gesicherte SofortmaĂnahmen an.
LebensgefĂ€hrliche Fehlannahmen ĂŒber die sogenannte Husten-Reanimation
Fachleute betonen, dass Herzinfarkt und Herzstillstand zwei grundlegend verschiedene medizinische NotfĂ€lle darstellen. Ein Herzinfarkt entsteht durch den Verschluss eines HerzkranzgefĂ€Ăes, wobei das Herz in der Regel zunĂ€chst weiterarbeitet.
Starkes und wiederholtes Husten fĂŒhrt in dieser Situation zu einer erheblichen körperlichen Anstrengung und steigert den Sauerstoffverbrauch des Herzmuskels. Dies kann die bestehende Durchblutungsstörung des Herzens weiter verschĂ€rfen und das Risiko fĂŒr einen plötzlichen Herzstillstand sogar erhöhen.
Zudem ist die Annahme, eine Wiederbelebung durch Husten eigenstĂ€ndig durchfĂŒhren zu können, medizinisch unhaltbar: Tritt infolge einer schweren Herzrhythmusstörung tatsĂ€chlich ein Kreislaufstillstand ein, verliert der Betroffene binnen weniger Sekunden das Bewusstsein.
In diesem Zustand ist ein Patient nicht mehr fĂ€hig, kontrolliert zu husten oder Hilfe zu rufen. EinzelfĂ€lle, in denen HustenstöĂe den Kreislauf kurzzeitig unterstĂŒtzen konnten, beschrĂ€nken sich auf klinische SpezialfĂ€lle im Krankenhaus, bei denen Betroffene unter stĂ€ndiger apparativer und Ă€rztlicher Ăberwachung standen.
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Auf hĂ€usliche NotfĂ€lle lĂ€sst sich dies keinesfalls ĂŒbertragen. Ebenso entbehrt die wiederkehrende Behauptung, festes Pressen auf das Philtrum â die Rinne zwischen Nase und Oberlippe â könne einen Infarkt abwenden, jeder wissenschaftlichen Grundlage.
Symptome erkennen und unverzĂŒglich handeln
FĂŒr eine erfolgreiche Behandlung ist das frĂŒhzeitige Erkennen der Warnsignale entscheidend. Als Leitsymptom gilt ein intensives Druck- oder EngegefĂŒhl im Brustkorb, das sich hĂ€ufig wie eine schwere Last anfĂŒhlt. Diese Schmerzen strahlen typischerweise in Hals, Schultern oder Arme aus und werden oft von kaltem SchweiĂ oder Atemnot begleitet.
Besteht ein entsprechender Verdacht, muss umgehend der Notruf ĂŒber die europĂ€ische Notrufnummer 112 gewĂ€hlt werden. Mediziner raten dringend davon ab, selbst mit dem Auto in eine Klinik zu fahren oder sich von Angehörigen transportieren zu lassen, da sich der Gesundheitszustand wĂ€hrend der Fahrt unvorhersehbar verschlechtern kann.
Richtiges Verhalten fĂŒr Alleinstehende in den ersten Minuten
Sind Betroffene beim Auftreten der Symptome allein zu Hause, spielen die ersten Minuten eine zentrale Rolle fĂŒr den weiteren Verlauf. Neben dem sofortigen Notruf sollten Patienten der Leitstelle mitteilen, dass sie sich allein in der Wohnung aufhalten, und die Leitung fĂŒr RĂŒckfragen freihalten. Um dem Rettungsdienst ein schnelles Vordringen zu ermöglichen, sollte die WohnungstĂŒr entriegelt oder angelehnt bleiben.
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Körperliche Schonung ist unerlĂ€sslich: Betroffene sollten sich weder flach auf den Boden legen noch unruhig umherlaufen. Empfohlen wird eine halbsitzende Haltung mit erhöhtem Oberkörper und leicht gebeugten Knien, um das Herz mechanisch zu entlasten. Enge Kleidung wie Kragen oder GĂŒrtel sollte gelockert werden.
Sofern keine Gegenanzeigen wie Allergien oder MagengeschwĂŒre vorliegen, kann nach Absprache mit der Notrufzentrale das Kauen von Aspirin erwogen werden. Von der eigenmĂ€chtigen Einnahme fremder Medikamente, Beruhigungsmitteln sowie dem Konsum von Wasser, Kaffee oder Alkohol raten Fachleute strikt ab.
SofortmaĂnahmen bei Bewusstlosigkeit
Reagiert eine Person nicht auf Ansprache und zeigt keine normale Atmung mehr, liegt ein akuter Herz-Kreislauf-Stillstand vor. In dieser Situation zĂ€hlt jede Sekunde: Ersthelfer mĂŒssen nach dem Notruf unverzĂŒglich mit der Herzdruckmassage beginnen. Steht ein automatisierter externer Defibrillator (AED) zur VerfĂŒgung, sollte das GerĂ€t eingeschaltet und dessen Anweisungen gefolgt werden, bis das professionelle Rettungsteam eintrifft.
