Herzinfarkt-PrÀvention: Lipoprotein(a)-Test könnte 60 FÀlle pro 10.000 verhindern
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 02:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen weiterhin die hĂ€ufigste Todesursache in Europa dar. Aktuellen Daten des Ăsterreichischen Lipidkonsensus 2026 zufolge sind in Ăsterreich 37 Prozent der Frauen und 31 Prozent der MĂ€nner von diesen Erkrankungen betroffen.
Trotz der hohen Relevanz fĂŒr die öffentliche Gesundheit nehmen laut verschiedenen Erhebungen lediglich zwischen 17 und 19 Prozent der Ăsterreicher die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen wahr. Experten betonen in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer verbesserten FrĂŒherkennung und regelmĂ€Ăiger Kontrollen der Blutfettwerte.
Fokus auf FrĂŒherkennung und Lipoprotein(a)
Ein zentraler Aspekt der medizinischen Empfehlungen des Lipidkonsensus 2026 ist die Messung des Lipoprotein(a)-Werts, kurz Lp(a). Fachleute raten dazu, diesen Wert bei jedem Erwachsenen mindestens einmal im Leben zu bestimmen. Die statistische Relevanz dieser MaĂnahme ist hoch: Hochrechnungen ergeben, dass bei 10.000 getesteten Personen etwa 60 Herzinfarkte, 13 SchlaganfĂ€lle und 26 TodesfĂ€lle verhindert werden könnten.
Bereits in jungen Jahren sollte die Grundlage fĂŒr eine lebenslange Herzgesundheit gelegt werden. Experten empfehlen daher, das erste Lipidprofil bereits im Alter zwischen 18 und 20 Jahren zu erstellen. Ziel ist es, Risiken frĂŒhzeitig zu identifizieren und gegenzusteuern. Dabei wird auch die Rolle von Cholesterinsenkern thematisiert, die nach Ansicht von Fachleuten oft zu Unrecht einen schlechten Ruf genieĂen.
Aktualisierte Leitlinien und therapeutische AnsÀtze
Die im August 2026 diskutierten ESC/EAS-Leitlinien zur DyslipidĂ€mie bestĂ€tigen die bestehenden Zielwerte fĂŒr das LDL-Cholesterin (LDL-C). Je nach Risikoprofil gelten unterschiedliche Grenzwerte: Bei moderatem Risiko wird ein Wert von unter 2,6 mmol/l angestrebt, bei hohem Risiko unter 1,8 mmol/l und bei sehr hohem Risiko unter 1,4 mmol/l. Zur Risikostratifizierung kommen dabei etablierte Systeme wie SCORE2 und SCORE2-OP zum Einsatz, die das Zehn-Jahres-Risiko fĂŒr kardiovaskulĂ€re Ereignisse bewerten.
Ein neues Paradigma stellt das sogenannte kardio-reno-metabolische Syndrom (KRMS) dar. Dieser Ansatz verknĂŒpft kardiovaskulĂ€re, renale und metabolische Risikofaktoren. Im Zentrum stehen dabei viszerale Adipositas, Insulinresistenz sowie die AktivitĂ€t des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) und des sympathischen Nervensystems (SNS). Als Basis jeder Therapie wird eine konsequente Modifikation des Lebensstils angesehen.
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Neue Erkenntnisse aus der internationalen Forschung
Aktuelle Studien liefern zusĂ€tzliche Kriterien fĂŒr die Risikobewertung. Eine Untersuchung in der Fachzeitschrift JACC an ĂŒber 260.000 Personen ĂŒber einen Zeitraum von durchschnittlich 20 Jahren zeigt, dass der Taillenumfang und das Taille-HĂŒft-VerhĂ€ltnis das kardiovaskulĂ€re Risiko prĂ€ziser vorhersagen als der Body-Mass-Index (BMI). Selbst bei normalem BMI weisen Personen mit erhöhtem Taillenumfang ein um 15 bis 50 Prozent gesteigertes Risiko auf.
Parallel dazu gewinnen Methoden zur Bestimmung des biologischen Alters an Bedeutung. Ein US-Forscherteam stellte mit den sogenannten Transcriptomic Aging Gene Scores (TAGS) ein Verfahren vor, das auf Genexpression basiert und Herzleiden oder Diabetes besser prognostizieren soll als bisherige Methoden. ErgÀnzend dazu ermöglichen KI-Modelle die SchÀtzung des biologischen Alters verschiedener Organe mit einer Genauigkeit von etwa 4,88 Jahren.
Notfallmedizinische Daten und Warnsignale
Auch die Notfallmedizin liefert wichtige Erkenntnisse zur PrĂ€vention. Laut dem Deutschen Reanimationsregister gab es im Jahr 2025 rund 130.000 Herz-Kreislauf-StillstĂ€nde auĂerhalb von Kliniken. Die Ersthelferquote lag bei 53,5 Prozent, wĂ€hrend automatisierte externe Defibrillatoren (AED) nur in 2 Prozent der FĂ€lle zum Einsatz kamen.
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Eine US-Studie identifizierte zudem geschlechtsspezifische Warnsignale: WĂ€hrend MĂ€nner bei einem drohenden Herzstillstand hĂ€ufiger ĂŒber Brustschmerzen klagten (47 Prozent), stand bei Frauen Atemnot im Vordergrund (39 Prozent). Bemerkenswert ist, dass 44 Prozent dieser Symptome bereits 15 Minuten vor dem eigentlichen Ereignis auftraten.
