Herzinfarkt zu Hause: Drei Viertel der TodesfÀlle ohne vorherigen Notruf
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin Herzinfarkt kĂŒndigt sich in der allgemeinen Wahrnehmung meist durch vernichtende Schmerzen in der Brust an. Zahlreiche Fachberichte verdeutlichen jedoch, dass sich ein akuter Myokardinfarkt keineswegs immer ĂŒber das klassische Bild Ă€uĂert.
Insbesondere bei Frauen, Ă€lteren Personen und Menschen mit Diabetes treten hĂ€ufig atypische Anzeichen auf â von Oberbauchbeschwerden ĂŒber diffuse Zahnschmerzen bis hin zu unerklĂ€rlicher Erschöpfung. Bei jedem Verdacht ist die sofortige Wahl des Notrufs ĂŒber die Rufnummer 112 lebensrettend.
Hohe Sterblichkeit und unbemerkte VerlÀufe
Die Dimension der Erkrankung bleibt gravierend. Angaben der Deutschen Herzstiftung zufolge erleiden in Deutschland jĂ€hrlich ĂŒber 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Die Sterblichkeitsrate ist dabei betrĂ€chtlich: 43% der betroffenen Frauen und 37% der betroffenen MĂ€nner sterben infolge des Ereignisses.
Nach gemeinsamen Erhebungen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Deutschen Herzstiftung ereignen sich drei Viertel aller TodesfĂ€lle nach einem Herzinfarkt zu Hause, ohne dass zuvor Ă€rztliche Hilfe alarmiert wurde. In Spanien erfasste das Statistikamt INE fĂŒr das Jahr 2024 insgesamt 12.780 TodesfĂ€lle infolge eines akuten Myokardinfarkts.
Das DRK beschreibt als typische Leitsymptome starke Schmerzen hinter dem Brustbein, die in den linken Arm, die Schulter oder den Oberbauch ausstrahlen können, begleitet von Todesangst, SchwÀche sowie einem blass-grauen Gesicht.
Wie der Kardiologe JosĂ© AbellĂĄn darlegte, unterscheidet sich der Infarkt von einer stabilen Angina pectoris: WĂ€hrend letztere unter körperlicher Anstrengung auftritt und in Ruhe nach wenigen Minuten abklingt, verursacht der thrombotische GefĂ€Ăverschluss beim Infarkt anhaltende, starke Schmerzen im Ruhezustand.
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Atypische Beschwerden und geschlechtsspezifische Unterschiede
Bei Frauen prĂ€sentiert sich das Geschehen oft anders. Die Deutsche Herzstiftung hebt hervor, dass weibliche Patienten hĂ€ufiger unter Kurzatmigkeit, SchweiĂausbrĂŒchen, RĂŒckenschmerzen, Ăbelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen, einem Ziehen in den Armen sowie unklarer MĂŒdigkeit leiden. Schmerzen können zudem in Hals, Rachen und Kiefer ausstrahlen und sich mitunter als Zahnschmerzen manifestieren.
Ein Bericht von Science-et-vie verwies darauf, dass die Ursache bei Frauen teilweise in kleinen HerzkranzgefĂ€Ăen liegt und auf klassischen Koronarangiographien unsichtbar bleibt. Zudem schĂŒtzten Ăstrogene vor der Menopause teilweise. Laut der Lancet-Kommission von 2021 sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit die hĂ€ufigste Todesursache bei Frauen.
Professor Juri Serebrjanski fĂŒhrte an, dass sich ĂŒber 70% der von ihm befragten Patientinnen an eine ungewöhnlich starke MĂŒdigkeit im Monat vor dem Akutereignis erinnerten.
Zu den beobachteten Mustern zĂ€hlten untypischer Druck in der Herzgegend, Atemnot bei minimaler Belastung oder in Ruhe, kalter SchweiĂ, Schwindel sowie ausgeprĂ€gte Blutdruckschwankungen mit Werten von bis zu 200 mmHg und abruptem Abfall.
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Dagegen zeigten MĂ€nner laut Serebrjanski hĂ€ufiger das klassische Druck- oder BrenngefĂŒhl hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung bis in den linken kleinen Finger sowie plötzlichen Blutdruckabfall bei ausgedehntem Befall.
VerlĂ€ssliche Vorwarnphasen lassen sich medizinisch jedoch kaum festlegen. Laut Veröffentlichungen des Portals Thewom.it gibt es in den Tagen vor einem Infarkt keine standardisierte Sequenz, da viele Daten auf retrospektiver Erinnerung beruhen. Brustbeschwerden bleiben bei beiden Geschlechtern das hĂ€ufigste Symptom, treten bei Frauen jedoch vermehrt kombiniert mit Ăbelkeit und Atemnot auf.
Rasche Diagnose und Risikofaktoren
Jede neue, zunehmende oder anhaltende Brustbeschwerde in Ruhe gilt medizinisch als Notfall. Die chinesische STEMI-Leitlinie von 2023 definiert fĂŒr drĂŒckende Schmerzen hinter dem Brustbein von mehr als 15 Minuten Dauer, die nicht auf Ruhe oder Nitroglycerin ansprechen, ein kritisches Reperfusionszeitfenster von 120 Minuten nach Beginn.
Bei atypischen VerlĂ€ufen, die insbesondere ĂŒber 75-JĂ€hrige, Diabetiker und Frauen betreffen, können Synkopen oder SchockzustĂ€nde erste Anzeichen sein. Die definitive Diagnose lĂ€sst sich nur ĂŒber das EKG und Herzenzyme wie Troponin stellen; ein initial unauffĂ€lliges EKG schlieĂt ein akutes Koronarsyndrom nicht aus.
Gleichzeitig geraten jĂŒngere Zielgruppen in den Fokus. Nach Angaben von Wei Liye vom Beijing General Aerospace Hospital weisen neun von zehn jungen Infarktpatienten mindestens einen beeinflussbaren Risikofaktor auf, vorrangig das Rauchen.
In China stieg der Anteil der Infarktpatienten unter 35 Jahren binnen eines Jahrzehnts von 3% auf 13%. Medizinische Fachleute warnen, bei unklaren Schmerzen in Ruhe nicht abzuwarten, auf Selbstmedikation zu verzichten und kein Fahrzeug eigenstĂ€ndig zu fĂŒhren, sondern unverzĂŒglich den Rettungsdienst zu verstĂ€ndigen.
