Herzinfarkte: Ăberlebenschance bei 75-JĂ€hrigen springt auf 75%
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Medizin hat das Krankheitsspektrum in westlichen Gesellschaften grundlegend verschoben. WĂ€hrend Herzinfarkte und Herz-Kreislauf-TodesfĂ€lle massiv zurĂŒckgehen, leben immer mehr Menschen mit Krebs â und das ist gute Nachricht.
Herzinfarkte: Halbierung bei 75-jÀhrigen Frauen
Eine Studie des Max-Planck-Instituts fĂŒr demografische Forschung (MPIDR) und des Karolinska-Instituts zeigt die dramatische Entwicklung: Bei 75-jĂ€hrigen Frauen hat sich die Herzinfarkt-HĂ€ufigkeit zwischen den Geburtskohorten 1920 und 1940 halbiert. Auch die Ăberlebenschance nach einem Infarkt stieg deutlich â von 51 auf 75 Prozent.
Die am 5. August veröffentlichte Untersuchung schwedischer Registerdaten belegt den Fortschritt. Ăhnlich positiv sieht es bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz aus: Eine schwedische Registerstudie vom 22. Juli zeigt, dass die Ein-Jahres-MortalitĂ€t von 46,1 pro 100 Personenjahre (2003) auf 32,9 (2022) sank. Fachleute fĂŒhren das unter anderem auf linksventrikulĂ€re HerzunterstĂŒtzungssysteme (LVAD) zurĂŒck.
Krebswelle als Erfolgsgeschichte
Die Kehrseite der Medaille: Krebserkrankungen nehmen zu. Bei MĂ€nnern zwischen 80 und 89 Jahren stieg die PrĂ€valenz von 17,3 Prozent (Geburtskohorte 1912) auf 20,7 Prozent (Kohorte 1931). Der Grund ist paradoxerweise der medizinische Erfolg â Patienten sterben heute seltener an anderen Ursachen und werden dank besserer Diagnostik frĂŒher entdeckt.
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Die Innovationsdynamik in der Onkologie ist beachtlich. Allein 2025 lieĂ die US-Gesundheitsbehörde FDA 19 neue Krebsmedikamente und 16 diagnostische Tests zu. Als vierte SĂ€ule der Therapie hat sich die Immuntherapie etabliert â von Checkpoint-Inhibitoren bis zur CAR-T-Zell-Therapie bei Blutkrebs.
FrĂŒherkennung rettet Leben
Screening-Programme zahlen sich aus. Im Baskenland sank die Darmkrebs-Sterblichkeit bei 50- bis 69-JĂ€hrigen zwischen 2004 und 2024 um rund 50 Prozent. Ăber 70 Prozent der Tumoren wurden dank immunologischer Stuhltests in einem helfen frĂŒhen, gut behandelbaren Stadium entdeckt.
Das Paradoxon der gesunden Arbeitszeit
Doch der medizinische Fortschritt hat eine Schattenseite. Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zeigt: Die gesunde Lebensarbeitszeit hĂ€lt nicht mit dem steigenden Renteneintrittsalter Schritt. Besonders betroffen sind 18- bis 44-JĂ€hrige â hier nehmen Muskel-Skelett-Erkrankungen deutlich zu, wĂ€hrend Krebs und Herzkrankheiten zurĂŒckgehen.
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Die MHH-Forscher warnen zudem vor wachsender Ungleichheit: Menschen mit niedrigerem Bildungsstand verbringen zwischen 30 und 69 deutlich weniger Jahre in guter Gesundheit als höher Gebildete. LĂ€ngere Erwerbsbiografien könnten fĂŒr diese Gruppe zu einer lĂ€ngeren Phase der Arbeit in schlechtem Gesundheitszustand fĂŒhren.
