Herzinsuffizienz: Vier-SĂ€ulen-Modell revolutioniert Behandlung
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 00:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung von Patienten mit kardiorenalem metabolischem Syndrom steht vor einem Paradigmenwechsel. Im Rahmen des ESC-Kongresses, der Ende August 2026 in MĂŒnchen stattfand, wurden zentrale Erkenntnisse zur medikamentösen Therapie und neue klinische Leitlinien vorgestellt. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand ein Vier-SĂ€ulen-Modell, das die Prognose betroffener Patienten maĂgeblich verbessern soll.
Die vier SÀulen der medikamentösen Versorgung
FĂŒr die Behandlung des kardiorenalen metabolischen Syndroms kristallisieren sich vier wesentliche Wirkstoffgruppen als fundamentale Basis heraus. Diese umfassen Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Systems (RASi), bestehend aus ACE-Hemmern, Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) oder Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI).
Die zweite SĂ€ule bilden SGLT2-Inhibitoren, wĂ€hrend die dritte SĂ€ule durch den nichtsteroidalen Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (MRA) Finerenon besetzt wird. Als vierte SĂ€ule werden GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Tirzepatid aufgefĂŒhrt.
Besonders die Bedeutung der GLP-1-Rezeptoragonisten nimmt stetig zu. Daten des Marktforschungsinstituts Gallup verdeutlichen die hohe Verbreitung dieser Medikamentenklasse; demnach nutzen derzeit 11% der US-Bevölkerung diese PrÀparate.
Neuklassifizierung der Herzinsuffizienz und fundamentale Therapie
Die im European Heart Journal veröffentlichten ESC-Leitlinien 2026 bringen weitreichende Ănderungen in der Klassifikation der Herzinsuffizienz mit sich. Die bisherige Kategorie der Herzinsuffizienz mit leicht geminderter Ejektionsfraktion (HFmrEF, LVEF 41-49%) wurde abgeschafft.
KĂŒnftig wird lediglich zwischen einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF bei einer LVEF unter 50%) und einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF bei einer LVEF von mindestens 50%) unterschieden.
Zudem wurde der Begriff der âfundamentalen medikamentösen Therapieâ (FMT) eingefĂŒhrt. FĂŒr symptomatische Patienten erhielten SGLT2-Inhibitoren sowie Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten wie Spironolacton, Eplerenon und Finerenon eine Klasse-Ia-Empfehlung, die unabhĂ€ngig von der linksventrikulĂ€ren Auswurfleistung gilt.
In der Nomenklatur ersetzt zudem der Begriff der âdekompensiertenâ Herzinsuffizienz die bisherige Bezeichnung der âakutenâ Herzinsuffizienz. Bei Patienten mit einer LVEF von höchstens 40% wird der Einsatz von Digoxin oder Digitoxin auf Basis der DIGIT-HF-Daten nun mit einer Klasse-IIa-Empfehlung bewertet.
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Aktuelle Studienergebnisse zu Finerenon und Zusatztherapien
Neue Daten einer groĂangelegten Untersuchung aus Singapur mit rund 20.000 Patienten unterstreichen den Nutzen von Finerenon. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Wirkstoff auch bei Patienten mit Hypertonie und bestehenden kardiovaskulĂ€ren Erkrankungen vorteilhafte Effekte erzielt.
Parallel dazu lieferte eine Subanalyse der QUEST-Studie mit 3110 HFrEF-Patienten Erkenntnisse zur Anwendung von Qiliqiangxin. Die zusĂ€tzliche Gabe dieses PrĂ€parats zur Standardtherapie konnte das Risiko fĂŒr kardiovaskulĂ€r bedingte TodesfĂ€lle oder Hospitalisierungen aufgrund von Herzinsuffizienz senken.
Bei Patienten, die bereits einen ARNI erhielten, lag die Hazard Ratio bei 0,84 (95% CI 0,70-1,00), wÀhrend sie bei Nicht-Anwendern 0,77 (95% CI 0,62-0,95) betrug.
In Europa wird zudem im Rahmen des Horizon-Europe-Programms die SGLT2-HYPE-Studie durchgefĂŒhrt. Diese akademische Untersuchung analysiert die Wirkung von 10 mg Dapagliflozin im Vergleich zu einem Placebo bei 3162 Patienten ab 60 Jahren, die unter unkontrollierter Hypertonie und weiteren kardiovaskulĂ€ren Risikofaktoren leiden.
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Erweiterte Diagnostik und Risikofaktoren im klinischen Alltag
Die medizinischen Fachgesellschaften betonen die Notwendigkeit eines verstĂ€rkten Screenings auf Albuminurie bei allen Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch die PrĂ€zision bei der Bestimmung der Nierenfunktion bleibt ein Thema: Vergleiche verschiedener eGFR-Formeln zeigten Abweichungen von 7-10 ml/min/1,73mÂČ.
Ein weiterer Fokus liegt auf der HypertriglyzeridĂ€mie. Werte ĂŒber 150 mg/dl erhöhen laut Experten das Risiko fĂŒr Pankreatitis und atherosklerotische kardiovaskulĂ€re Erkrankungen (ASCVD).
Bei Triglyzeridwerten ab 10 mmol/l wird die Gabe von Fibraten oder Omega-3-FettsĂ€uren in einer Dosierung von 2-4 g pro Tag zur PrĂ€vention einer Pankreatitis empfohlen. Zudem wurde die universelle Definition des Myokardinfarkts vereinfacht und umfasst nun drei statt der bisherigen fĂŒnf Typen.
