Herzkrankheiten, Frauen

Herzkrankheiten bei Frauen: Jede dritte stirbt daran, EKG kann täuschen

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ungewöhnliche Infarktzeichen erschweren die Erkennung; zugleich zeigen Studien Defizite bei Behandlung und weiblicher Beteiligung.
Ein heller, minimalistischer Behandlungsraum in einer Klinik mit einer leeren Untersuchungsliege in natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Herzkrankheiten stellen weltweit die häufigste Todesursache bei Frauen dar. Wie die Kardiologin Anna Rab auf einem Symposium für Gendermedizin in Wien hervorhob, stirbt jede dritte Frau an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, während im Vergleich dazu etwa jede 25. Frau an Brustkrebs verstirbt. Rab wies zudem darauf hin, dass ein unauffälliges Elektrokardiogramm (EKG) bei Patientinnen nicht zwangsläufig bedeutet, dass das Herz gesund ist.

Abweichende Symptome verzögern Notfallbehandlungen

Frauen überleben einen Herzinfarkt seltener als Männer und werden bei gleichen Schmerzen seltener mit Schmerzmitteln versorgt, wie eine Klinikdirektorin in einem Bericht vom 23. Oktober 2026 darlegte. Zudem werde ein Infarkt bei ihnen häufiger übersehen. Dies hängt eng mit abweichenden Krankheitszeichen zusammen.

Nach Angaben einer Übersichtsarbeit im Journal of the American Heart Association äußert sich ein Infarkt bei Frauen vermehrt durch Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen zwischen den Schulterblättern sowie ungewöhnliche Müdigkeit und Schwindel. Weitere Warnsignale sind kalte Schweißausbrüche, Brustdruck und Schmerzen im Kiefer-, Hals- oder Rückenbereich.

Die Kardiologin Alayde Rivera von der brasilianischen Einrichtung Santa Casa Maceió betonte, dass kardiovaskuläre Erkrankungen auch in Brasilien zu den führenden Todesursachen weiblicher Patienten zählen.

Frauen zeigten neben Brustschmerzen häufig Palpitationen, Unwohlsein und Nervosität, was klinisch leicht mit einer Angststörung verwechselt werden könne und erst in der Notaufnahme differenzierbar sei.

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Zugleich belegen kardiologische Fachberichte vom Oktober 2026, dass Frauen bei einem plötzlichen Herzstillstand im öffentlichen Raum eine geringere Chance haben, von Ersthelfenden reanimiert zu werden.

Hormonelle Einflüsse und Vorerkrankungen als Verstärker

Neben klassischen Faktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, erhöhtem Cholesterin, Übergewicht und Bewegungsmangel beeinflussen frauenspezifische Gegebenheiten das Risiko. Laut dem Journal of the American Heart Association stellen Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie und Autoimmunerkrankungen bedeutsame Risikofaktoren dar.

Rivera erklärte, dass der Estrogenabfall in den Wechseljahren das kardiovaskuläre Risiko steigen lässt, vor allem bei Diabetes, Bluthochdruck, früher Menopause oder nach einer Ovarektomie. Eine Hormontherapie eigne sich zwar zur Linderung typischer Beschwerden, nicht aber zur Prävention von Infarkten oder Schlaganfällen.

Laut Rab sind zudem rund drei Viertel der Menschen mit Autoimmunerkrankungen weiblich. Auf einem MedTech-Konferenz-Panel in Boston forderte Dr. Kathleen Jordan von Midi Health mehr Forschung zu Entzündungsprozessen bei Frauen, da diese eng mit Herz-Kreislauf-Leiden, Demenz und Krebs verknüpft seien.

Wie stark Stoffwechselstörungen wirken, unterstreicht die norwegische Tromsø-Studie im European Heart Journal Open mit 42.907 Teilnehmenden im Alter von 35 bis 104 Jahren.

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Während der Risikoanstieg für Infarkte bei Männern ab 45 Jahren einsetzte, begann er bei Frauen ab 55 Jahren. Das alters- und kohortenadjustierte Inzidenzratenverhältnis für einen Herzinfarkt bei Diabetes lag bei Frauen bei 2,26 gegenüber 1,84 bei Männern; nach Adjustierung für weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren betrug der Wert 1,72 bei Frauen und 1,67 bei Männern.

Forschungslücken und Unterrepräsentanz in klinischen Studien

In der Medikation und klinischen Forschung bestehen weiterhin erhebliche Defizite. Rab unterstrich, dass Frauen bei blutgerinnungshemmenden Medikamenten ein um 40 Prozent höheres Risiko für Blutungskomplikationen tragen, eine gezielte Dosisanpassung mangels aussagekräftiger Studien jedoch fehle.

Auf dem Panel in Boston bemängelte Alicia Chong Rodriguez von Bloomer Tech, dass Patientinnen in Studien nicht nur ein Nachgedanke sein dürften. Dr. Laura Mauri von Medtronic forderte eine gezielte Überrepräsentation von Frauen und insbesondere Women of Color in Datensätzen, um die historische Unterrepräsentanz auszugleichen.

Die strukturelle Ungleichheit verdeutlichen auch historische Daten des Deutschen Herzberichts 2016: Im Erhebungsjahr 2014 starben in Deutschland 110.915 Frauen und 97.061 Männer an Herzerkrankungen.

Bei Herzschwäche lag die Sterbeziffer weiblicher Patienten bei 68,9 pro 100.000 Einwohner (28.513 Fälle), verglichen mit 40,3 bei Männern (16.038 Fälle). Dennoch machten Frauen im Folgejahr 2015 lediglich 35,4 Prozent der Linksherzkatheter-Untersuchungen und 22 Prozent der Bypass-Operationen (11.521 von 51.941 Eingriffen) aus.

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