Herzkranzgefäße: Bildgebung senkt Komplikationsrisiko bei Angioplastien um 29 Prozent
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deVerkalkungen der Herzkranzgefäße gehören zu den anspruchsvollsten Szenarien in der interventionellen Kardiologie. Wie die italienische Gesellschaft für interventionelle Kardiologie GISE anlässlich ihres 47. Nationalkongresses in Mailand darlegte, treten kalzifizierte Läsionen bei 20 bis 30 Prozent der Patienten auf, die sich einer Koronar-Angioplastik unterziehen müssen.
GISE-Präsident Alfredo Marchese wies darauf hin, dass die Verkalkungen in rund einem Drittel der Fälle signifikanter Koronarerkrankungen in moderater oder schwerer Form vorliegen.
Die Betroffenen im Katheterlabor seien zunehmend älter, litten häufig an Diabetes mellitus sowie an Mehrgefäßerkrankungen. Das eingelagerte Kalzium blockiert dabei häufig die Ballondilatation und verhindert eine vollständige Entfaltung von Gefäßstützen.
Bildgebungsdefizite und regulatorische Hürden
Trotz der klinischen Relevanz wird die intravaskuläre Bildgebung bislang zurückhaltend angewendet. Nach Angaben der Fachgesellschaft GISE kam diese Diagnostik in Italien zuletzt nur bei 14 Prozent der Angioplastien zum Einsatz, was 22.592 von 160.400 erfassten Eingriffen entspricht.
Aufgeschlüsselt wurden dabei im letzten Jahr 18.205 intravaskuläre Ultraschalluntersuchungen (ein Zuwachs von 14,1 Prozent) sowie 4.387 optische Kohärenztomographien (ein Plus von 9,5 Prozent) vorgenommen.
Als wesentliche Ursache für die zögerliche Nutzung benennt die GISE finanzielle Faktoren und fordert eine Anpassung des institutionellen Tarifsystems, um einen gerechten Zugang zur Präzisionsbehandlung zu sichern. Die europäischen ESC-Leitlinien aus dem Jahr 2024 stufen die intravaskuläre Bildgebung in komplexen Fällen bereits als Klasse-I-Empfehlung ein.
Eine im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Untersuchung belegt zudem, dass eine bildgebungsgestützte Angioplastik das Risiko für Langzeitversagen oder Komplikationen im Vergleich zur traditionellen Angiographie um rund 29 Prozent verringert.
Wie der Experte Yasushi Ueki darlegte, behindern stark kalzifizierte Läsionen das Einbringen der Instrumente und begünstigen Restenosen sowie Stent-Thrombosen. Eine intrakoronare Bildgebung helfe bei der Wahl von Atherektomieverfahren, während physiologische Messungen unnötige Interventionen vermieden.
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Neue Therapiewerkzeuge im Katheterlabor
Für die Modifikation kalzifizierter Gefäßabschnitte setzt die interventionelle Kardiologie laut GISE neben mikrolasergestützten Systemen auf rotierende und orbitale Atherektomieverfahren sowie auf die intravaskuläre Lithotripsie mittels akustischer Schockwellen, überwacht per intravaskulärem Ultraschall oder dreidimensionaler Kohärenztomographie.
In diesem Bereich treiben Medizintechnikunternehmen die Weiterentwicklung voran: Johnson & Johnson brachte in Santa Clara den Katheter Shockwave C2 Aero Fly auf den US-Markt.
Das System arbeitet mit Impulsen bei einer Frequenz von 2 Hertz, wodurch sich die Behandlungszeit gegenüber Vorgängergenerationen von 230 Sekunden auf 115 Sekunden halbiert. Die Pausenzeit zwischen den Zyklen verringert sich um 50 Prozent auf 5 Sekunden. Diese verkürzte Inflationsdauer soll die verfahrensbedingte Ischämiezeit reduzieren.
Daten hierzu sollen auf der Konferenz TCT 2026 vorgestellt werden, die vom 31. Oktober bis zum 3. November 2026 in San Diego stattfindet. Nach CDC-Erhebungen betrifft die koronare Herzkrankheit weltweit rund 315 Millionen Menschen und in den USA etwa jeden 20. Erwachsenen über 20 Jahren.
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Diagnostik durch CT-Angiographie und künstliche Intelligenz
Ergänzend zur Katheterintervention gewinnt die nichtinvasive Diagnostik an Gewicht. Jonathan Leipsic von der University of British Columbia hob hervor, dass quantitative Plaque-Analysen via koronarer CT-Angiographie durch Scanner-Innovationen und künstliche Intelligenz voranschreiten.
KI-Systeme quantifizieren das gesamte Plaque-Volumen und differenzieren zwischen kalzifizierten und nicht-kalzifizierten Strukturen. Die Photon-Counting-Computertomographie verspreche zudem Fortschritte bei der Beurteilung kalziumüberlagerter Areale. Leipsic unterstrich, dass behördliche Zulassungen und Vergütungsregelungen lediglich den Startpunkt der Validierung bildeten.
Wissenschaftliche Analysen untermauern die Differenzierung unterschiedlicher Plaque-Komponenten: Das First Affiliated Hospital of Dalian Medical University stellte in einer adjustierten Auswertung auf Patientenebene fest, dass obstruktive Herzerkrankungen (Koeffizient 0,685, p=0,014) und Plaques geringer Dämpfung (Koeffizient 0,339, p=0,008) unabhängig assoziiert sind.
Auf Gefäßebene erwiesen sich obstruktive KHK (Koeffizient 0,761, p<0,001), kalzifizierte Plaques (Koeffizient 0,209, p=0,040) sowie Plaques geringer Dämpfung (Koeffizient 0,219, p=0,019) als signifikant. Die Kombination aus hochauflösender Bildgebung und adaptierten Zerkleinerungstechniken bleibt somit der zentrale Schlüssel bei der Versorgung komplexer Gefäßstenosen.
