Herzrisiko, Erkrankungen

Herzrisiko: KI erkennt Erkrankungen bis zu 15 Jahre frĂŒher

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 15:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

KI-Modelle sagen Herz-Kreislauf-Risiken Jahre vor Symptomen voraus. Neue Studien belegen HarnsÀure als Marker und verbesserte Therapietreue durch Sartane.

KI und Biomarker: Neue Wege zur FrĂŒherkennung von Herzrisiken
Digitales Tablet mit medizinischen Herzfrequenzdaten und molekularen Strukturen zur Darstellung moderner Blutdruckdiagnostik. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Moderne Medizin setzt auf FrĂŒherkennung. Denn Bluthochdruck bleibt oft jahrelang unbemerkt. Jetzt liefern KI-Modelle und neue Biomarker Hoffnung.

KI erkennt Herzrisiken Jahre vor Symptomen

KĂŒnstliche Intelligenz erweitert die diagnostischen Möglichkeiten massiv. Bestimmte KI-Modelle können kardiovaskulĂ€re Risiken bis zu 15 Jahre vor dem Auftreten erster Symptome vorhersagen. Ein in Hongkong entwickeltes Verfahren namens CardiOmicScore analysiert dazu Proteine und Stoffwechselprodukte im Blut.

Der Test bestimmt die Wahrscheinlichkeit fĂŒr sechs verschiedene Herzerkrankungen. Parallel dazu ermöglicht ECG2Stroke die RisikoabschĂ€tzung fĂŒr SchlaganfĂ€lle – und das auf Basis eines nur zehnsekĂŒndigen EKGs.

HarnsÀure als neuer Risikomarker

Auch die Forschung zu Biomarkern liefert neue Erkenntnisse. Die Paracelsus-Studie aus Salzburg untersuchte ĂŒber 10.000 Patienten. Ergebnis: Erhöhte HarnsĂ€urewerte hĂ€ngen eng mit einer verstĂ€rkten Verkalkung der HerzkranzgefĂ€ĂŸe zusammen.

HarnsĂ€ure gilt damit als wesentlicher Marker fĂŒr die koronare Gesundheit. Die Studie geht im FrĂŒhjahr 2027 in eine dritte Runde – dann sollen die Langzeitfolgen genauer untersucht werden.

Weniger TherapieabbrĂŒche durch bessere Medikamente

Ein großes Problem bei Bluthochdruck: Patienten brechen die Therapie ab. Eine Meta-Analyse im Fachjournal JAMA bringt jetzt Klarheit. Die Studie wertete Daten von ĂŒber 159.000 Probanden aus mehr als 700 Studien aus.

Sartane senken das Abbruchrisiko im Vergleich zu anderen Wirkstoffen deutlich. Bei einer Monotherapie um 27 Prozent, in Kombination mit Kalziumkanalblockern sogar um 39 Prozent. Anders sieht es bei anderen Kombinationen aus: ACE-Hemmer plus Kalziumkanalblocker erhöhen das Abbruchrisiko um 46 Prozent, Betablocker mit Thiazid-Diuretika sogar um 58 Prozent.

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SGLT2-Hemmer: Doppelte Schutzwirkung?

Neue Daten zu SGLT2-Inhibitoren ĂŒberraschen. Eine Analyse in Nature Medicine zeigt: Bei Patienten mit genetischem Risiko fĂŒr HerzschwĂ€che senkt Dapagliflozin das Hospitalisierungsrisiko um bis zu 82 Prozent. Und noch etwas: Die Wirkstoffe könnten das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent reduzieren.

Screening-Angebote werden ausgebaut

Um die hohe Dunkelziffer zu senken, setzen Gesundheitsdienstleister auf niederschwellige Angebote. In Karlsruhe startet am 28. Juli ein Informationsbus. Dort gibt es kostenfreie Messungen von Blutdruck und Blutzucker sowie AufklÀrung zur Thromboseprophylaxe.

Auch Krankenversicherungen wie die SBK oder BIG direkt gesund bieten digitale Gesundheitschecks an. Sie erfassen auf Basis von Lebensweise und Familiengeschichte das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tumore.

In der klinischen Praxis setzt sich zunehmend das Kardio-CT durch. Bei Brustschmerzen ohne bekannte koronare Herzkrankheit gilt es als patientenschonende Alternative zur Herzkatheteruntersuchung – mit geringerer Strahlenbelastung. Allerdings stĂ¶ĂŸt die Methode bei stark verkalkten GefĂ€ĂŸen oder Vorhofflimmern an ihre Grenzen.

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Warnsignale ernst nehmen

Bluthochdruck verlĂ€uft oft symptomlos – doch die SpĂ€tfolgen sind schwerwiegend. Besonders bei Ă€lteren Menschen schĂ€digt dauerhaft hoher Blutdruck die HirngefĂ€ĂŸe und erhöht das Risiko fĂŒr Hirnblutungen massiv.

Akute Alarmsignale: plötzliche Kopfschmerzen, LĂ€hmungserscheinungen oder Sprachstörungen. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Neurologie betont: Durch konsequente Kontrolle der Risikofaktoren ließen sich rund 70 Prozent der SchlaganfĂ€lle und 45 Prozent der DemenzfĂ€lle vermeiden.

Auch Nebenwirkungen werden neu bewertet. Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) ordnete im Juli an, das Kounis-Syndrom als mögliche Nebenwirkung in die Produktinformationen von ASS-haltigen Arzneimitteln aufzunehmen. Dabei handelt es sich um eine allergisch bedingte Angina pectoris. Die Inzidenz liegt bei knapp 8 bis 10 FĂ€llen pro 100.000 Personen jĂ€hrlich.

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